Sparkasse fordert Erleichterungen bei Bonitäts-Bewertung

Lichtenfels/Coburg Unternehmer und Selbstständige in der Region sind von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Die Sparkasse Coburg-Lichtenfels stehe bereit, Betroffenen Unternehmen Hilfe anzubieten, um eine wirtschaftliche Talfahrt zu verhindern, teilt die Bank mit. Über die Sparkasse sind Anträge aus der ersten Phase des Hilfspakets der Bundesregierung möglich, für das die KfW ihre bestehenden Programme erweitert. „Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu begrenzen und stehen unseren Unternehmenskunden zur Seite“, so Dr. Martin Faber, Vorstandschef der Sparkasse Coburg-Lichtenfels im Interview.

Obermain-Tagblatt: Wie sieht es gerade in Ihrer Sparkasse aus?

Dr. Martin Faber: Wir gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen Zahlungsverkehr, Bargeldversorgung, Wertpapierabwicklung und vieles mehr auch in Krisenzeiten sicherstellen. Auch wenn es nach außen recht ruhig erscheinen mag, arbeiten wir intern mit Hochdruck daran, unseren Geschäftsbetrieb robust aufzustellen. Wir haben zwar unsere kleineren Filialen vorübergehend geschlossen, aber wir sind für unsere Kunden selbstverständlich weiterhin telefonisch und online da.

Für Unternehmen, die wegen der Corona-Krise Liquiditätshilfen brauchen, setzen wir als Hausbank vor Ort die Hilfsprogramme der Förderbanken um. Aufgrund der geltenden Ausgangsbeschränkungen und zum Schutz unserer Mitarbeiter sind auch wir gefordert, persönliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Uns ist es aber wichtig, dass die Kredite möglichst schnell und wirksam bei den wirklich Betroffenen ankommen. Deshalb bündeln wir derzeit unsere personellen Ressourcen und setzen sie unter anderem unterstützend für die Firmenkundenberatung und die Kreditsachbearbeitung ein.

Gibt es denn viele Unternehmen im Raum Coburg-Lichtenfels, die einen solchen Förderkredit in Anspruch nehmen müssen?

Faber: Die Beantragung ist seit voriger Woche möglich. Viele Unternehmen informieren sich derzeit, es gibt konkrete Anfragen. Dabei darf nicht übersehen werden, dass wir von der Aufsicht klare Zugeständnisse erwarten, zum Beispiel im Umgang mit der Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit, um diejenigen bedienen zu können, die eine Unterstützung am nötigsten haben. Sind die regulatorischen Fragen geklärt, rechnen wir damit, dass die Zahl der Förderanträge in den nächsten Tagen stark zunimmt.

Wie sehen diese Programme aus?

Faber: Der Staat stellt über verschiedene Förderbanken Kreditmittel zur Verfügung, die zu besonderen Konditionen beansprucht werden können. Die LfA und die KfW etwa können hohe Volumina zu günstigen Kreditkonditionen vergeben und übernehmen auch den Großteil des Haftungsrisikos der Hausbanken, was uns die Kreditentscheidung erleichtert. Wer einen Antrag stellen will, wendet sich an seine Hausbank. Wir prüfen den Kreditantrag, und sorgen dann bei erfolgreicher Prüfung für eine rasche Auszahlung.

Welche Unternehmen können denn Zuschüsse bekommen?

Faber: Achtung, hier muss man aufpassen. Die Finanzierungsmittel der Förderbanken sind keine Zuschüsse, sondern Kredite zu günstigen Konditionen. Und sie können in einem grundsätzlich vereinfachten Verfahren vergeben werden, da LfA Förderbank Bayern und KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau bis zu bestimmten Kredithöhen auf eine eigene Kreditprüfung verzichten und sich auf das Urteil der Sparkassen verlassen. Der Prozess soll unkompliziert laufen, die Kreditprüfung bei der Hausbank bzw. Sparkasse muss aber natürlich weiterhin den banküblichen gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Das heißt, dass Antragsteller auch weiterhin als kreditwürdig eingestuft sein müssen, um eines der Darlehen zu bekommen.

„Aus unserer Sicht sollten nicht alle Unternehmen mit 'Vorproblemen' gänzlich ausgeschlossen werden.“
Dr. Martin Faber, Vorstandschef
Ist das in dieser Ausnahmezeit nicht zu streng?

Faber: Grundsätzlich nein, denn es ist auch klar, dass unser Staat nicht einfach alles verschenken kann. Schließlich ist es Geld, das vom Steuerzahler zu erwirtschaften ist. Es muss klare Regeln geben. Die antragstellenden Unternehmen müssen ein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Sie müssen darlegen können, dass sie erst durch die Corona-Krise in ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind und sich nicht schon vorher in einer existenziellen Krise befunden hatten. Aber aus unserer Sicht sollten nicht alle Unternehmen mit „Vorproblemen“ gänzlich ausgeschlossen werden. Dazu brauchen wir rasch aufsichtsrechtliche Erleichterungen.

Sind die Hausbanken denn nicht von der Haftung freigestellt?

Faber: Es gibt eine Haftungsfreistellung für die finanzierende Hausbank – aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. Das hängt vom jeweils vergebenen Kredit ab, es geht bis zu 90 Prozent. Das heißt: Wenn der Kredit nicht zurückbezahlt werden würde, bekäme die ausreichende Hausbank den größeren Anteil an diesem Kreditausfall von der Förderbank „erstattet“ – den Rest aber muss die Hausbank selbst übernehmen.

Wie viele Mittel kann Ihre Sparkasse vergeben, muss man sich beeilen, um einen der Förderkredite zu bekommen?

Faber: Im Moment laufen die Programme erst an und sie sind großzügig mit Mitteln ausgestattet. Insofern besteht kein Grund zur Eile. Allerdings verzeichnen wir einen gestiegenen Informationsbedarf der Kunden. Das stellt uns vor extreme Herausforderungen. Für die Kreditbearbeitung der Firmenkunden stocken wir unsere Personalkapazitäten auf und setzen auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen ein. Die Kreditbearbeitungsprozesse laufen so gerade auf Hochtouren. Beachten sollte man auch, dass die Mittel nicht sofort auf dem Firmenkonto ankommen, die Auszahlung dauert einige Tage. Die Sparkasse darf den Liquiditätsbedarf nach Einhaltung gewisser formeller Kriterien bereits vorfinanzieren, das Förderdarlehen muss dann aber zeitnah beantragt werden.

Und was können kleinere Gewerbetreibende und Selbständige tun?

Faber: Viele können Soforthilfe aus dem Schutzschirm des Freistaats Bayern beantragen. Die Antragstellung läuft nicht über die Hausbanken, sondern über die Regierungsbezirke. Für Selbstständige und Freiberufler gibt es außerdem ein weiteres bundesweites Gesetzespaket. Hier wird es um die Betroffenen gehen, die von den bestehenden Programmen nicht ausreichend erfasst werden. Oft sind hier vor allem Zuschüsse wirksam, da Kredite nur in Ausnahmefällen in Frage kommen. So werden mehrere Schirme aufgespannt um den Unternehmen und Selbstständigen finanzielle Rückendeckung zu geben. Das ist uns sehr wichtig, denn wir wollen, dass die Wirtschaft auch nach der Krise so leistungsfähig ist wie zuvor. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden, die durch die Corona-Krise ihre Einnahmen verlieren auch schnell, einfach und unbürokratisch – zum Beispiel durch Stundung von Tilgungsleistungen.

Informationen gibt es auf der Homepage der Sparkasse unter www.sparkasse-co-lif.de.