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Corona in Lichtenfels: Tipps für die Nachbarschaftshilfe

OT verbindet: Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona
Auch im Landkreis Lichtenfels solidarisieren sich die Menschen angesichts der Corona-Epidemie. Nachbarschaftshilfe ist gerade für Risikogruppen wichtig. Ein paar Regeln sollten dabei allerdings beherzigt werden. Foto: AndreyPopov, Gettyimages

Während in Bayern noch immer die Ausgangsbeschränkung herrscht, wächst die Solidarität auch im Landkreis Lichtenfels. Nachbarn unterstützen sich gegenseitig, das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat einen Einkaufsservice gestartet und in den sozialen Netzwerken bieten Fremde an, bei der Kinderbetreuung auszuhelfen. Um trotzdem zu verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet, sollten auch die Helfer einige Tipps beachten.

Warum braucht es die Nachbarschaftshilfe überhaupt?

Gerade ältere oder kranke Bürger sollen derzeit zu Hause bleiben, um sich nicht zu infizieren. Sie sind in den kommenden Wochen besonders auf Unterstützung von Freunden, Verwandten und Nachbarn angewiesen. Gerade bei jungen Menschen mit einem stabilen Immunsystem liege das Risiko schwer am Coronavirus zu erkranken bei deutlich unter einem Prozent, erklärt Lars Dölken vom Institut für Virologie der Uni Würzburg. Deswegen sei es kein Problem, wenn der Enkel für die Oma die Einkäufe erledigt.

Wann sollte ich lieber keine Hilfe anbieten?

Wer selbst Symptome wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen feststellt, sollte sich lieber nicht in der Nachbarschaftshilfe engagieren und auch sonstige soziale Kontakte vermeiden. Das gleiche gilt, wenn Familienangehörige erkrankt sind. Ein Infektionsrisiko geht auch von Personen aus, die in den vergangenen 7 bis 14 Tagen größere Veranstaltungen besucht haben oder in einem Risikogebiet waren.

Ich möchte für einen älteren Nachbarn Lebensmittel besorgen: Worauf muss ich achten?

Grundsätzlich sollte man den direkten Kontakt vermeiden, empfiehlt Stefan Krüger vom Bayerischen Roten Kreuz. Um den Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten, stellt man den Einkauf am besten vor der Tür ab. Die Gesundheitsämter betonen außerdem, dass Personen unter Quarantäne auf keinen Fall die Wohnung verlassen dürfen. Auch Helfer sollen deshalb weder in die Wohnungen reingehen, noch die Lebensmittel direkt übergeben.

"Die Kommunikation sollte per Telefon erfolgen", empfiehlt Dölken. Es sei beispielsweise sinnvoll, die Einkaufswünsche von mehreren Personen telefonisch oder digital zu sammeln und dann auf einmal zu besorgen. So könne man unnötige Kontakte im Supermarkt vermeiden und die Ausbreitung des Virus eindämmen.

Kann der Virus über Geldscheine oder Einkaufstüten übertragen werden?

Das sei laut Dölken "eher unwahrscheinlich". Der Grund: Coronaviren werden außerhalb des menschlichen Körpers recht schnell inaktiv. Ein Forschungsteam aus den Vereinigten Staaten hat in einer ersten Untersuchung herausgefunden, dass der genetische Fingerabdruck des Coronavirus bis zu 24 Stunden auf Pappe und Papier überleben kann – auf Stahl und Kunststoff sogar bis zu 72 Stunden. Über die Infektiosität sagt die Studie allerdings nichts aus.

Grundsätzlich schadet es nicht, wenn sich die erkrankte Person bei akuten Symptomen wie Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen gründlich die Hände wäscht, bevor sie das Geld übergibt. Sicher ist sicher.

Sollte ich bei Botendiensten grundsätzlich Maske und Handschuhe tragen?

Aus medizinischer Sicht sei dies nicht notwendig, betont Dölken. Ein Mundschutz verhindere in erster Linie, dass man andere ansteckt. Um sich selbst zu schützen, sei es viel effektiver, ausreichend Abstand zu halten. Dölken weist außerdem darauf hin, dass schon jetzt die Vorräte an Atemmasken in vielen Kliniken knapp werden. Man sollte diese also nicht zu Hause horten. 

Auch Handschuhe seien im Alltag wenig sinnvoll, so der Virologe. Die Coronaviren würden vor allem über die Schleimhäute von Mund und Nase in den Körper gelangen. Das heißt: Auch wer sich mit Handschuhen ins Gesicht fasst, kann sich anstecken. Es gilt der Grundsatz: Händewaschen schützt vor Infektionen – nicht Handschuhe.

Sollte man sich die Hände vor dem Einkaufen desinifizieren?

Gründliches Händewaschen mit Seife und lauwarmen Wasser ist nach Ansicht von Experten im Alltag völlig ausreichend. Ständiges Desinfizieren könne sogar die Haut schädigen.

Darf ich für meinen Nachbarn Medikamente kaufen?

Das ist laut dem Bayerischen Apothekerverband kein Problem – nur an das Rezept sollte man natürlich denken. Außerdem sollte man sich – um gegebenenfalls Nachfragen des Apothekers beantworten zu können – vorher informieren, warum jemand das Medikament braucht, ob derjenige Vorerkrankungen hat oder parallel noch weitere Tabletten einnimmt. Im Notfall bieten auch viele Apotheken mittlerweile eigene Lieferdienste an.

Kann ich mich beim Gassi gehen anstecken?

Laut dem Friedrich-Löffler-Institut, einer Forschungseinrichtung für Tiergesundheit, gebe es derzeit keine Hinweise, dass Hunde oder Katzen das Virus übertragen können. Das bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation. Wer allerdings mit dem Hund des Nachbarn draußen unterwegs war, sollte sich unbedingt gründlich die Hände waschen. Infizierte Personen sollten dagegen Abstand zu ihren Haustieren halten.

Was muss bei der Kinderbetreuung beachtet werden?

Um die Verbreitung des Virus weiter einzudämmen, sollten Kinder bestenfalls einzeln oder in kleinen, nicht ständig wechselnden Gruppen betreut werden, erklärt das Schweinfurter Gesundheitsamt auf Anfrage. Der Berliner Virologe Christian Drosten warnte bereits, dass sonst immer neue primäre und sekundäre Kontaktnetzwerke entstünden. Damit würden die Effekte der Kita- und Schulschließungen wieder verpuffen.

Mit Hygiene gegen das Coronavirus (01.03.2020)
Grafik-Illustration Nr. 100669, Hochformat 90 x 115 mm , "Coronavirus: Hygiene-Tipps zur Vorbeugung und bei Verdacht", G... Foto: dpa-infografik

Bestenfalls hilft man immer dem gleichen Personenkreis, um die Kontaktketten möglichst zu begrenzen, empfiehlt auch der Virologe Lars Dölken. Ein Beispiel: Es wäre sinnvoll, wenn bei drei Kindern, die sowieso am Nachmittag zusammen spielen, die Betreuung durch die sechs Elternteile organisiert wird – statt in ständig wechselnden Konstellationen.

Darf ich mein Kind einfach in "fremde Hände" geben? Stichwort: Aufsichtspflicht.

Grundsätzlich sei es Sache der Eltern, wem sie ihre Kinder anvertrauen, erklärt der Rechtsanwalt Thomas Seggewiss. Gerade wenn man die Person nicht kennt, sollte man in jedem Fall den persönlichen Kontakt suchen. Rechtliche Vorgaben gebe es hier aber nicht. 

Wer haftet bei Unfällen?

Prinzipiell haben die Eltern eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Kindern – auch wenn diese von jemand anderem betreut werden. Um sich teilweise abzusichern, können Eltern die Aufsichtspflicht per Vertrag übertragen. Allerdings sollten sich Helfer genau überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen wollen.

Kann ich jederzeit anbieten, Kinder zu betreuen, oder brauche ich dafür eine bestimmte Ausbildung?

Wer kein Geld für die Betreuung verlangt, müsse auch keine bestimmte Qualifikation vorweisen oder sich die Tätigkeit genehmigen lassen, so Seggewiss. Allerdings sollte sich jeder Helfer genau überlegen, was er leisten und wie viele Kinder er betreuen kann.

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