BAMBERG/COBURG/KULMBACH

Paukenschlag: Kulmbach wählt OB Henry Schramm ab

Ein Paukenschlag in der Bierstadt Kulmbach, eine faustdicke Überraschung in der Saalestadt Hof, ein Machtwechsel in Wagnerstadt Bayreuth, ein souveräner Sieger in der Domstadt Bamberg und ein Herzschlagfinale in Hollfeld: Der Stichwahl-Sonntag war in manchen Städten, Gemeinden und Landkreisen der Region spannender als so mancher Hollywood-Thriller. Ein politischer Blick über die Lichtenfelser Landkreisgrenze hinweg.

Beginnen wir mit der Großen Kreisstadt unterhalb der Plassenburg: Deutschlandweit hatte Kulmbach in den vergangenen Tagen für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, da kurz vor der Stichwahl im Bauamt geschredderte Wahlunterlagen gefunden wurden. Die Kriminalpolizei schaltete sich ein. Der Vorwurf der Wahlmanipulation stand und steht im Raum. Unbenommen dessen wurde in der Bierstadt gewählt. Und es war bis zuletzt superspannend.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Kulmbach: Ingo Lehmann löst Schramm ab

Bis kurz nach 19 Uhr lieferten sich der christsoziale Amtsinhaber Henry Schramm, der wegen fragwürdiger Immobiliengeschäfte zwischen sich und der eigenen Stadt arg in Kritik geraten war, und sein Herausforderer Ingo Lehmann von der SPD ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dann der Paukenschlag: Schramm, seit 2006 Oberbürgermeister, wurde abgewählt. 50,81 Prozent der Wähler straften ihn ab, die Wahlbeteiligung lag bei 71,8 Prozent.

Ob dieses Wahlresultat nun wirklich schon gilt, steht in den Sternen: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Landratsamt Kulmbach müssen es noch untersuchen, wegen genannter Vorwürfe.

Bayreuth: Brigitte Merk-Erbe als Oberbürgermeisterin abgewählt

Auch in Bayreuth wurde die Amtsinhaberin abgewählt. Brigitte Merk-Erbe (Freie Wähler/Bayreuther Gemeinschaft) konnte in der Stichwahl nur 46,4 Prozent der Wagnerstädter hinter sich vereinen. Damit wird die Bezirksstadt künftig christsozial regiert: Ihr Herausforderer Thomas Ebersberger holte sich 53,6 Prozent der Voten. Es gingen jedoch nur 55,5 Prozent der Berechtigen zur Wahl. Hier hatte sich der Machtwechsel abgezeichnet, das Ergebnis vor zwei Wochen war ein Fingerzeig.

Und in der Vestestadt Coburg? Da heißt der Oberbürgermeister Dominik Sauerteig. Der Sozialdemokrat verbuchte 57,0 Prozent der Stimmen für sich, Christian Meyer von der CSU brachte es auf 43,0. 60,5 Prozent der Coburger nutzten die Briefwahl, vor zwei Wochen waren es noch 54,1 Prozent gewesen. Damit bleibt Coburg weitere sechs Jahre in SPD-Hand: der Sozialdemokrat Norbert Tessmer, der seit 2014 Oberbürgermeister war, stand nicht mehr zur Wahl.

OB-Wahl Hof: Eva Döhla siegt und tritt in die Fußstapfen ihres Vaters

In Hof ist die Sozialdemokratin Eva Döhla die Wahlsiegerin. 54,8 Prozent der Wähler stimmten für sie. Dass sie die Stichwahl gewinnen würde, war alles andere als klar, immerhin trat sie gegen Amtsinhaber Dr. Harald Fichtner (CSU) an. Dieser verbuchte 45,2 Prozent der Stimmen für sich und ist damit nach 14 Jahren im Chefsessel abgewählt. Die Wahlbeteiligung: 61,4 Prozent der 34 742 Wahlberechtigten nutzten ihr Recht auf Mitbestimmung.

Vor acht Jahren hatte es Eva Döhla schon einmal probiert, nun war sie erfolgreich und tritt damit in die Fußstapfen ihres Vaters Dieter Döhla, der von 1988 bis 2006 Oberbürgermeister der Saalestadt war.

Erstmals ist eine Frau Chefin im Rathaus im Itzgrund

Seit dem Jahr 2014 war Nina Liebermann (CSU) unter dem scheidenden Bürgermeister Werner Thomas Stellvertreterin, nun hat sie sich an die Spitze der Gemeinde Itzgrund setzen können. Bei der Stichwahl verbuchte die Unternehmerin 790 Stimmen für sich, was einem Anteil von 51,77 Prozent entspricht. Der parteilose Dirk Ruppenstein kam auf 36 Voten und damit 48,23 Prozent.

Es ist anzunehmen, dass Liebermann und Ruppenstein aber künftig beide täglich im Rathaus Kaltenbrunn anzutreffen sein dürften, ist Ruppenstein doch der Kämmerer der Gemeinde. Er war gemeinsam von den Freien Wählern und der SPD nominiert worden. Bei der Wahl vor zwei Wochen hatte Ruppenstein noch knapp vor Liebermann gelegen. Die Wahlbeteiligung lag bei der Stichwahl bei 81,47 Prozent.

Herzschlagfinale in Hollfeld: Sechs Stimmen mehr für Hartmut Stern

Ein Herzschlagfinale gab es bei der Stichwahl in der nördlichen Fränkischen Schweiz: Sechs Stimmen entscheiden in der Gemeinde Hollfeld mit ihren rund 5400 Einwohnern über Sieg und Niederlage. Der 47-jährige Bauingenieur Hartmut Stern vom Bürgerforum Hollfeld sicherte sich 1717 Stimmen und damit 50,09 Prozent.

Mit 1711 Voten das Nachsehen hatte der 40-jährigen Industriemeister Thorsten Roß von der Wählergemeinschaft Hollfeld-Land das Nachsehen. Amtsvorgängerin Karin Barwisch stand nicht mehr zur Wahl. 3440 Stimmen wurden ausgezählt, was einer Beteiligung von 82,82 Prozent entspricht.

Eine eindeutige Sache hingegen war die Stichwahl um das Bürgermeisteramt im Bierdorf Weißenbrunn im Landkreis Kronach. Hier wählten die Bürger vornehmlich rot: Der 50-jährige Bundespolizist Jörg Neubauer (SPD) hat mit 63,52 Prozent der Stimmen in der Stichwahl klar die Nase vorne ist neuer Bürgermeister. CSU-Bewerber Bohl brachte es auf 36,48 Prozent.

Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen fehlte dem Sozialdemokraten nur eine Handvoll Stimmen im Kampf um den Weißenbrunner Bürgermeister-Sessel. Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl wird von der Gemeindeverwaltung mit 77,0 Prozent angegeben und damit um knapp sieben Prozent höher als in Durchgang eins.

Bamberg: Andreas Starke weiter Chef im Rathaus

Ein Blick nach Bamberg: Andreas Starke (SPD) ist für weitere sechs Jahre im Amt des Oberbürgermeisters der kreisfreien Stadt Bamberg wiedergewählt. Der 63-jährige gebürtige Hamburger erhielt in der Stichwahl 59,3 Prozent der Stimmen. Sein Gegenkandidat Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) kam auf 40,7 Prozent.

Im Mai beginnt damit die dritte Amtszeit von Andreas Starke, der seit dem Jahr 2006 Oberbürgermeister der Stadt Bamberg ist. Die Wahlbeteiligung lag laut Wahlleiter bei 62,2 Prozent.

Stadelhofen: Bürgermeister bleibt weiter ein „Überparteilicher“

Auch in der rund 1250 Einwohner zählenden Juragemeinde Stadelhofen im Landkreis Bamberg, die ja direkt an das Weismainer Stadtgebiet angrenzt, war am Sonntag Nachsitzen angesagt. Ludwig Göhl (Überparteiliche Wählergemeinschaft), der 2002 Nachfolger von Heinrich Linz (CSU) wurde, stand nicht mehr zur Wahl.

Die Bürger in den neun Ortsteilen hatten sich zwischen Volker Will von der der Überparteilichen Wählergemeinschaft und CSU-Konkurrent Wolfgang Schrauder zu entscheiden. 58,01 Prozent (547 Voten) stimmten für den bisherigen Gemeinderat Will aus Wölkendorf, 132 Personen mehr als vor 14 Tagen. Der Steinfelder Wolfgang Schrauder kam auf 41,99 Prozent. Insgesamt gaben 946 von den 1031 Berechtigten ihre Stimmen ab: Das sind stolze 91,8 Prozent.

Landkreis Bamberg: Johann Kalb ist weiter Landrat

Wenn die SPD dazu aufruft, „am Sonntag schwarz“ zu wählen, dann wird der geneigte Christsoziale hellhörig. So geschehen in den vergangenen Tagen im Landkreis Bamberg. Des Rätsels Lösung: Der Kandidat der Sozialdemokraten hieß Schwarz, nämlich Andreas Schwarz. Der 55-Jährige, seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages für den Bamberg und Forchheim und sowie den Betreuungswahlkreis Coburg-Stadt und Coburg-Land , forderte Johann „Hans“ Kalb aus Buttenheim heraus, seit seit 1. Mai 2014 Landrat des Landkreises Bamberg. Etwa 500 Stimmen hatten dem 60-Jährigen im ersten Wahlgang gefehlt, in dem er auf 49,46 Prozent der Stimmen kam. Schwarz wiederum verbuchte in Durchgang eins 22,9 Prozent der Voten für sich.

Da Bernd Fricke, der Bewerber der Grünen (elf Prozent), vor der Stichwahl dafür warb, Andreas Schwarz auf den Stimmzetteln anzukreuzen, war trotz allem Spannung geboten. Die Gemeinde Frensdorf machte es dann unfreiwillig spannend: Ihr stand nicht die gewünschte Zahl der Wahlhelfer zur Verfügung, was das Endergebnis massiv verzögerte. Letztlich aber hatte Johann Kalb am Ende gut lachen: Er bleibt Landrat des Landkreises Bamberg. Auf ihn entfielen in der Stichwahl am Sonntag 58,63 Prozent (47 838 Stimmen). Sein Herausforderer aus Strullendorf kam auf 41,37 Prozent (33761).

Landkreis Bayreuth: Florian Wiedemann setzt sich durch

Florian Wiedemann (Freie Wähler) hat es geschafft: Er ist neuer Landrat im Landkreis Bayreuth. 29 170 der Wähler (50,94 Prozent) schenkten ihm das Vertrauen. CSU-Bewerber Klaus Bauer kam auf 49,06 Prozent, erhielt also 28098 Voten. Der 38 Jahre alte Wirtschaftspädagoge Wiedemann folgt auf den 66-jährigen Hermann Hübner (CSU), der sich nicht mehr zur Wahl stellte.