Wort zur Besinnung: Es geht um das Leben!

Wort zur Besinnung

Wort zur Besinnung

Eine Woche Leben unter den weitreichenden Ausgangsbeschränkungen haben wir inzwischen geschafft. Wie ergeht es uns dabei? Vermutlich würden wir jetzt die ganze Palette der möglichen Befindlichkeiten zusammentagen können. Mich freut, wenn die Medien die Kreativität der Menschen abbilden. Vor allem rücken derzeit nie gekannte traditionelle und neu gestartete Hilfsaktionen ins allgemeine Blickfeld. Unsere Wahrnehmung für Ressourcen und für das Gute im Menschen wird neu belebt. Zeitgleich gibt es auch sehr viel Leid, Resignation, Existenz- und Zukunftsängste sowie Überforderungen – ein deutlich wahrnehmbarer Spannungsbogen.

Die Ausgangsbeschränkungen sind in unserem Land klar geregelt. Zur Quarantäne gibt es definierte Unterscheidungsmerkmale. Mittlerweile kennt fast jeder von uns im persönlichen Umfeld jemanden, der eine Quarantäne-Zeit verordnet bekam. Im Duden habe ich nach der Herkunft des Begriffes „Quarantäne“ geschaut. Verkürzt gesagt bedeuten sowohl der französische Begriff „quarantaine“ als auch das lateinische Wort „quadraginta“ die Anzahl 40, nach der früher üblichen vierzigtägigen Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

Mein erster Gedanke: hoffentlich dauern die Ausgangsbeschränkungen nicht 40 Tage! Dann erinnere ich mich, dass die Zahl 40 in der Bibel durchgehend eine große Symbolkraft hat. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch das Alte und das Neue Testament: vierzig Tage dauerte die Zeit des Regens bei der Sintflut und die Dauer der Wanderung des Elija zum Berg Horeb. Die Versuchung Jesu wird eingeleitet mit dem Bericht, dass Jesus vierzig Tage und vierzig Nächte fastete, ….Aktuell stehen wir Christen in der zweiten Hälfte der 40-tägigen Fastenzeit. Wir durchleben heuer ein Fasten ganz anderer Art – einen fast weltweiten, kollektiven Freiheitsentzug. Das Ziel: verzichten um zu leben! Wer sich an die Ausgangsbeschränkungen hält oder die verordnete Quarantäne strikt einhält, der verhilft sich und anderen letztlich zum Leben (weil unser Gesundheitssystem bei langsamer Verbreitung der Infektionskrankheit wirkungsvoller helfen kann). Es geht um das Leben. Auch bei den gewohnten christlichen Fastenvorsätze geht es im tiefsten Sinn um das Leben: sowohl im Konsumverzicht, im Teilen mit Bedürftigen, in der vertieften Selbstreflexion, in der bewussten Prioritätensetzung und wenn wir in dieser vorösterlichen Zeit besondere Formen finden, Gottes Gegenwart in uns zu erahnen. Alles möge zu einem „Leben in Fülle“ führen.

Freiheitsentzug hört sich hart an, Ausgangsbeschränkungen auch. Sie können ungeahnte Konflikte auslösen, die Ungewissheit kann zermürben. Das Thema Corona hat sich so breit gemacht, dass andere Themen in den Hintergrund gerückt sind. Auch die Menschen in Syrien, auf der Insel Lesbos, in Jemen, Nigeria, Guatemala, u.v.m. …. haben ein Recht auf Leben. Viele kämpfen ums Überleben. Weiten wir unseren Blick. Alle haben ein Recht auf Leben.

Schwester M. Regina Pröls

Franziskusschwester Vierzehnheiligen

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