LICHTENFELS

Lichtenfels und Corona: Unterricht digital gestalten

Lichtenfels und Corona: Unterricht digital gestalten
Daheim lernen, lesen und schreiben üben – so sieht der Schulalltag von ABC-Schützin Cora aus, die mit viel Eifer und Freude die Aufgaben erledigt, die sie von ihrer Lehrerin erhalten hat. Foto: privat

Es war ironischerweise ein Freitag der Dreizehnte. In einem Supermarkt nahe des Meranier Gymnasiums Lichtenfels spielten sich denkwürdige Szenen ab. Junge Menschen gingen in Schlafanzügen und Bademänteln einkaufen. Fasching? Schon vorbei. Eine Pyjamaparty? Im weitesten Sinne ja. Denn wenig später war klar: Es gab einen Anlass zu feiern, und zwar die von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten Schulschließungen. Wo Freude bei den Schülern herrschte, taten sich bei Eltern und Lehrkräften große Fragezeichen auf: Wie würden sich die damit verbundenen Herausforderungen meistern lassen?

Nun sind gut zwei Wochen vergangen. Und wie es scheint, kommen Lehrer und Schüler in Lichtenfels und dem näheren Umland recht gut mit der Situation zurecht. Einer der Hauptgründe liegt darin, dass die Welt digitaler geworden ist. Insbesondere die Möglichkeiten der schnellen und direkten Kommunikation per E-Mail, über Online-Plattformen oder auch Apps erleichtert den Austausch von Informationen und Lerninhalten enorm. Auch wenn bekanntlich noch Nachholbedarf bei der Digitalisierung der Schulen besteht, so ist jedenfalls ein Grundstock vorhanden, der Unterricht im weitesten Sinne auch ohne die körperliche Anwesenheit im Klassenraum erlaubt.

Nicht leicht sich aufs Lernen zu konzentrieren, wenn das Spielzeug lockt

Bei den Grundschülern dürfte es wohl vielen so wie Cora und Jan ergehen. Sie besuchen jeweils die 1. Klasse der Marktplatz- und Dr. Roßbach-Schule und vermissen zum einen ihre Mitschüler. Zum anderen ist es gar nicht so leicht, sich aufs Lernen, Lesen und Schreiben zu konzentrieren, wenn das Spielzeug im Zimmer nebenan lockt. Auch die Zeitstruktur ist daheim eine andere als in der Schule, wo der Stundenplan die Struktur für den Vormittag vorgibt. Wie ihre Mütter berichten, kommen aber beide insgesamt gut mit dem Material zurecht, das ihnen von den Lehrern zur Verfügung gestellt wird.

Lichtenfels und Corona: Unterricht digital gestalten
Trotz der gegenwärtigen Herausforderungen hat Max Lachner, Rektor der Grund- und Mittelschule Ebersdorf, seinen Humor ni... Foto: privat

Auch wenn keine Proben geschrieben werden, legen die Grundschulen Wert auf die Erarbeitung der ausgehändigten Arbeitsblätter, wie es unter anderem auf der Homepage der Dr.-Roßbach-Schule heißt. Dringende Mitteilungen der Klassenleitung werden über bestehende Whatsapp-Gruppen von den Elternsprechern weitergeleitet oder in Klassen-E-Mails versandt. Die Marktplatzschule wiederum nutzt mittlerweile eine digitale Plattform, auf der sich Eltern anmelden und sich mit dem Lehrer austauschen können, falls Fragen zu bestimmten Themen aufkommen.

Kommunikation und Koordination sind enorm wichtig

Der rege Austausch mit den Lehrkräften ist über alle Schularten hinweg wichtig und wird über diverse Kanäle ermöglicht. Zum einen sind die Schulleiter oder deren Vertreter täglich am Vormittag in der Schule anwesend und können telefonisch kontaktiert werden.

Zum anderen werden unterschiedlichste digitale Mittel und Wege genutzt, wie Max Lachner, Rektor der Grund- und Mittelschule Ebersdorf erklärt: „Wir kommunizieren natürlich viel über E-Mail und nutzen Unterrichtsbegleitungsassistenten. Im Zuge der Digitalisierung haben wir beispielsweise die Schulmanager App eingeführt. In der ersten Woche war die Kapazität zwar überlastet, wurde aber mittlerweile um das 20-fache erhöht, so dass das Ganze jetzt gut läuft.“, so Lachner. Ähnlich verhält es sich mit dem System mebis, das von vielen Schulen im Landkreis genutzt wird und nach ersten Startschwierigkeiten und Abstürzen nun wohl zu laufen scheint. Seit der zweiten Woche kommen die Schüler auch tagsüber an ihre Aufgaben; die Eltern müssen nicht mehr nachts ihr Glück versuchen.

„Es ist jedenfalls schön, von den Eltern zu hören, dass die Schüler ihre ,echten‘ Lehrer schon ein bisschen vermissen.“

Max Lachner, Rektor

der Grund- und Mittelschule Ebersdorf

Abgesehen von den technischen Hürden müssen Schulleiter und Lehrkräfte auch organisatorische Herausforderungen meistern. In Ebersdorf beispielsweise, wo die Jahrgangsstufen 1 bis 9 unterrichtet werden, agieren die Klassenleiter als Hauptansprechpartner für die Eltern und koordinieren in Abstimmung mit den Fachlehrern die Bereitstellung des Materials. Ansonsten lässt man den Klassenleitern freie Hand bei der Ausgestaltung des Unterrichtens.

„In der jetzigen Situation muss man improvisieren. Und jede Schule macht dies auf unterschiedliche Art und Weise“, so Max Lachner weiter, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Es ist jedenfalls schön, von den Eltern zu hören, dass die Schüler ihre ,echten‘ Lehrer schon ein bisschen vermissen“.

Für Abiturienten geht es ums Ganze

Recht gut mit der derzeitigen Situation kommt auch die 14-jährige Rose zurecht, die die 9. Klasse des Meranier Gymnasiums besucht: „Eigentlich ist es gar nicht so schlimm. Mebis läuft ja nun wieder. Und außerdem haben wir die App ,Homeworker‘, über die wir mit den Lehrern chatten können. Von den meisten Lehrern bekommen wir Hausaufgaben, die wir per E-Mail zurückschicken sollen, oder auch Hefteinträge, um den Stoff zu erarbeiten oder zu vertiefen.“

Für ihre Schwester Lilli in der 12. Klasse wiederum geht es ums Ganze, genauer gesagt ums Abitur. Wie sie berichtet, ist die Stimmung angesichts der erzwungenen „Corona-Ferien“ eher gedrückt, weil sich alles nach hinten verschiebt und insgesamt weniger Zeit bleibt, sich aufs Abi vorzubereiten. „Die Quarantänezeit könnte man zwar als Abi-Vorbereitung sehen, aber wir müssen ja auch noch neuen Stoff lernen, Noten müssen gemacht werden und es wird halt gerade viel durchgeprügelt“. Was jedoch gut klappt, sei die elektronische Kommunikation und der Austausch mit den Lehrern.

Technische Grenzen und Erfahrungsaustausch

Das Gelingen des ,Fernunterrichtens‘ hängt also größtenteils von den Möglichkeiten und Grenzen der Technik ab. Davon kann auch Guido Geelen, Redaktionsleiter des Obermain Tagblatts ein Lied singen, dessen Sohn Luis die Realschule besucht. Dort bereiteten den Schülern die unterschiedlichen Dateiformate bei den Arbeitsmaterialien oder das Abrufen von Lehrfilmen Schwierigkeiten. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass die Situation die Schulen und Lehrkräfte sehr unvorbereitet getroffen hat und es einfach Zeit braucht, bis sich alles eingespielt hat und einheitliche Vorgehensweisen geschaffen worden sind.

Dies trifft auch auf andere Schularten zu. An der Staatlichen Berufsschule II in Coburg beispielsweise tauschen sich Lehrkräfte regelmäßig über Skype-Konferenzen aus. Hierbei teilen sie ihre Erfahrungen im Umgang mit der vorhandenen Cloud-Lösung und bei der reibungslosen Bereitstellung von Lerninhalten. Auch ältere Kollegen erhalten regelmäßig Unterstützung im Umgang mit den zur Verfügung stehenden digitalen Technologien. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist für sämtliche Schulen derzeit noch ungewiss. Doch es zeigt sich, dass im schulischen Bereich ein Rezept für die Bewältigung der gegenwärtigen Krisensituation hilfreich ist: Je zu gleichen Teilen Kreativität, Eigenverantwortung, Solidarität und eine Prise Improvisationstalent.

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