LICHTENFELS

Lichtenfelser Frauengruppen suchen junge Mitstreiterinnen

„Lichtenfelser Frauengruppen“ suchen junge Mitstreiterinnen
Maria Hollering-Hamers kämpft seit Jahrzehnten für Frauenrechte. Foto: Esther Schadt

Jahr für Jahr feiert das Aktionsbündnis der Lichtenfelser Frauengruppen den Internationalen Frauentag. Der ist am 8. März, die Veranstaltung sollte in Lichtenfels am 21. März stattfinden. Jetzt macht das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Doch ein Blick auf Unterdrückung und fehlende Gleichberechtigung sollte nicht fehlen. „Wir sind von der echten, vollständigen Gleichberechtigung noch weit entfernt“, klagt Maria Hollering-Hamers, Leiterin des Aktionsbündnisses „Lichtenfelser Frauengruppen“. Sie sucht nach jungen Mitstreiterinnen. Den das Aktionsbündnis braucht einen Generationswechsel.

Denn Aufgaben gibt es genug. Aus dem Landkreis Lichtenfels müssen immer noch Frauen Schutz vor Gewalt suchen: in den Frauenhäusern Coburg und Bamberg. Seit bereits 32 Jahren ist das Bündnis eng mit den beiden Einrichtungen verbunden.

„Das Los der Frauen ist ein wichtiges Thema für uns“, erklärt Hollering-Hamers. Sie befasst sich intensiv mit der Arbeit der Frauenhäuser und das Aktionsbündnis spendet jährlich. „Feminismus ist ein rotes Tuch für viele. Dabei ist es nur von Frauen für Frauen und nicht gegen Männer“, meint die Leitung. „Frauen sollten für ihre Rechte einstehen, weil es niemand anderes für uns tut. Dabei sind wir kluge, intelligente Wesen voller Fantasie, die für die Gesellschaft wertvoll sind.“ Frauen bräuchten noch mehr solidarisches Handeln untereinander.

Nachfolgerinnen für den Generationenwechsel gesucht

Vor 32 Jahren startete das Aktionsbündnis „Lichtenfelser Frauengruppen“. Damals bestand die Arbeit vorwiegend aus Kinderbetreuung. Frauen der SPD trafen sich im Schloss Schney. Hier entstand die Idee, den Internationalen Frauentag überparteilich zu feiern und andere Frauen kamen hinzu. Es wurden aktuelle Frauenthemen besprochen. Im Laufe der Jahre kam Unterstützung seitens des Gleichstellungsbeauftragten des Landratsamtes. Seit mittlerweile zehn Jahren stelle die Stadt kostenlos die Synagoge für Sitzungen zu Verfügung.

Hollering-Hamers ist mittlerweile 72 Jahre alt und „denkt ans Aufhören“. „Wir sind alle Frauen, die ungefähr im gleichen Alter sind. Niemand will mehr Koordinatorin sein“, erzählt die Leitung, „Wenn ich aufhöre, dann ist die Arbeit der Lichtenfelser Frauengruppen passé“.

Viele junge Frauen denken, dass alles bereits erkämpft sei. Das komme daher, dass sie bisher nicht erfahren haben, gedemütigt oder nicht wahrgenommen worden zu sein. „Wenn drei Frauen zu mir kommen und sagen: 'Das interessiert mich, dafür will ich etwas tun', dann biete ich gerne an, ein weiteres Jahr zu arbeiten, um diese Frauen in unsere Arbeit einzuführen“, meint Hollering-Hamers, „Das wäre der Start einer jungen, neuen Gruppe, die unsere Arbeit fortführt“.

„Wir sind von der echten,

vollständigen

Gleichberechtigung noch

weit entfernt.“

Maria Hollering-Hamers, „Lichtenfelser Frauengruppen“

Gesucht werden junge Frauen, die bereit sind, sich engagiert für ihre Rechte einzusetzen. Jedoch seien diese meist berufstätig und haben wenig Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten. Dies sei aber kein Problem: „Der Zeitaufwand ist nicht allzu groß. Wichtig ist, einmal im Jahr, am Internationalen Frauentag, eine gute und vor allem niveauvolle Veranstaltung zu organisieren“, erklärt Hollering-Hamers. „Wir versuchen, emanzipatorisch und feministisch auf die Frauen in Lichtenfels einzuwirken“, meint sie.

Das Aktionsbündnis durfte bereits maßgeblich am Projekt „Wohnen im Alter“ mitarbeiten. Vor einigen Jahren wurden zu diesem Thema am Internationalen Frauentag Ideen gesammelt und diese an den Bürgermeister weitergeleitet. „Unsere Arbeit wird gewürdigt und wir werden angehört“, betont Hollering-Hamers. Die Zusammenarbeit mit Stadt und Landratsamt funktioniere sehr gut.

Einladung zu zweiten „Lichtenfelser Tischgesprächen“

Bereits im Oktober 2018 lud Hamers zum Gespräch. Die ersten „Lichtenfelser Tischgespräche“ mit dem Titel „Frauen.Frieden.Zukunft“ wurden bereits sehr gut angenommen. Im Stadtschloss Lichtenfels tauschten sich 60 Frauen an Achtertischen bei festlichem Ambiente und einem Drei-Gänge-Menü aus. Zwischen den Gängen erläuterten Redner aus religiös-spiritueller, politisch-sozialer und bildungstheoretischer Sicht kurz ihren Standpunkt. Besucherinnen konnten danach ihre Meinung an den Tischen diskutieren.

Am 16. Oktober lädt das Aktionsbündnis „Lichtenfelser Frauengruppen“ erneut zum Austausch. Thema wird „Frauengesundheit“ sein, wie Maria Hollering-Hamers ausführt. Ein genauer Titel stehe bisher noch nicht fest. „Männer sind die Norm“, beklagt sie. Nicht nur Gesellschaft, sondern auch Medizin sei auf Männer ausgerichtet.

Eingeladene Redner werden voraussichtlich Ärztin, religiös-spirituelle Rednerin, sowie Wissenschaftlerin sein. „Mutter und Tochter, Schwiegermutter und Schwiegertochter, Großmutter und Enkelin - Kommt gemeinsam!“, lädt Hollering-Hamers ein.

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