ALTENKUNSTADT/LICHTENFELS

Hilfe bei Erkundung der jüdischen Geschichte in Lichtenfels

Hilfe bei Erkundung der jüdischen Geschichte in Lichtenfels
Beeindruckt von der Ausstellung in der Altenkunstadter Synagoge und der Erinnerungsarbeit am Meranier-Gymnasium Lichtenfels (v. re.): Dr. Ludwig Spänle, Bürgermeister Robert Hümmer, Landrat Christian Meißner, Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht und Inge Göbel. Foto: red

Beeindruckt von der Erinnerungsarbeit im Rahmen des Projekts „13 Führerscheine – Dreizehn jüdische Schicksale“, für das Abiturienten des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels mit dem P-Seminar-Preis ausgezeichnet wurden, als auch von der Ausstellung in der ehemaligen Altenkunstadter Synagoge zeigte sich der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Dr. Ludwig Spänle, bei einem Besuch in der Gedenkstätte.

„Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen und die Lokalgeschichte aufarbeiten – gerade jetzt mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen.“
Christian Meißner, Landrat

Spänle möchte einen Kooperationsvertrag mit dem Landkreis Lichtenfels für eine Zusammenarbeit in punkto jüdische Geschichte und Kultur, Bildungsarbeit und politische Fachfragen (Antisemitismus) schließen.

Landrat Christian Meißner freute sich über diese Pläne: „Wir dürfen nicht inne halten bei der Spurensuche und nicht nachlassen in der Erinnerungsarbeit. Wir wollen fortführen, was wir mit dem Projekt '13 Führerscheine' begonnen haben.“

In der Ausstellung in der ehemaligen Altenkunstadter Synagoge wird auch der Lebensweg von Margot Wolf nachgezeichnet. Ihr Vater, Leo Wolf, war ehemals Inhaber eines der Führerscheine, die im Landratsamt bei Aufräumarbeiten im Zuge der Digitalisierung 2017 gefunden worden waren, erläuterte Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht, der das Seminar betreut hatte. Die Papiere waren jüdischen Mitbürgern 1938 entzogen worden. Das Projekt ist auf Anregung von Landrat Christian Meißner entstanden, der der Ansicht war: „Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen und die Lokalgeschichte aufarbeiten – gerade jetzt mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen.“

Im Rahmen des Projekts hatten die Gymnasiasten die Lebenswege der früheren Führerscheininhaber nachgezeichnet und in einer inzwischen international zu sehenden Ausstellung die zum Teil tragischen Schicksale aufgezeigt.

Die Spurensuche führte auch nach Nord- und Südamerika sowie nach Israel, wo die Schüler die Nachkommen aufspürten, die zur Eröffnung der Ausstellung in den Landkreis kamen. Inzwischen sind daraus Freundschaften entstanden. „Es ist unglaublich, was dieses Projekt bewegt hat“, unterstrichen Meißner und Brösamle-Lambrecht.

Beim Rundgang mit Ludwig Spänle durch die ehemalige Altenkunstadter Synagoge erläuterte Inge Goebel den Gästen die Geschichte und Exponate. Sie hat auch die Gymnasiasten bei ihren Recherchen mit unterstützt. Gerade junge Menschen, die hierher kämen, seien immer sehr betroffen, wenn ihnen bewusst werde, welch furchtbare Gräueltaten während der Nazi-Diktatur auch in unserer Region geschehen sind. Die Altenkunstadter Synagoge, ein Sandsteinquaderbau aus dem Jahr 1726, war über 200 Jahre lang kultureller und religiöser Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde in Altenkunstadt. Sie wurde in der Pogromnacht 1938 verwüstet und in den Jahren 1989 bis 1993 renoviert. Seither ist sie Begegnungs-, Kultur- und Gedenkstätte.

Mit dem Smartphone die Ausstellung in der Synagoge erkunden

Bürgermeister Robert Hümmer stellte heraus, dass es jetzt auch einen Smartguide, eine interaktive Führung, durch die Dauerausstellung im Museum gibt. Dieser ist mit jedem internetfähigen Endgerät nutzbar. Aufgeteilt auf 24 Stationen gibt es umfassende Informationen zu den jeweiligen Ausstellungsstücken, ließ der Rathauschef wissen. (red)

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