LICHTENFELS

Corona verhagelt Lichtenfelser Bauern nicht nur die Ernte

Corona verhagelt Lichtenfelser Bauern nicht nur die Ernte
Spargelbauer Matthias Stenglein aus Rothwind bei der Arbeit. Er befürchtet Einbußen bei der Ernte, weil es schwierig wird, Helfer zu finden. Foto: Archiv-Gerhard Herrmann

Auch, wenn für Tiere keine Gefahr durch das Coronavirus besteht, so rechnen die Landwirte der Region doch mit Ernteausfällen und finanziellen Einbußen. Auch die Produktionsketten stehen auf wackeligen Beinen.

„Kleinere Landwirtschaftsbetriebe, die meist in Familienhand sind, haben zur Zeit eine ganz gute Position“, sagt Marion Warmuth, Kreisbäuerin für Lichtenfels des Bayerischen Bauernverbands. Sie kommen ohne viel Publikumsverkehr und Besucher aus, achten aber verstärkt auf eine gute Hygiene. „Es geht vor allem darum, uns selbst zu schützen. Das heißt: Oft und gut die Hände waschen, allgemein den Kontakt zu anderen reduzieren und wenn, dann die Kontaktzonen einhalten“, erklärt die Kreisbäuerin. „Wir wissen: Wenn wir ausfallen, dann steht der Betrieb still und wer kümmert sich dann um die Tiere?“ Dies gilt für den Bereich der Milchviehhaltung: Es geht um sauberes Arbeiten im Stall, aber desinfiziert werden muss im Stall nicht.

Tiere gelten nicht als Virus-Überträger

Für Milchvieh wie auch Hunde oder Katzen scheint das Coronavirus derzeit keine Gefahr darzustellen: Nach aktuellem Stand der Wissenschaft kann es nicht von Haustieren auf Menschen oder umgekehrt von Menschen auf Haustiere übertragen werden, teilte auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit.

Auch die Milchpreise seien derzeit noch stabil, aber in den Beobachtungen der Kreisbäuerin schwingt gewisse Skepsis mit: „Wer weiß, wie lange noch? Der ganze Weltmarkt ist erlahmt.“

Corona verhagelt Lichtenfelser Bauern nicht nur die Ernte
Kreisbäuerin Marion Warmuth rät zu sorgfältiger Hygien. Foto: Corinna Tübel
„Wir wissen: Wenn wir ausfallen, dann steht der Betrieb still und wer kümmert sich dann um die Tiere?“
Marion Warmuth, Kreisbäuerin

Ist ein landwirtschaftlicher Betrieb also einer der wenigen Enklaven, die die aktuelle Situation derzeit wenig tangiert? Nein. Unsicherheit besteht vor allem in den weiteren Gliedern der Produktionskette: Wenn es etwa krankheitsbedingt Ausfälle in den Milchhöfen gäbe, könnte es Auswirkungen auf die Betriebsweiterführung der Landwirte haben. Ebenso könnte ein Stillstand im Schlachthof erhebliche existenzielle Folgen für dessen Zulieferer haben. „Die Schlachtpreise und Preise für Getreide oder Raps sinken zur Zeit schon!“ Mit Blick auf die kommenden Monate seien zudem Ernteausfälle möglich.

Regelungen zur Aushilfe in Planung

Der Bayerische Bauernverband ist alarmiert: Das Gremium hat zunächst alle Termine der nächsten Wochen abgesagt. Dennoch haben sich die Mitglieder informiert: Sollte ein Mitarbeiter oder Mitglied der Hof-Familie mit dem Corona-Virus infiziert worden sein, werde man dies – ebenso wie in anderen Branchen – sofort dem Gesundheitszentrum im Landratsamt Lichtenfels melden. Zudem würden zur Zeit Regelungen erwogen, wie kleineren oder größeren Betrieben im Fall von personellen Ausfällen Arbeiter zur Seite gestellt werden können. So werde in anderen Wirtschaftskreisen derzeit auch schon verfahren.

Bezüglich ihrer finanziellen Einbußen erwarten die Landwirte aber auch, dass Hilfspake der Bundes- und der Wirtschaftskammer greifen, wie sie für andere Unternehmen und Kleinhandelsbetriebe zur finanziellen Entlastung versprochen wurden.

Einen Ausgleich erhofft sich auch Matthias Stenglein aus Rothwind. Der Landwirt bewirtschaftet eine Fläche von rund 100 Hektar, ein großer Teil davon im Raum Altenkunstadt. Er gilt als einer der Hauptakteure auf dem heimischen Spargelmarkt. Wo sich mit Beginn dieser Saison Mitte April normalerweise rund 30 bis 40 Mitarbeiter auf dem Hof der Familie Stenglein versammeln, wird in diesem Jahr vergleichsweise Leere herrschen. Vermutlich nur etwa die Hälfte werde er engagieren können, so Matthias Stenglein, denn viele von ihnen waren oder sind Saisonkräfte – teils aus der Region, teils aus Polen. Für diese braucht er derzeit Passierscheine.

Passierscheine für Saisonkräfte sind zeitaufwendig

Corona verhagelt Lichtenfelser Bauern nicht nur die Ernte
Der Spargel sprießt bereits, aber durch die Schließung vieler Gastronomiebetriebe fehlen wichtige Abnehmer. Foto: Pixabay

Für deren Beantragung, ohne die sich die Hilfskräfte hier nicht frei bewegen können, muss er derzeit viel Zeit aufwenden. Hat es geklappt, halten diese aber auch die betrieblichen Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus sehr gut ein: „Wir haben viele Gespräche mit unseren Mitarbeitern geführt und kaufen mittlerweile auch für diese ein. Sie schreiben uns Listen mit den Dingen, die sie gerne möchten, und wir bringen sie ihnen einmal in der Woche mit. Damit sind alle einverstanden“, so Stenglein. Viele von ihnen seien froh, hier noch arbeiten zu dürfen – mit Blick auf die Gegebenheiten in ihrer Heimat Polen, wo viele Gaststätten und Geschäfte genauso wie in Deutschland geschlossen sind.

Ernteeinbußen durch Gastronomieschließung

Selbstverständlich wird der Landwirt mit Ernte- und finanziellen Einbußen rechnen müssen. Er verzeichnete in den vergangenen Jahren rund 30 bis 40 Prozent Absatz an Gastronomiebetriebe. Nach deren Schließung weiß er jetzt schon: Er muss weniger Flächen stecken und braucht weniger Spargel. Dabei hofft er, dass es bei den Betriebsmitteln keine Engpässe gibt. Zwar seien die Geschäfte der Zulieferer im landwirtschaftlichen Sektor noch geöffnet und viele Landwirte haben sich einen kleinen Vorrat an Basisprodukten wie zum Beispiel Silofolie zugelegt, doch auch diese Zukunft ist ungewiss.

Matthias Stenglein und den Landwirten in der Region bleibt nur eines übrig: „Weiter arbeiten wie bisher und die Saison so gut wie möglich vorbereiten!“

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