LICHTENFELS

Corona: Das Herz von Lichtenfels schlägt leise

Leere in Lichtenfels. Weitere Beschränkungen gelten bereits am Wochenende. Foto: Till Mayer

Der Freitag ist ein trüber Tag. Grauer Himmel, Regenschauer. Und ein fast Menschen leerer Marktplatz. Ein Gang durch Lichtenfels am letzten Vormittag vor der Ausgangsbeschränkung bedeutet dunkle Schaufenster und eine unwirkliche Stille. Aber auch die freundliche Verkäuferin in der Bäckerei, die sich einfach ihre gute Laune nicht nehmen lässt. Wie alle Menschen, die unsere Redaktion spricht.

Apothekerin Katja Enders zieht bei der Kundenberatung außerhalb des Thekenbereichs eine Schutzmaske an. Foto: Till Mayer

Da ist Horst Heimann in seinem Obststand. Er ist von Panik weit entfernt. Die Flasche mit Desinfektionsmittel steht bereit, Einweghandschuhe werden regelmäßig gewechselt. „Das beruhigt auch die Kunden“, sagt der Obst- und Gemüsehändler. Bei allen Corona-Unwidrigkeiten freut er sich über eines: „Ich erhalte jetzt mehr regionale Ware von meinen Zulieferern.“ „Was darf es sein?“, fragt er die Kundin. Ingrid Fischer steht im Sicherheitsabstand. Wie zu erfahren ist, wollte die 67-Jährige jetzt eigentlich gerade in Spanien den Jakobsweg entlangwandern. „Leider kam Corona“, seufzt sie. Die rüstige Seniorin gehört zur Risikogruppe. „Besuch von den Enkelkindern gibt es jetzt keinen mehr. Das ist schon traurig“, sagt sie. Neulich musste sie dennoch als Babysitterin einspringen. „Es ging einfach nicht anders“, sagt die Großmutter. Sie nimmt ebenso wie der Gemüsehändler die Gefahr durch das Coronavirus ernst. Aber Panik schieben, dass ist nicht das Ding der beiden.

Das gleiche gilt für Gabriele Kraus in ihrem nahen Bratwurststand. Der wirkt ein wenig verloren im Grau der Pflastersteine. Auch sie verkauft weniger von ihren Bratwürsten. „Aber ich muss erst einmal keine Angst um meine Zukunft haben. Der Stand ist bezahlt. Mein Mann ist auch noch da. Aber um die vielen Einzelhändler und Gastronomen unserer Stadt, da mache ich mir große Sorgen. Für sie ist die Situation eine völlige Katastrophe“, erklärt sie. Schräg gegenüber bedient Katja Enders mit Schutzmaske in ihrer Markt-Apotheke. Masken zieht das Personal an, wenn es vor der Theke berät. Sonst stehen Mitarbeiter hinter einer Plexiglas-Scheibe. Diese hat sie gerade anbringen lassen.

Genuss im Herzen der Korbstadt: Stühle hoch – aber die Bäckerei Söllner bietet weiterhin Gebäck zum Mitnehmen an. Foto: Till Mayer

Wie andere Apotheken im Landkreis auch, hat die Markt-Apotheke ihren Lieferdienst ausgebaut. Katja Enders hat ihre Apotheke gut auf die Situation eingestellt. Um die Geschäfte in der Innenstadt macht sie sich Sorgen. „Ich kann die Lichtenfelser nur bitten, jetzt nicht wie wild online einzukaufen. Unsere Geschäfte werden nach der Krise ihre Kunden dringend brauchen.“

Am Gemüsestand hält Horst Heimann die Stellung. Er setzt auf zusätzliche Hygienemaßnahmen. Foto: Till Mayer
Erst einmal Vergangenheit: Am Wochenende ist Gastro nur noch To Go und Lieferdienst. Foto: Till Mayer
Am Freitag herrschte Leere im Café Moritz. Gastronomiebetriebe dürfen jetzt nur noch To Go- und Lieferservice anbieten. Foto: Till Mayer
In der Marktplatz-Apotheke schützen Plexiglas-Scheiben. Foto: Till Mayer
Ein Aushang weist auf die vorübergehende Schließung der Weka und der Geschäftswelt hin. Foto: Till Mayer–

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