Mainblick Krisenmanager in Doppelfunktion

Mainblick: Ab Pfingsten wird es ... schlechter!

Papa, kann ich nicht einfach ein Loch in den Rasen graben?“ Dieser Satz reißt meinen Blick jäh vom Bildschirm des Laptops los. Gerade hatte ich noch, Home Office sei dank, im Redaktionssystem des Obermain-Tagblatts einen Text geschrieben. Nun bin ich wieder mittendrin in meinem Zweit-, Neben- beziehungsweise derzeitigen Hauptjob: in der Kinderbetreuung bei mir zuhause. Vor mit steht meine zehnjährige Tochter, den Kinderspaten schon in der Hand, bereit, um mit großem Eifer loszulegen. „Solltest du nicht eigentlich Aufgaben für die Schule erledigen?“, frage ich sie, die Antwort wohl kennend. Klar, sie wäre zu diesem Zeitpunkt eigentlich im Unterricht in ihrer Schulklasse. Und ich in der Redaktion in Lichtenfels, im Kreise der Kollegen. Corona aber macht alles anders. Fünf Wochen fällt die Schule aus, auch die Kindertagesstätten haben die Tore geschlossen. Und deswegen sind auch meine beiden Söhne daheim. Wir haben den großen Vorteil, dass wir einen Garten haben, die Kinder also raus ins Freie können und dort eine Fülle an Betätigungsfelder haben. Doch ihre Schul- und Kindergartenfreunde, die sehen sie derzeit nicht. So entsteht, das ist zumindest mein Eindruck, eine Art Lagerkoller. Mit aberwitzigen Ideen, sich zu beschäftigen. Über Matheaufgaben und Deutscharbeitsblättern sitzen, wenn es draußen Frühling wird? Kinder haben da kein bis wenig Verständnis. Auch wenn sie müssen. Sie verstehen kaum oder nur wenig, was es mit der Virus-Pandemie auf sich hat. Dass es die Zwangsferien nur gibt, weil die Bevölkerung in Deutschland akut gefährdet ist. Und warum der Papa daheim ist, aber trotzdem „auf Arbeit“ – und damit nicht immer greifbar. Wenn dann auch noch Mama nicht da ist, weil sie in einem ebenfalls systemrelevanten Job arbeitet – im Gesundheitssystem – und keinesfalls frei bekommt, verschärft sich die Situation. Da bleibt immer nur die bange Hoffnung, dass der Dreijährige nicht gerade Hilfe beim Toilettengang braucht, wenn der Geschäftsführer zur wichtigen Telefonkonferenz gebeten hat. Oder der Fünfjährige das Schlafzimmer vielleicht doch nicht komplett umgestaltet, wenn ich gerade über Artikeln vertieft bin. Corona, das bedeutet für Eltern mit Kindern Anspannung der besonderen Art. Da ist man Krisenmanager auf Arbeit und in der Familie zur gleichen Zeit. Das Loch im Rasen wurde übrigens nicht gegraben. Alternativ bot mir meine Tochter an, das Blumenbeet umzugestalten. Auch keine Option für mich. Ich schaffte es, sie dann doch zu Schulaufgaben zu überreden. Nach einigem Murren ging es dann für sie an die Arbeit – und für mich auch wieder.

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