LICHTENFELS

InnoTech Lichtenfels: Hochtechnologie aus dem Eichenweg

Das Herzstück: der Roboterarm. Foto: Markus Drossel

Fieberhaft, aber überraschend leise wird in der großen Werkshalle von InnoTech gearbeitet. Während die beiden Programmierer konzentriert auf ihre Bildschirme blicken, sind die Konstrukteure und Mechatroniker rund um und in der riesigen Maschine unterwegs. Geradezu akribisch beobachten sie deren Arbeitsprozesse.

Detailaufnahme des Förderbands der High-Tech-Maschine. Foto: M

Immer wieder stoppen sie die orangegelben Roboterarme, immer wieder werden die Förderbänder angehalten. Immer wieder wird nachgebessert und optimiert. Man merkt die Anspannung, denn die Zeit drängt. Der Kunde wartet, das Projekt muss fertig werden. Und das alles unter größtmöglicher Geheimhaltung.

Der Großauftrag, der hier für einen renommierten Automobilzulieferer aus dem süddeutschen Raum bewerkstelligt wird, umfasst mal eben das Volumen eines Viertels des Jahresumsatzes bei InnoTech. Über eine Million Euro lässt sich der Erstausrüster der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie die Spezialanfertigung kosten.

Die Vorgabe: schnell, universell, zuverlässig und automatisiert

Dafür verlangt der Auftraggeber den Lichtenfelser Problemlösern aber auch so einiges ab. Kompakt sollte die Maschine sein, zudem schnell, universell und zuverlässig, so automatisiert wie möglich – und trotz des komplexen Prozesses von nur einem Maschinenarbeiter komfortabel zu bedienen sein. Hinzu kommt ein Rohteillogistiker, der die Fertigungsstraße an mehreren Punkten regelmäßig befüllt.

Ein Kraftpaket mit 50 Tonnen Kraft

Dieser Roboterarm ist bereit, die Arbeit aufzunehmen. Foto: M

„Alle sechs Sekunden liefert die Maschine ein fertiges Bauteil. Insgesamt ist die Maschine ein Drittel schneller als bisherige“, sagt Geschäftsführer Daniel Spath, der seit Anfang 2019 der Projektleiter bei InnoTech für jenen Großauftrag ist. Acht Einzelteile aus Aluminium und Stahl sind es, die letztlich zu einem Produkt kombiniert werden. Drei Teile werden vom Werker händisch eingelegt, den Rest holt sich die Maschine aus Vorratsbehältern. Crimpen (so nennt der Fachmann eine Materialumformung), einpressen, vertaumeln (Radialnieten), endmontieren – das alles geht in Windeseile. „32 verschiedene Varianten umfasst das aktuelle Portfolio. Und all diese kann die Maschine bearbeiten.“ Die Umstellung von Modell zu Modell dauert gerade einmal zehn Minuten. Bis zu 50 Tonnen Kraft kann die Crimp-Einheit der Maschine aufbringen. „Bei der aktuellen Fertigung brauchen wir derzeit rund 28“, erklärt Spath. Rund 20 Meter Förderband und die verschachtelte Bauweise ermöglichen eine Produktion auf geringstmöglichem Raum. Dennoch bringt es die Maschine noch auf rund 30 laufende Meter Schutzeinhausung und einer geschätzten Anzahl von mehr als 3500 Schrauben.

„Nicht nur Zeit ist Geld, sondern auch der Platzbedarf“, bringt es Spath auf den Punkt. Der Kunde hatte genaueste Vorstellungen, wie groß die Spezialfertigungsmaschine letztlich sein sollte. InnoTech entwickelte eine Anlage mit mehreren Bearbeitungs-Ebenen. Und schaffte es, die Außenmaße mit 10,50 mal sieben Metern überaus kompakt zu halten.

„Verbaut sind Pneumatik-Aktoren ebenso wie Elektro-Zylinder, diverse Antriebssysteme und ein TOX-Kraftpaket“, informiert der Projektleiter. Und als Herzstück drei Sechs-Arm-Roboter. 500 Sensoren und drei hochwertige industrielle Kamerasysteme überwachen den Produktionsprozess. „Wir arbeiten diesbezüglich jederzeit mit den Marktführern und Innovationsträgern an Zulieferern zusammen. Unser Anspruch: „Die Anlage soll zuverlässig 15 Jahre oder länger laufen, wenn sie fachgerecht behandelt wird.“

Die Anfrage für den Millionendeal kam vom Auftraggeber direkt

Zu Spitzenzeiten waren fünf interne und externe Konstrukteure, zwei Elektroplaner, vier Mechaniker, drei Elektriker und zwei Programmierer mit dem Großprojekt beschäftigt. Überstunden oder Wochenendarbeitszeiten blieben da nicht aus.

Detailaufnahme der High-Tech-Maschine. Foto: Markus Drossel

Seit 14 Wochen ist ein Mitarbeiter des Kunden vor Ort und unterstützt als externer Prozessbegleiter bei der Inbetriebnahme und der Feinjustierung. Die Auslieferung des Kolosses steht unmittelbar bevor. „Wir haben schon bei der Konstruktion darauf geachtet, dass sich die Anlage problemlos zerlegen lässt und so auf insgesamt zwei handelsübliche Sattelzüge passt“, sagt Spath. Zwölf Pakete werden es sein. Dann geht es für die Spezialmaschine vom Obermain in den rund 250 Kilometer entfernten Großraum Stuttgart ins Nachbarbundesland Baden-Württemberg. InnoTech hat sich für diesen Millionenauftrag übrigens nicht beworben, sondern wurde direkt angefragt. „Dank unserer Erfahrungen und unserer guten Beziehungen zu renommierten Herstellern sind wir in diversen Pools drin, die bei Spezialaufträgen gebeten werden, Angebote und vor allen Dingen innovative Konzepte abzugeben“, erläutert Spath. Meist geschieht das über das Internet. Vier bis sechs Wochen dauert es, bis die Problemlöser aus Lichtenfels ein Angebot einreichen.

„Es ist die Kunst, den Mittelweg zu finden zwischen dem richtigen Konzept, dem richtigen Preis und der richtigen Kalkulation.“ Jeder Bieter gibt Festpreisangebote ab, mit dem Risiko, letztlich ein Minus einzufahren, wenn die Sache teurer wird. Nicht selten unternehmen die Lichtenfelser Vorversuche. So können sie mit Technik und Details punkten und eine Komplettlösung anbieten. Für den aktuellen Auftrag fragte der Auftraggeber bei diversen Firmen weltweit an. Den Zuschlag erhielten die Experten aus Oberfranken.

Individuallösungen für verschiedene Branchen

Dabei liegt die Kernkompetenz der InnoTech Sondermaschinen und Vorrichtungen GmbH überwiegend im Bereich der Maschinenkonstruktion für Klebetechnik. Will meinen: Die Lichtenfelser erarbeiten Individuallösungen, wie, beispielsweise im Automobilbau, doppelseitige Klebebänder millimetergenau und maschinell autonom auf Bauteile aufgebracht werden. Darüber hinaus ist der After-Sales-Service ein Eckpfeiler der Firma. „Wir sind aktuell an der Ausarbeitung zusätzlicher Standbeine“, sagt Spath. Was mit dem aktuellen Großauftrag bestens gelungen ist.

Über die InnoTech Sondermaschinen und Vorrichtungen GmbH

Die InnoTech Sondermaschinen und Vorrichtungen GmbH wurde im Jahr 1994 von Josef Gack, dem geschäftsführenden Gesellschafter, gegründet. Was als Ein-Mann-Betrieb begann, ist heute zu einem deutschlandweit beachteten Unternehmen mit 35 Mitarbeitern gewachsen. Die Geschäftsführung liegt bei Josef Gack sowie seit 1. Oktober 2019 ebenso bei Peter Reinlein und Daniel Spath. 880 Projekte wurden seit der Gründung umgesetzt, rund 800 Maschinen entwickelt.

Detailaufnahme der High-Tech-Maschine. Foto: Markus Drossel

Der Jahresumsatz liegt derzeit bei vier bis fünf Millionen Euro. Zu den Kunden gehören weltweit agierende standortnahe Unternehmen wie „Hofmann – Ihr Möglichmacher“, Moll-Batterien ebenso wie auch renommierte Firmen aus der Automobil-, Maschinenbau- und Haushaltsgroßgerätebranche. (mdr)

Das Herzstück: der Roboterarm. Foto: Markus Drossel

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