LICHTENFELS

Lichtenfelser Amtsgericht: In Haft die Zelle blockiert

Wahlschein
Zur Stimmabgabe aufgerufen sind die Bürger bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 auch im Landkreis Lichtenfels. Foto: Bodo Schackow (ZB)

3,2,1 könnte man zu dem Vorfall mit dem 29-jährigen Lichtenfelser bemerken. Es war Sommer und einmal beleidigte er drei Polizisten, dann zwei und für einen einzigen hatte er auch Worte übrig. Der Abend des 10. August 2019 hatte es für Polizisten und Taxifahrer in sich. Während seiner Gerichtsverhandlung hingegen zeigte sich der wegen Beleidigung angeklagte Mann am Dienstag ruhig und gefasst.

Es waren deutliche Kraftworte, die der einstige Student gegenüber der Polizei verlor. Dass diese am besagten Tag zum Bahnhof fuhr, hatte damit zu tun, dass der Angeklagte dort schon auffällig wurde. Der Lichtenfelser erinnerte sich auch. Bevor die Beamten kamen, sei er mit „irgendwelchen Leuten aneinandergeraten und war in Rage“. Er sei durch die Lande gezogen und „rumgebollert“. Wie sehr er in Rage war, daran erinnerte sich eine Polizeivollzugsbeamten noch ganz besonders gut. Im Zeugenstand sagte sie aus, dass der Mann am Bahnhof randaliert und Mülleimer umgetreten habe. So sei die Polizei verständigt worden und ihr gegenüber zeigte sich der Aufgegriffene unhöflich und unkooperativ.

Anonyme Entschuldigung

Beim Alkoholtest soll er das Mundstück und eine Folie auf den Boden gespuckt haben. Wie ein Test ergab, lag ein Grund für sein Verhalten auch in den zwei Promille, die er intus hatte. Dem gegen ihn ausgesprochenen Platzverweis kam er nicht nach. Zwar verließ er den Bahnhofsplatz, aber er setzte sich auf eine Bank gegenüber und posierte für die Taxifahrer. Siegerposen. Auch habe er gedroht, sich umzubringen. „Bin aber noch da“, erklärte er die Polizeibeamtin in ihren Schilderungen unterbrechend. Das brachte ihm einen Rüffel von Staatsanwalt Frank Dietze ein. „Ich habe mich bei den Taxifahrern entschuldigt, aber ich habe das anonym gemacht“, so der Endzwanziger.

Zweiter Teil der Vorstellung auf der Wache

Als die Polizei ihn mitnahm, fuhr er mit den Beleidigungen auch noch auf der Wache fort. Was man ihn so könne und was er mit den Familien der Polizisten anzustellen gedächte, habe er lautstark geäußert, so die Zeugin. Überdies habe er in der Ausnüchterungszelle die Matratze zwischen die Gitter hindurch ins Freie geschoben, um die Tür zu blockieren. Dass er Probleme mit Alkohol habe, räumte der Angeklagte durchaus ein. Eine mehrmonatige Therapie habe er diesbezüglich erfolgreich hinter sich gebracht. Ein paar Einträge im Bundeszentralregister hat er aber auch vorzuweisen, so zum Beispiel das Tragen von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen.

105 Tagessätze zu je 50 Euro, in Gänze also 5250 Euro, forderte Staatsanwalt Frank Dietze für des Angeklagten Verhalten in jener Nacht. Der wiederum war des Umstands gewahr, dass alles über 90 Tagessätze einen Eintrag ins Führungszeugnis bedeutet. So bat er, diese Grenze nicht zu überschreiten. Mit 90 Tagessätzen zu je 50 Euro sollte ihm Richterin Daniela Jensch entgegenkommen.

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