LICHTENFELS

TUM-Präsident Thomas Hofmann spricht im MGL

TUM-Präsident Thomas Hofmann spricht im MGL
(1)Wo er einst die Schulbank drückte: Beim Rundgang mit dem ständigen Stellvertreter des Schulleiters, Studiendirektor Hubert Gehrlich, Landrat Christian Meißner sowie Lehrkräften des MGL durch die vor einigen Jahren sanierten Chemie-Säle erzählte Prof. Dr. Thomas F. Hofmann (re.... Foto: Landratsamt /Heidi Bauer

„Es sind wenige Menschen, die einen wahrhaft begeistern, und diese stellen die Weichen für die Zukunft“, stellte er am Anfang seines Vortrags am Meranier-Gymnasium Lichtenfels (MGL) fest: Der Präsident der Technischen Universität München (TUM), Prof. Thomas F. Hofmann, traf an dieser Schule gleich zwei Lehrkräfte, die ihn begeisterten, für die Wissenschaft faszinierten und damit auch den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere legten: Nach mehr als drei Jahrzehnten kehrte der hochdekorierte Akademiker auf Einladung von Landrat Christian Meißner zu einem Besuch ans MGL zurück, wo er neun Jahre zur Schule ging und 1987 das Abitur ablegte.

In einem mitreißenden Vortrag machte sich der Wissenschaftler vor der Oberstufe des Meranier-Gymnasiums und geladenen Gästen dafür stark „Mit Neugier, Faszination und Teamgeist die Welt von morgen zu gestalten“ und zeigte im Rahmen der Vortragsreihe „Forum Zukunft Landkreis Lichtenfels“ auf, dass der ländliche Raum „Talentschmiede“ ist und wie wichtig es ist, sein Ziel nie aus den Augen zu verlieren.

„Bei aller fränkischen Bescheidenheit: Wir sind ned nur a bissla stolz, wir sind scho‘ arg stolz“, stellte Landrat Christian Meißner in seiner Ansprache heraus: „Das Meranier-Gymnasium Lichtenfels hat mit Professor Dr. Thomas F. Hofmann, der seit 1. Oktober 2019 der 40. Präsident der Technischen Universität München ist, einen prominenten, aber auch akademisch hochdekorierten ehemaligen Schüler.“

„Lassen Sie sich nie

entmutigen

und machen Sie das,

von dem Sie überzeugt sind.“

Prof. Thomas F. Hofmann, Präsident der TUM

„Dabei wäre ich beinahe gar nicht aufs Gymnasium gekommen“, erinnerte sich Hofmann an seine Schulzeit, der seinen Vortrag mit einigen Anekdoten aus seiner Schulzeit würzte. Doch mit unbeugsamen Willen habe er es geschafft, dass er auf diese Schule kam, „die mir dieses breite Wissensfundament gegeben hat“. Dankbar sei er, dass er am Meranier-Gymnasium zwei Lehrkräfte – Dr. Horst Zasche in der Chemie und Walter Kühn in der Mathematik – hatte, die ihn für sein Leben geprägt und für die Wissenschaft fasziniert haben: „Es gibt wenige Menschen, die einen wahrhaft begeistern, und diese stellen die Weichen für die Zukunft.“ Deswegen appellierte er an die Gymnasiasten: „Lassen Sie sich nie entmutigen und machen Sie das, von dem Sie überzeugt sind.“

Faszination Wissenschaft

Habe er zunächst in die Wirtschaft gehen wollen, so sei er schließlich der Faszination der Wissenschaft erlegen: Dort habe die Kreativität den größten Freiraum. Mit Kreativität könne man auch neue Wege gehen. Doch brauche es dafür auch den Teamgeist. Denn in der heutigen Zeit sei die Wissenschaft so vielfältig und komplex, dass nur interdisziplinäre Teams zum Erfolg führen. Diese Teams gelte es aufzubauen und für die Überzeugungen zu gewinnen. Die TU München, deren 40. Präsident er ist, sei führend in internationalen Universitätsrankings. An der TUM seien aktuell 42 780 Studenten eingeschrieben, sie habe 173 Studienprogramme und 130 Partner-Universitäten in 26 Ländern, erläuterte der Präsident.

TUM-Präsident Thomas Hofmann spricht im MGL
(2)„Wir brauchen junge Leute, die über Grenzen hinwegdenken, mit Mut und Pioniergeist“, forderte der Präsident der Techn... Foto: Landratsamt /Heidi Bauer

Sie sei exzellent in Lehre und Forschung und im Juli 2019 erneut mit dem Prädikat „Exzellenzuniversität“ ausgezeichnet worden“, so der Präsident. Mit dem Preisgeld von 105 Millionen Euro für den Zeitraum 2019 bis 2026 könne die TUM Agenda 2030 umgesetzt werden. Innovation durch Talente, Exzellenz und Verantwortung laute der Untertitel des Zukunftskonzepts „TUM.THE Entrepreneurial University“. Mit dem erneuten Exzellenzprädikat werde auch der unternehmerische Mut und der Pioniergeist ausgezeichnet mit dem sich die TUM in der nächsten Dekade Zukunftsentwicklungen öffne. Mit der TUM AGENDA 2030 wolle man die die Universität dynamischer, transformationsfähiger machen und auf die technologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit ausrichten.

„Über Grenzen hinwegdenken“

„Wir brauchen junge Leute, die über Grenzen hinwegdenken, mit Mut und Pioniergeist“, forderte Hofmann und ging dabei auf verschiedene Projekte wie die TUM Hyperloop ein. „Wir brauchen junge Unternehmen, die ihre Ideen schneller auf den Markt bringen“, weswegen die TUM verschiedene Programme entwickelt habe. Er rief dazu auf, nicht mehr nur in „disziplinären Silos zu denken, sondern durch Kommunikation die Grenzflächen der Disziplinen“ aufzulösen.

Gleichwohl sei die wissenschaftliche Kompetenz unabdingbar: denn nur durch sie seien die Grundlagen unserer Existenz zu verstehen. Allerdings brauche es völlig neue Ansätze beispielsweise bei der Forschung in punkto Antibiotika Resistenzen sowie die Brückenbildung und Kooperation zwischen den einzelnen Wissenschaften wie Physik, Mathematik, Chemie und Medizin. Beispielhaft verwies er auf die Zusammenarbeit von Biophysikern und Maschinenbauern bei der virtuellen Lunge oder bei minimal-invasiven Operationen am Gehirn.

Lebensräume nachhaltig gestalten

Als eine weitere Herausforderung sieht es Hofmann, die Lebensräume nachhaltig zu gestalten, Methoden zu finden, mit denen der Ertrag im landwirtschaftlichen Anbau ohne Gentechnik gesteigert werden kann und oder wie man sich hier Satelliten- oder Drohnen zunutze machen kann. „Die Probleme, die wir haben, werden wir nur mit neuen Technologien lösen können, die es uns ermöglichen, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen“, so der TUM-Präsident weiter. Es gelte ferner, neue Materialien und Fertigungstechnoligen zu entwickeln – wie es beispielsweise Concept Laser in Lichtenfels getan habe.

Entscheidend sei jedoch auch, die digitale Transformation sicher zu gestalten: „Wie stellen wir sicher, das private Daten nicht in die Öffentlichkeit gelangen?“ Diesbezüglich forderte Hofmann eine verantwortungsvolle Forschung und Innovation im Dienst der Gesellschaft, hier seien Philosophie, Geisteswissenschaften und Politik ebenfalls mit gefordert, Entscheidungen mitzuentwickeln: „Auch der Physiker hat Fragen der Ethik.“ Es gelte nicht nur Techniken zu entwickeln, sondern die Expertisen in den gesamten Innovationsprozess zu integrieren.

TUM-Präsident Thomas Hofmann spricht im MGL
(3)Als Alumnus des Meranier-Gymnasiums machte sich TUM-Präsident Prof. Dr. Thomas F. Hofmann (re.) für eine Intensivieru... Foto: Landratsamt /Heidi Bauer

Vor diesem Hintergrund ganzheitlichen Forschens würden Fakultäten zugunsten interdisziplinärer „Schools“ aufgelöst und in der flexibleren Governance-Struktur zukunftsorientiert ausgerichtet. Um die wissenschaftliche Interaktivität in interdisziplinären Zukunftsschwerpunkten zu dynamisieren, sollen die „TUM Innovation Networks“ etabliert als systemintegrative Kooperationsverbünde zwischen den Schools etabliert werden. Es gelte solche Themen anzugehen, um Synergieeffekte zu nutzen und mit den Entwicklungen in der ganzen Welt Schritt zu halten, so Professor Dr. Hofmann.

Intensive Zusammenarbeit anvisiert

Als Alumnus des Meranier-Gymnasiums machte sich der TUM-Präsident für eine Intensivierung der Zusammenarbeit der Schule mit der Universität und den Aufbau entsprechender Programme stark. Er lud zum „Tag der offenen Tür“ am 12. März 2020 nach München ein und Landrat Christian Meißner signalisierte, der Landkreis werde für interessierte Schüler Busse einsetzen.

Beim anschließenden Rundgang durch die Chemie- und Physik-Säle des Gymnasiums informierten Studiendirektor Hubert Gehrlich, Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht, Landrat Christian Meißner, der Geschäftsleiter des Landratsamtes, Holger Stingl, und der Büroleiter des Landrats, Andreas Grosch, über die bisher getätigten und noch geplanten Investitionen an der Schule. (red)

Vita und Forschungsgebiete

•Prof. Thomas Hofmann (*1968) beschäftigt sich mit dem Screening, der Identifizierung und Quantifizierung sensorisch aktiver, bioaktiver und technofunktionaler Naturstoffe in Lebensmitteln und pflanzlichen Rohstoffen sowie mit deren Humanmetabolismus.

•1987: Allgemeine Hochschulreife am Meranier-Gymnasium Lichtenfels

•1988 bis 1992: Studium der Lebensmittelchemie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg

•1993 bis 1995 Dissertation (Dr. rer. nat.) an der Fakultät für Chemie, TUM, über schwefelhaltige Geruchsmoleküle

•1996 bis 1998 Habilitation (Dr. rer. nat. Dr. rer. nat. habil) an der Fakultät für Chemie, TUM, über ionische und radikale Maillard-Reaktionen

•1998 wurde Professor Dr. Hofmann zum stellvertretenden Direktor der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, einem Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, berufen.

•Prof. Hofmann folgte einem Ruf der Universität Münster als Professor und Direktor des Instituts für Lebensmittelchemie (2002) und kehrte 2007 als Ordinarius des neu gegründeten Lehrstuhls für Lebensmittelchemie und Molekulare Sensorik an die TUM zurück. Seit 2007 ist er Mitglied des ZIEL Institute for Food and Health und seit 2015 Co-Direktor des Bayerischen Zentrums für Biomolekulare Massenspektrometrie (BayBioMS).

•Er ist Senior Visiting Professor der Fakultät für Naturwissenschaften der Chulalongkorn University in Bangkok, Thailand (2015-18) und hat 2016 als Chairman eines Europäischen Konsortiums die Knowledge and Innovation Community (KIC) „EIT FOOD“ des European Institute of Technology (EIT) unter Koordination der TUM erfolgreich eingefahren.

•Von 2009 bis 2019 war er Vizepräsident für Forschung und Innovation, seit 2019 ist er Präsident der TUM.

Schlagworte