LICHTENFELS

Aus dem Lichtenfelser Amtsgericht: Diebstahl gefilmt

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Sichtlich verunsichert betrat die des Diebstahls angeklagte Frau am Dienstagnachmittag den Saal 14 des Amtsgerichts. Sie hatte über einen längeren Zeitraum hinweg in Vertrauensstellung mehrmals in die Schatulle der Frau gegriffen, für die sie putzte. Der Vorfall schien auch an der Frau selbst zu nagen.

Wirklich nachweisen konnte das Gericht der Frau nur zwei Diebstähle. Aber die Indizien für die restlichen von Staatsanwalt Frank Dietze angemahnten 65 Diebstahlfälle wogen auch sehr schwer. Zwischen Januar und März 2019 soll die aus dem Norden des Landkreises stammende Mittfünfzigerin 9750 Euro eingesackt haben. „Doch, ich will mich äußern“, erklärte die Frau, die mit familiärem Beistand das Verfahren durchlebte. „Zunächst mal tut' s mir total leid – ich kann es mir selber nicht erklären“, so die Frau, die davon sprach, „irgendwie reingeschlittert“ zu sein und erst ein Wachrütteln erlebt zu haben, als die Polizei bei ihr vor der Tür stand.

Dass sie das tat, hatte mit dem Schwiegersohn der Bestohlenen zu tun. Der, mittlerweile ein Rentner, hegte einen Verdacht und kaufte ein Gerät, mit dem er per Video das Putzverhalten der Angeklagten festhielt. Und somit auch einen Moment, in dem sie zugriff. Im Zeugenstand vor Richterin Daniela Jensch aussagend, erinnerte sich der Schwiegersohn präzise. „Wir haben uns in der Familie Ende Februar oder Anfang März 2019 über Geld unterhalten. „Du müsstest etliche tausend Euro haben“, habe er zu seiner Schwiegermutter gesagt, die allerdings schon schwer vergesslich gewesen sei.

„Da war es für mich klar, dass jemand Geld aus ihrer Kassette nimmt“, fuhr er fort, als er noch klarstellte, dass ja immer dann Geld fehlte, wenn auch der Besuch der Putzhilfe vorüber war. Dann hat der Mann Berechnungen angestellt und kam auf 9750 Euro, die im Laufe der Zeit verschwunden sein dürften. Über die einstige Putzfrau seiner Schwiegermutter sprach er zur Richterin Jensch gewandt: „Wir haben ihr das verziehen, aber vergessen können wir nie. Dafür war das zu prägend, wenn man in der eigenen Wohnung bestohlen wird.“

Es war wie eine Sucht

Immer wieder wirkte die Angeklagt den Tränen nahe und gerade da, als sie von ihren Beweggründen für den Diebstahl sprach, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, als wollte die 54-Jährige vermitteln, dass es ihr zur Sucht geworden war, in die Kassette zu greifen. Tatsächlich, als die Frau von dem Schwiegersohn des Diebstahlopfers angesprochen wurde, zeigte sie sich sofort bereit, die von dem Mann veranschlagten 9750 Euro zu erstatten. Das blieb kein Versprechen, sie tat es auch. Bis dato war die Angeklagte ein völlig unbescholtener Bürger. Aus Sicht von Staatsanwalt Dietze hätte es somit auch bei einer Geldstrafe bleiben können.

Ein von Reue getragenes Geständnis

Er forderte rund 7000 Euro als Strafe und bemerkte in seinem Plädoyer, dass es zu einem „von Reue getragenen Geständnis“ gekommen war. „Es sollte auf Geldstrafe erkannt werden“, so Dietze im Versuch eines Entgegenkommens. Doch an dieser Stelle war es ungewöhnlicherweise der Rechtsanwalt, der eine Haftstrafe auf Bewährung fordern sollte. Roland-Stephan Lehnert sprach sich für sechs Monate Haft und eben zur Bewährung aus, er tat es darum, weil diese Lösung günstiger und für seine Mandantin leichter abzuleisten wäre. Doch Richterin Jensch erkannte bei ihrem Schuldspruch wegen Diebstahls auf eine zu leistende Geldstrafe in Höhe von 4750 Euro.

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