Wort zur Besinnung zum Beginn der Fastenzeit

Wort zur Besinnung zum Beginn der Fastenzeit

Wort zur Besinnung

Fasching ist! Heitere Narrenreden werden gehalten; Politik und Gesellschaft mit spitzer Zunge und viel Humor auf die Schippe genommen. Viele schlüpfen am Wochenende noch einmal in bunte Kostüme und legen Masken an, bevor zum Höhepunkt der „fünften Jahreszeit“ dann die Rosenmontags- und Faschingsumzüge durch Dörfer und Städte rollen.

Dann kommt der Aschermittwoch. Und mit dem ist bekanntlich ja „alles vorbei“… Wobei: Wo etwas aufhört, da fängt immer auch etwas Neues an. Im Kirchenjahr beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. „Fasten“ klingt für viele vielleicht nicht verlockend. Doch auch die knapp sieben Wochen bis Ostern bergen ihre Chancen.

Mit Fasten verbinden viele ja vor allem Verzicht: Du sollst nicht! Manche verzichten auch tatsächlich in der vorösterlichen Fastenzeit: Sie trinken keinen Alkohol oder verkneifen sich Süßigkeiten, Zigaretten oder was sonst Figur und Gesundheit schaden mag.

Dabei machen sie häufig die gute Erfahrung, dass es auch ohne den Griff in die Naschkiste geht oder das regelmäßige Feierabendbier. Verzicht macht frei - das ist die positive Seite des Fastens: Ich tue anderes als das, was ich gewohnt bin. So entsteht durch den Verzicht etwas Neues. Wer den Fernseher auslässt, hat plötzlich Energie für einen abendlichen Spaziergang oder das lang verschobene Treffen mit Freunden.

Früher dachten die Menschen, Dämonen versteckten sich in Nahrungsmitteln. Sie verzichteten also auf Fleisch, um „fleischlichen Versuchungen“ zu entgehen. Auf moderne „Dämonen“ lenkt die Aktion „7 Wochen ohne“ den Blick. In diesem Jahr heißt das Motto der evangelischen Fastenaktion daher „Zuversicht! 7 Wochen ohne Pessimismus“.

Dabei werden aktuelle Ängste und Sorgen durchaus sehr ernstgenommen: Achtsamkeit für das Klima ist eine wichtige Sache. Engagement für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft wie am Montag in Schwürbitz macht Sinn. „7 Wochen ohne Pessimismus“ zielt auf den Unterton, der sich in viele Debatten und oft genug auch in Gespräche unter Nachbarn und Freundinnen schleicht - eine Hoffnungslosigkeit, die lähmt: „Das bringt doch alles nichts!“ oder „Es wird alles immer schlimmer…“

Um das eigene Leben zu bestehen, um ein gutes Miteinander in einer Gesellschaft der Verschiedenen zu entwickeln, braucht es Zuversicht: Vielleicht haben wir nicht für alles eine schnelle Lösung. Um manches muss miteinander gerungen werden – im übertragenen Sinn! Gute Ideen für die Zukunft werden wir noch viele entwickeln müssen, z.B. für Fortbewegungsmittel, die das Klima nicht belasten. Immer sind Mut und Energie nötig, um aus schwierigen Situationen herauszufinden.

Zu all dem trägt Zuversicht bei. Nicht zuletzt ist sie ein guter Schutz vor Verschwörungstheorien und Radikalisierung, die in diesen Tagen wieder Ursache furchtbarer Taten geworden sind.

Menschen haben in der Vergangenheit oft erstaunliche Entdeckungen gemacht. Die Erfindung des Rads ist eine davon. Ich bin zuversichtlich, dass es sich neu erfinden lässt - passend für die Bedürfnisse unserer Zeit.

Diese Hoffnung schenkt mir mein Glaube: In der Fastenzeit schauen wir Christen auf das Leiden Jesu. Wir beklagen auch das Leiden heute: Das Leiden von Mensch und Kreatur, auch das Leiden der Natur. Doch das Kreuz, auf das wir sehen, ist nicht der Schlusspunkt: Ostern feiern wir, dass Gott das Leben neu macht. Wo wir ein Ende sehen, da schenkt Gott einen neuen Anfang. Das ist also längst nicht nur im Fasching so.

Ihre Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, Michelau

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