LICHTENFELS

Nach Unfall unter Alkohol vor dem Amtsgericht Lichtenfels

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Fuhr er in den Graben, weil er betrunken war oder weil er auf sein Handy schaute? Für Staatsanwalt Daniel Killinger stellte sich die Frage so nicht, für den Verteidiger des Fahrers schon. Das Verfahren um fahrlässige Trunkenheit im Verkehr sollte sich an diesem Punkt entscheiden. Der Fahrer gab sich bei der Verhandlung im Amtsgericht schweigsam. Es war Sache seines Verteidigers, Achim Riedel, seine Sicht der Dinge darzustellen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die Sache eindeutig: Der 26-jährige Selbständige kam am 17. Mai in einer Linkskurve der Bundesstraße 289 von der Fahrbahn ab, weil er knapp ein Promille Alkohol im Blut hatte. Der 70 000 Euro teure Wagen des Manns überschlug sich dabei und war schrottreif.

Totalschaden: Das 70 000 Euro teure Auto überschlägt sich mehrfach

Der 26-Jährige sei durch sein Handy abgelenkt gewesen, mit dem er die Musik im Auto habe steuern wollen, erklärte der Verteidiger. „Alkohol und Fahrt ist nicht gleich Trunkenheitsfahrt“, behauptete er. Dem widersprach ein Polizist, dem an der Unfallstelle aufgefallen war, dass der Fahrer „gerötete Augen“ hatte. Daher ordnete er einen Alkoholtest an, der ein Promille ergab. Richterin Daniela Jensch ließ sich die Bilder vom Unfallort vorlegen und bemerkte: „Das Auto ist komplett hinüber.“ Außerdem stellte sie fest, dass die Umstände des Unfalls eher alkoholtypisch seien. „Handy und Unfall und man wäre raus aus der fahrlässigen Trunkenheit – keine gute Gleichung“, kommentierte auch Staatsanwalt Killinger die Strategie der Verteidigung. Und er legte nach: „Wenn Ihr Mandant besoffen noch gut fährt, dann spricht das dafür, dass er Alkohol gewöhnt ist.“ Der Angeklagte habe mehrere Leitpfosten und einen Böschungsschopf überrollt, bevor der Wagen sich überschlug. Bei einem derart hohen Alkoholwert sei es „zweifelhaft“, dass die Ablenkung durch das Handy die Unfallursache gewesen sein soll. Der Staatsanwalt plädierte auf 2520 Euro Strafe und den Entzug des Führerscheins für zehn Monate. Verteidiger Achim Riedel darauf, dass die Staatsanwaltschaft nicht klar nachweisen könne, dass der Alkohol maßgeblich für den Unfall war. Er forderte Riedel Freispruch für den Tatvorwurf und allenfalls ein Urteil wegen Verstoßes gegen die 0,5-Promille-Grenze.

Richterin: Alkoholtypischer Fahrfehler auf eigentlich übersichtlicher Straße

In ihrem Urteil folgte Richterin Daniela Jensch der Forderung der Staatsanwaltschaft, weil es sich um eine „eigentlich übersichtliche Straße“ gehandelt habe, von welcher der Fahrer in einer Linkskurve abkam. Gerade das sei ein „alkoholtypischer Fahrfehler“ gewesen.

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