LICHTENFELS

Syrische Familie gibt Beispiel für Integration in Lichtenfels

Militärischer Konflikt in Nordsyrien
Jugendliche durchsuchen die Trümmer nach Luftangriffen in der Provinz Idlib. Foto: Anas Alkharboutli/dpa

Die Mitglieder der syrische Familie A. geben ein Beispiel für eine gelungene Integration von Flüchtlingen in der Region. Vater Ahmad und Mutter Zahra berichten von der Flucht vor dem Krieg in Syrien, von den Herausforderungen der Integration in Deutschland.

„Wir möchten am Beispiel der Familie von Zahra und Ahmad von einem gelungenem Ankommen berichten“, erklärt Josef Breunlein, der sich gemeinsam mit Annette Hildebrandt bei den Aktiven Bürgern für geflüchtete Mitmenschen einsetzt. Nachrichten über Migration und Ausländer seien häufig negativ in unserer Gesellschaft besetzt, so Ahmad. Dem stimmt Breunlein bedauernd zu.

„Im Oktober 2014 bin ich aus Syrien geflohen“, erzählt Ahamad. Sein Weg führte ihn gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Freunden von Syrien aus über Algerien, Tunesien und Libyen nach Italien. In Dänemark lebte ein Verwandter, daher war es das ursprüngliche Ziel. Doch dann kamen sie nur bis Deutschland. In München wurden sie von der Polizei in ein Auffanglager geschickt. Es war völlig überfüllt. Ahmad schläft auf dem Gang.

Die Sprache ist der Schlüssel

Dann ging es nach Lichtenfels. Neun Monate wohnte er zunächst im Asylbewerberheim in der Nordgauerstraße, ein ehemaliges Altenheim. Seine Frau Zahra kam mit den Kindern Lamar und Hussen Ende November 2015 nach. „Ich konnte kein Wort Deutsch“, erinnert sich der Vater an seine Ankunft in Deutschland. Fehlende Sprachkenntnisse seien die größte Barriere. Ohne Verständigungsmöglichkeit gibt es keine Integration.

In Syrien hatte er als Metallgießer im elterlichen Betrieb gearbeitet. In Lichtenfels trat er ein Praktikum für den Beruf Feinmechaniker bei Werkzeugbau Hofmann an: „Ich habe nur mit den Augen gelernt. Frau Hofmann kam zu mir und sagte: ,Du musst die Sprache verbessern.'“ Das nahm er sich zu Herzen. Im Mai 2015 bekam er seine Aufenthaltserlaubnis und konnte somit nun neben den anfangs ehrenamtlich organisierten Kursen der Aktiven Bürger auch endlich an den offiziellen Deutsch-Sprachkursen teilnehmen. Und damit eine Lehre zum Feinmechaniker bei Werkzeugbau Hofmann beginnen.

Syrische Familie gibt ein Beispiel für gelungene Integration
Die syrische Familie A. ist vor einigen Jahren dem Krieg ihres Landes nach Deutschland entflohen. Der Vater Ahmad (3. v.... Foto: Franziska Wagner

„Es gibt keine wirkliche Schwierigkeit, wenn ein Mensch etwas will. Es gibt keine Unmöglichkeit. Hindernisse halten mich nicht auf“, so Ahmad. Er erklärt: „Wenn ich die deutsche Sprache ein bisschen kenne, öffnen sich schon Türen. Ich habe gemerkt: Jeden Tag wird es besser.“

Ausbildung erfolgreich abgeschlossen

2016 war er so weit, dass er seine angefangene Ausbildung zum Feinmechaniker verkürzen konnte und erfolgreich abschloss. Hildebrandt ist stolz auf ihn und seine Frau: „Eure Sprachbegabung habe ich immer bewundert. Es ist unglaublich was für eine Aufnahmefähigkeit ihr habt.“ Die deutsche Sprache zu lernen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gelungenes Ankommen in der neuen Heimat. „Es ist schwierig und nicht leicht, aber es muss sein“, bestätigt der Vater und erzählt vom gemeinsamen Lernen für beispielsweise die Prüfungen seiner Frau, die mit den Kindern Lamar und Hussen nach Deutschland nachkam. Zahra ist seit Juni 2019 in der Ausbildung zur Arzthelferin in einer Lichtenfelser Frauenarztpraxis. Nach einem Arztbesuch dort war der dreifachen Mutter klar, dass das ihr Traumberuf ist: Menschen zu helfen.

Die Familie A. ist nun glücklich in ihrem neuen Umfeld und hat sich gut eingefunden. Nach vier Jahren deutscher Sprache muss Ahmad sogar zugeben: „Meine Träume sind manchmal schon auf Deutsch.“ Nach kurzem Überlegen fügt er jedoch mit einem Schmunzeln an: „Aufregen und schimpfen? Immer noch auf arabisch!“

Erinnerungen an Krieg und Diktatur

Trotzdem bleibt Deutschland doch zunächst einmal ein „fremdes Land“. Der größte Unterschied zu Syrien ist die Sicherheit, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann, wenn man die Schrecken einer Diktatur und eines Krieges erleben musste.

Syrische Familie gibt ein Beispiel für gelungene Integration
Die kleine Rital ist anders als ihre Geschwister in Deutschland geboren. Foto: Franziska Wagner

Bomben- und Giftgasangriffe, Verhaftungen, davon kann die syrische Familie berichten. Davon wie die Menschen für mehr Freiheit demonstrierten und alles in einem grausamen Krieg endete. Ob sie sich vorstellen können eines Tages nach Syrien zurückzukehren? Gerade wegen der Sicherheit ihrer Kinder möchten Ahmad und Zahra in Deutschland bleiben. Denn auch die Kinder fühlen sich bereits sehr wohl. Der elfjährige Hussen ist bereits in der fünften Klasse der Realschule in Bad Staffelstein, seine neunjährige Schwester in der dritten Klasse der Grundschule am Marktplatz in Lichtenfels. Für die Kinder ist das Erlernen einer neuen Sprache ebenfalls eine Herausforderung: „Als ich ankam, wollte ich in die zweite Klasse. Aber ich habe nicht genug verstanden. Deshalb bin ich in die erste Klasse zurück“, sagt Lamar. „Am Anfang hat er jeden Tag deswegen ein bisschen geweint“, erinnert sich der Vater. Doch Freundschaften helfen – in der Schule oder beim FC Lichtenfels. „Auch bei mir war es schwer. Aber ich habe ganz schnell neue Freundinnen gefunden“, weiß seine Schwester. Sie war zunächst noch im Kindergarten Heilige Familie. Beim Spielen fielen schnell die Barrieren. Die jüngste der Familie, die kleine Rittal, ist vor zwei Jahren und sieben Monaten in Lichtenfels geboren worden.

Traditionen und der Weihnachtsbaum

Die Familie erarbeitet sich ihre neue Heimat, auch mit dem Herzen. „Wir versuchen immer unsere alten Traditionen zu halten. Aber es kommen auch neue dazu“, erklärt Zahra. Und mit strahlenden Augen erzählt die Mutter stolz: „Einen richtigen Weihnachtsbaum haben wir schon das dritte Jahr.“

Aus Gründen der Sicherheit der Familien von Geflüchteten und ihrer Angehörigen nennt die Redaktion keinen vollen Nachnamen.

 

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