LICHTENFELS

Weihnachtsoratorium in Lichtenfels von bewegender Schönheit

Weihnachtsoratorium in Lichtenfels von bewegender Schönheit
Souverän brachten die Sänger des Lorenz-Bach-Chors den Jubel der Huldigungskantaten in Bachs Weihnachtsoratorium zu Gehör. Foto: Joachim Wegner

Die Glocken der Martin-Luther-Kirche sind verklungen. Ein Paukensolo lässt aufhorchen, Flöten und Oboen trillern erwartungsvoll. Dann bricht Jubel los: Streicher-Tutti, schmetternde Trompeten und ein vielstimmig jauchzender Chor verkünden die Geburt Jesu. Kein zweiter Komponist hat die Ankunft des Gottessohns auf Erden so ausdrucksstark in Töne gefasst wie Johann Sebastian Bach. Mit dem Weihnachtsoratorium des Genies der Barockzeit erreichte das Klassikjahr der Lichtenfelser Kirchenmusik am Samstagabend in der Martin-Luther-Kirche seinen Höhepunkt.

Weihnachtsoratorium in Lichtenfels von bewegender Schönheit
Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann leitete routiniert das Orchester der Vorgtlandphilharmonie. Foto: Joachim Wegner

Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann intonierten vier hochkarätige Solisten und die Kantorei des Lorenz-Bach-Chors mit Unterstützung der Vogtlandphilharmonie die strahlenden, mal demütigen, immer ins Herz treffenden Klänge, die zum Schönsten gehören, was die Barockmusik zu bieten hat.

Von festlichem Jubel bis zu stiller Kontemplation

„Jauchzet, frohlocket“: Wenige vertonte Verse sind so sehr zum Allgemeingut klassischer Musik geworden wie die ersten Worte des Weihnachtsoratoriums des Thomaskantors. Das Werk umspannt die biblische Geschichte von der Geburt Christi bis hin zur Anbetung durch die Heiligen Drei Könige. Von festlich-prachtvollem Jubel bis zu stiller Kontemplation reicht das Ausdrucksspektrum. Ein Werk von ergreifender Schönheit, die noch unterstrichen wird durch die Lichtstimmungen in der Martin-Luther-Kirche.

Umrahmt von machtvollen Eingangs- und Schlusschören lässt Bach Maria und Josef, die Engel, Hirten und die drei Weisen aus dem Morgenland in Rezitativen, Arien und zärtlichen Wiegenliedern lebendig werden. Nicht zuletzt kommt in den berührenden Chorälen die staunende Menschheit zu Wort und macht die Zuhörer zu Teilhabenden am Wunder. Dabei ist Bachs Oratorium zusammengesetzt aus sechs Kantaten, von denen jede für einen Feiertag rund um Weihnachten gedacht war. Bach schrieb diese Kantaten Ende 1734. Besonders eng ist die Verbindung der ersten drei Kantaten, die die Akteure am Samstagabend zu Gehör brachten.

Weihnachtsoratorium in Lichtenfels von bewegender Schönheit
Weihnachtsoratorium Bilder 5 und 6Trompeter und Streicher der Vogtlandphilharmonie aus Greiz/Reichenbach verliehen dem K... Foto: Joachim Wegner

Der erste Teil „Jauchzet, frohlocket“ ist für den ersten Weihnachtstag bestimmt und handelt von der Geburt Christi. Die erste Kantate berichtet von Maria und Joseph, die nach Bethlehem zogen. In kraftvoll akzentuiertem Dreivierteltakt drückt Bach die höchste Freude aus. Nach einem brillantem Orchestervorspiel entwickelt sich aus dem Ruf „Jauchzet, frohlocket“ das Hauptthema. Während der Evangelist die Weihnachtserzählung beginnt, unterbricht ihn die Altstimme mit einem lyrischen Rezitativ, das die Erwartung des Heilands ausspricht.

Doch auf die Weihnachtsidylle fällt ein dunkler Schatten, denn das Kind in der Krippe ist zum Erlösertod bestimmt. Den Eintritt des Heilands in die Welt begrüßt kein glänzender Jubelchor. Die Vision des Stalles von Bethlehem wird vielmehr von einem schlichten und doch ungemein kunstvollen Musikstück von volkstümlichem Klang aufgefangen, das der ärmlichen Szenerie ebenso wie der Bedeutung des Geschehens entspricht. Zum Ende des ersten Teils zeugen festliche Trompetenklänge von der Majestät des Himmelskönigs.

Die zweite Kantate beschreibt die vom Glück der Verkündigung berauschten Engel und die gläubig und staunend emporschauenden Hirten auf dem Feld von Betlehem. Nachträglich kommentiert der Evangelist das Geschehen und erzählt vom Engel des Herrn, der in überirdischer Klarheit zu den Hirten tritt und seine Botschaft verkündet.

Weihnachtsoratorium in Lichtenfels von bewegender Schönheit
Weihnachtsoratorium Bilder 5 und 6Trompeter und Streicher der Vogtlandphilharmonie aus Greiz/Reichenbach verliehen dem K... Foto: Joachim Wegner

Der dritte Teil „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ gilt dem dritten Weihnachtstag, der zu Bachs Zeiten gefeiert wurde. Er beschließt die Erzählung von den Ereignissen der Weihnacht und handelt von der Anbetung durch die Hirten im Stall. An der Krippe wird ihnen der Sinn des Geschehens gedeutet, so dass sie das Wort verbreiten können, das ihnen gesagt wurde. So kehren die Hirten wieder heim und die Wiederholung des Eingangschores „Herrscher des Himmels“ schließt den dritten Teil ab.

Dank wochenlanger Proben gelang es den 35 ehrenamtlichen Sängern des Lorenz-Bach-Chores in überzeugender Weise, den Jubel der Huldigungskantaten dem Auditorium in der voll besetzten Martin-Luther-Kirche nahezubringen. Unterstützt von Kirchenmusikdirektor Michael Dorn aus Bayreuth an der Orgel und den Berufsmusikern der Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach mit ihrem Konzertmeister Stephan Freund führten auch die vier Solisten das Konzert zu einem Höhepunkt der Festzeit. Sopranistin Silke Herold-Mändl aus Fürth, Altistin Diana Schmid aus Wiesbaden, Tenor Christian Rathgeber aus Mainz und Bass Thomas Gropper aus München verliehen dem Weihnachtsoratorium mit ihren klaren Stimmen Brillanz.

„Das Weihnachtsoratorium ist nicht nur als Konzert, sondern auch als musikalischer Gottesdienst zu betrachten.“
Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin
Weihnachtsoratorium in Lichtenfels von bewegender Schönheit
Bass Thomas Gropper aus München (v. li.), Tenor Christian Rathgeber aus Mainz, Altistin Diana Schmid aus Wiesbaden und S... Foto: Joachim Wegner

So quittierte das begeisterte Publikum den Kunstgenuss mit Ovationen im Stehen. Als Zugaben boten die Akteure den Eingangschor und den Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“ aus dem sechsten Teil.

Den Dank der beeindruckten Zuhörer brachte Dekanin Stefanie Ott-Frühwald mit dem Hinweis, dass das Weihnachtsoratorium nicht nur als Konzert, sondern auch als musikalischer Gottesdienst zu betrachten sei, auf den Punkt.

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