LICHTENFELS

Besinnung: Gott sagt Ja zu uns Menschen, nicht zu den Taten

Besinnung: Gott sagt Ja zu uns Menschen, nicht zu den Taten
Weihnachten ist vorbei! Alle Jahre wieder mit mehr oder weniger Streit, mit mehr oder weniger kirchlichen Bezug. Vorbei ...

Weihnachten ist vorbei! Alle Jahre wieder mit mehr oder weniger Streit, mit mehr oder weniger kirchlichen Bezug. Vorbei ist vorbei. Wieder einmal haben wir es geschafft. Mancher ist noch beschäftigt, die Geschenke umzutauschen oder sie gleich aufzuräumen.

Schließlich widmet man sich nun dem Jahresabschluss. Es muss aufgeräumt werden, dass Platz ist für Neues. In meiner Kindheit blieb der Gabentisch dagegen immer noch länger stehen als üblich. Manchmal blieb er bis nach Lichtmess. Und ich handhabe es bis heute selber so. Ich finde es schade, wenn das, was andere für einen ausgesucht haben, was sie mir geschenkt haben, zu schnell in das Alltägliche wandert.

Mir macht es Spaß, Schrittweise die Dinge ins Alltägliche einzubeziehen, durchaus auch um an den Schenkenden zu denken. Alles schnell zu verräumen, bedeutet, das Gefühl des Beschenkt-Worden-Sein allzu rasch wegzuwischen. Das Gefühl, an Weihnachten reich beschenkt worden zu sein und daher auch eine freundliche Geste erhalten zu haben, trägt mich ins neue Jahr hinein. So können die Geschenke und Karten tatsächlich zu Weihnachtsgrüßen werden, und das Geschenk der Menschwerdung Gottes wird hineingetragen ins Neue Jahr.

Vier Wochen bereiten wir uns auf dieses Fest vor. Und ruckzuck soll es vorbei sein?!? Weihnachten zu beschränken auf die Feiertage, heißt Weihnachten als Tradition zu begehen und nicht das Ereignis zu bedenken, welches wir da eigentlich feiern und dessen Ausdruck auch unsere Geschenke sind. An Weihnachten feiern wir das Wunder der Menschwerdung Gottes. ER kam zu uns Menschen, weil ER uns annimmt in unserer Menschlichkeit. ER sagt an Weihnachten vorbehaltlos Ja zu uns Menschen – nicht zu unseren Taten. Deshalb schenken wir uns etwas. Deshalb machen wir uns gegenseitig eine Freude.

Die Geschenke als Ausdruck von diesem Ja Gottes zu genießen, statt sie einfach abzukassieren und ins Alltägliche einzuordnen, kann vorteilhaft sein. Aus der Dankbarkeit von Weihnachten zu leben, weil man die Liebe sieht, die darin liegt, das beflügelt im Miteinander. Es lässt mich anders mit Mitmenschen umgehen. Und vielleicht verändert es unsere Grundhaltung zum Leben in dieser Welt.

Als Christin weiß ich, dass Gott kein Weihnachten braucht. Wir Menschen brauchen es, um darauf hingewiesen zu werden, dass es mehr gibt in dieser Welt, als die Maßstäbe dieser Welt. Sich dies bewusst zu machen, kann dazu führen, dass das neue Jahr auch mit anderen Idealen beginnt und Weihnachten unser Leben tatsächlich verändert.

Anne Salzbrenner,

evangelische Pfarrerin,

Lichtenfels

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