Wie „Helfen macht Spaß“ eine große Sorge nimmt

LICHTENFELS

Wie „Helfen macht Spaß“ eine große Sorge nimmt

Es ist der Todestag von Victoria. Katharina Berg (alle Namen von der Redaktion geändert) atmet tief durch, als sie vor der Glasvitrine im Wohnzimmer steht. „Fünf Jahre ist es jetzt her, seitdem meine Enkelin gestorben ist. Für mich ist es, als wäre es gestern passiert. Manchmal kann ich es nicht glauben“, sagt die 63-Jährige. Dann öffnet sie die Glastüre und nimmt das Bild heraus.

Darauf lächelt Victoria als Teenager keck in die Kamera. Das Foto entstand, kurz bevor sich das Mädchen mit einem seltenen Virus infizierte. „Mein Gott, es ging alles so schnell“, sagt die Großmutter und stellt das Bild mit dem dicken silbernen Rahmen wieder vorsichtig zurück. Katharina Berg hat Tränen in den Augen, als sie zum Wohnzimmertisch zurückkehrt.

Dort hat sie für den Besuch ein wenig aufgetafelt. Süße Krapfen und Teigtaschen hat sie gebacken. Im schlicht eingerichteten Wohnzimmer duftet es über dem Laminatboden und der weißen Tischdecke auf dem Sofatisch hinweg nach frisch gebrühtem Kaffee.

Schwere Schicksalschläge in der Familie

Katharina Berg erzählt noch vom Tod ihres Schwiegersohns und wie tapfer ihre Tochter jetzt als alleinerzeihende Mutter kämpft. Nur ihre eigene Geschichte, die berichtet sie erst auf Nachfrage. Um es auf den Nenner zu bringen: Katharina Berg hat es in ihrem Leben nie einfach gehabt. Als Deutschstämmige schuftete sie in Kasachstan in einer Kolchose: zuerst als Melkerin, dann in der Großküche. Heirat mit 17 Jahren, bald darauf das erste Kind. „Es war schon eine harte Arbeit damals“, lacht die 63-Jährige leise. Dann kam der Zusammenbruch der Sowjetunion. Der bescheidene Lebensstandard sank für viele ins völlig Bodenlose.

Katharina Berg kommt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern als Spätaussiedlerin Ende 1998 in den Landkreis Lichtenfels. Das Ehepaar findet sofort Arbeit. Der Mann in einer Fabrik. Seine Frau geht Putzen, übernimmt zwei Schichten täglich. Drei Jahre später erkrankt sie an Krebs. „Der Tumor sitzt auf Gefäßen in der Leiste“, versucht Katharina Berg als Laiin zu erklären.

Damals kämpft sie sich tapfer durch Bestrahlung und Chemotherapien. Geht wieder putzen, sobald es die Kräfte zulassen. Doch Gehen und langes Stehen bereiten ihr seitdem Schmerzen.

Der Unterhalt des Autos war bald zu teuer

„Aber irgendwie haben wir es schon geschafft“, sagt die heute 63-Jährige. Mittlerweile ist ihr Mann in Rente. Doch, die fällt mager aus. „Er konnte leider nicht lange genug in Deutschland in die Rente einzahlen“, meint Katharina Berg. Ihr Auto konnten sie nicht mehr halten. Der Unterhalt ist für das Paar zu teuer. Dann gibt es einen neuen Befund. Die 63-Jährige ist jetzt auch noch an Brustkrebs erkrankt. 2019 bringt wieder eine Operation, wieder Chemos und Bestrahlungen. „Der liebe Gott weiß es, mir ging es wirklich schlecht. So richtig gesund bin ich leider immer noch nicht“, sagt die 63-Jährige.

Zur Behandlung musste Katharina Berg nach Erlangen an die Uni-Klinik. Weil kein Auto vorhanden ist, und die 63-Jährige nach den Chemos und Bestrahlungen zu schwach ist, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, zahlt die Krankenkasse Taxifahrten. Bis auf die letzte. „Da ging es zur Nachuntersuchung. Der Arzt stellte zwar einen entsprechenden Schein aus, aber die Krankenkasse zahlt nur Fahrten zu Behandlungen“, erklärt Angela Lohmüller, die als Sozialarbeiterin für die Soziale Beratungsstelle der Caritas arbeitet.

Kurz, Katharina Berg bekommt eine Rechnung vom Taxi-Unternehmer in Höhe von fast 350 Euro zugeschickt. „Ich wusste damals gar nicht, was ich machen sollte. Das ist sehr, sehr viel Geld für mich und meinen Mann. Ich war völlig verzweifelt“, berichtet die 63-Jährige. „Hätte ich gewusst, dass die letzte Fahrt nicht mehr gezahlt wird, hätte mein Sohn versuchen können, sich von der Arbeit frei zu nehmen. Oder ich hätte Freunde gefragt. Irgendwie hätte sich etwas gefunden. Zumindest hätten wir gewusst, was auf uns zukommt “, erklärt sie.

Die Taxikosten übernimmt „Helfen macht Spaß“

Angela Lohmüller stellt einen Antrag bei „Helfen macht Spaß“ zur Übernahme der Taxikosten. Der wird umgehend genehmigt. Katharina Berg fügt hinzu: „Sie können sich nicht vorstellen, wie wertvoll das für mich war. Der Krebs hat mir genug Sorgen bereitet. Das ich mir nicht auch noch den Kopf wegen des Gelds zerbrechen musste, das war ein riesiges Geschenk für mich. Danke allen, die es ermöglicht haben.“

Für Spenden

In Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden hilft „Helfen macht Spaß“ (HMS) Bedürftigen am Obermain. Eine fast 20-jährige Tradition hat der HMS-Weihnachtsaufruf. Wie gewohnt werden dabei die Namen der Spender und die Höhe der Spende (ab zehn Euro) genannt. Spender, die dies nicht wollen, bitten wir, auf dem Überweisungsträger neben dem Stichwort „Helfen macht Spaß“ zusätzlich „Anonym“ zu vermerken. Herzlichen Dank! Ein Überweisungsträger ist heute beigelegt. Spenden: Sparkasse Coburg-Lichtenfels, BRK-Kreisverband Lichtenfels, Stichwort „Helfen macht Spaß“, IBAN: DE 26783500000000038885.