Wort zur Besinnung: Keine Angst vor Weihnachten

Wort zur Besinnung: Keine Angst vor Weihnachten

Lass es ruhig angehn! Mach langsam! – Leichter gesagt als getan, sagst du? Ja, schon richtig: Du willst es doch bloß schön machen, für dich und die anderen. Du hast es ja damals auch schön gemacht bekommen.

Du erinnerst dich, spürst, fühlst: Den Geruch nach Glühwein, Lebkuchen, Plätzchen, den Kerzen, den Schein und Glanz der adventlichen Lichter. Den Geschmack von früher hast du noch bei dir. Den Weihnachtsmarkt im trauten orange-gelben Licht und immer war damals Schnee gelegen, sind dicke schöne weiße Flocken vom Himmel gefallen (sei barmherzig mit deiner Erinnerung und den wunderschönen inneren Winterbildern, die du Dir in Herz und Seele malst, auch wenn damals nicht viel mehr Schnee lag). Dieses Geheimnisvolle, dieses Überraschen, das geschmückte Zimmer, die Lieder. Du hast das kleine Kind noch in dir, das aufgeregt den Wunschzettel geschrieben und selbst was gemalt, gehäkelt oder gebastelt hat. Hast du damals nicht auch beim Krippenspiel mitgemacht, weißt du noch deine Rolle? Als Hirte hast du dein Kuscheltier an die Krippe gebracht. Oder warst du sogar Maria?

Wie auch immer. Du hast Druck, ein schönes Fest zu bereiten. Du bist es auch den anderen schuldig. Vielleicht, weil du es nicht schön hattest, es aber besser machen willst. Du willst deine Lieben verwöhnen, und damit im Nachhinein dir selber Genugtuung verschaffen. Warum auch immer – egal. Du hetzt, bist atemlos, ruhelos, hast Angst vor Weihnachten.

Und jetzt, ganz, ganz wichtig! Diese Angst lässt du jetzt los. Doch, wirklich, die Angst ums gelingende Fest schwindet, lässt dich los, denn Weihnachten kommt zu dir. Du musst es nicht machen, du brauchst es nur empfangen. Der Kern des Festes, die Mitte, der Sinn des Ganzen ist: Gott gibt der Welt, Gott schenkt Dir das Fest des Lebens. Das Kind in der Krippe ist Bild für die Liebe, die hinter und in aller Schöpfung steckt, auch hinter und in dir. Es nimmt dich an die Hand und führt dich durch das Leben.

Und zeigt dir, wie Liebe so unglaublich viel Wertvolles entdecken kann. In Dir, im anderen, überall auf der Welt, in der ganzen Schöpfung. Dein Leben ist wie das Kind in der Krippe voll Anfang, Zukunft, Freude, Glück, Lachen, inklusive aller Mühen. Es gilt: Auch du ein Kind Gottes.

Und wie das jetzt feiern? Ja – auch mit Geschenken, leckerem Essen und Trinken, mit leuchtendem Licht, vor allem mit Frieden. Man kann das vorbereiten, kann gemeinsam in der Familie die Gestaltung beraten und die Aufgaben verteilen, kann sich vielleicht mit Verwandten oder Freunden verabreden. Wichtig ist, dass du nicht meinst, du müsstest dich wieder abrackern, alles noch viel toller machen, origineller, teurer schenken, weil das schon immer so war. Wenn du es einfach wieder so machen willst wie voriges Jahr, dann tu es mit Freude, weil du es so willst und kannst.

Und ich bin mir sicher: keiner wird motzen, sondern dich aus weihnachtlich-dankbaren Augen anschauen.

Oder du machst es anders. Hör auf dein Inneres.

Hauptsache, du sitzt jetzt vor Weihnachten mit am Adventskranz, dann am Christbaum, an der Krippe und bist Teil weihnachtlicher Freude und Feierns. Jedenfalls bist du nicht der Zubringer und Dienstleister für weihnachtliche Liebe und Harmonie. Du bist zuallererst auch dafür zuständig, dass auch dir die Weihnachtsfreude blüht. Also fühl, was du willst. Und das tu. Und verwöhne dich und freu dich daran.

Matthias Hagen,

evangelischer Pfarrer

in Bad Staffelstein