SCHNEY

Erstmals Kunst in Schloss Schney: Claudia Scheler stellt aus

Erstmals Kunst in Schloss Schney: Claudia Scheler stellt aus
Claudia Scheler hat hier mit Acrylfarbe auf Leinwand den Augenblick festgehalten, in dem ein ein Frosch in einen Teich springt. Foto: Alfred Thieret

Die Franken-Akademie ist als politische Bildungsstätte seit vielen Jahren weithin bekannt. Aus ganz Deutschland kommen interessierte Menschen, um an den unterschiedlichsten Seminaren teilzunehmen. Eine Premiere gab es aber am Freitagabend mit der Vernissage zur Ausstellung „Miteinander reden“ der Schneyer Künstlerin Claudia Scheler. Nach den Vorstellungen des Akademie-Geschäftsführers Dr. Michael Lang und der Vorsitzenden der Franken-Akademie Schloss Schney, Susann Biedefeld, sollen in Zukunft unter diesem Motto in regelmäßigen Abständen Ausstellungen stattfinden.

Erstmals Kunst in Schloss Schney: Claudia Scheler stellt aus
Der Regensburger Philosoph Dr. Dr. Bernhard Heider (li.) führte in die Ausstellung ein. Foto: Alfred Thieret

Der Regensburger Philosoph Dr. Dr. Bernhard Heider, der in die Ausstellung einführte, ging unter anderem auf das Motto „Miteinander reden“ ein. Miteinander reden bedeute mit anderen Leuten reden, die unter Umständen auch ganz anderer Meinung sein können: „Wenn ich mit anderen rede, dann ist die Wirklichkeit nicht das, was ich sehe oder was er sieht, sondern das, was wir gemeinsam anschauen.“ Dieses Miteinander sei das Anliegen von Claudia Scheler. Es gehe ihr nicht nur darum, ihre Bilder zu zeigen, sondern auch darum, was vor den Bildern an Entstehung und Entwicklung liegt, aber auch um das Nachher, nämlich um das Ins-Gespräch-Kommen.

„Wenn ich mit anderen rede, dann ist die Wirklichkeit nicht das, was ich sehe oder was er sieht, sondern das, was wir gemeinsam anschauen.“
Dr. Dr. Bernhard Heider, Philosoph auf Regensburg

Die aus Essen stammende Claudia Scheler, die seit 2002 in Lichtenfels lebt und schon vielfach mit ihren Werken bei Ausstellungen vertreten war, konnte im Sängersaal im ersten Stock des Schlosses zahlreiche kunstinteressierte Bürger begrüßen. Die 28 ausgestellten Kunstwerke sind in den vergangenen 20 Jahren entstanden und entsprangen unterschiedlichen Malstilen.

Claudia Scheler eröffnete die Ausstellung mit dem Gedicht „Heimat“, das aus einem Moment entstand, als sie oben auf dem Staffelberg stand und von der Weite der Landschaft beeindruckt war. Ihre ersten Gedanken fasste sie entsprechend dem Motto „Miteinander reden“ so zusammen: „Ich wünschte, du könntest diesen Augenblick mit mir teilen, um die Heimat meiner Seele zu erfahren und den Ursprung des Seins in deinem Herzen zu spüren. Unser Spüren wäre eins.“

Claudia Schelers Lieblingsbild ist „Am Meer“

Das Bild „Am Meer“ wird von zwei Wellen geprägt. Während die eine gerade entsteht, bricht sich die andere am Strand. Foto: Alfred Thieret

Die Veränderlichkeit des Augenblicks hielt sie in drei Werken fest, bei denen sie Seidenpapier auf Acrylglas klebte, mit blauer Pigmentfarbe bearbeitete und das Glas von hinten beleuchtete. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsbild wählte Claudia Scheler das von der Dimensionierung her eher unscheinbare Bild „Am Meer“, das ganz von der Farbe Blau dominiert wird. Über dem tiefblauen Meer wölbt sich der etwas heller blaue Horizont. Zwei grün gefärbte Wellen wälzen sich auf den Betrachter zu. Während die eine gerade im Entstehen ist, bricht sich die andere am Ufer. In diesem Moment dazwischen könne man eins sein mit der Natur, könne man die Ruhe spüren, erklärte die Künstlerin.

Erstmals Kunst in Schloss Schney: Claudia Scheler stellt aus
Hier kommt die Dynamik eines während einer Regatta schnell durch das Wasser gleitenden Segelboots zum Ausdruck. Foto: Alfred Thieret

Die Dynamik eines während einer Regatta rasant durch das Wasser gleitenden Segelbootes macht ein anderes Bild deutlich. Dass sie gerne an der See ist, lässt auch das mit einer Mischtechnik in Form einer Collage entstandene Werk „Gesponnenes Gold“ vermuten, das gleichzeitig ihre Phantasie und ihren Ideenreichtum zeigt. Auf Rügen könne man nach einem Sturm Bernstein finden, erläuterte Claudia Scheler. Allerdings sei dieser meist goldgelb glänzende und aus fossilem Harz bestehende begehrte Schmuckstein oft in einem Geflecht von Seetang, Steinen, Sand, Holzstücken und Muscheln im Spülsaum am Strand versteckt. Diese Tatsache habe sie dazu animiert, dieses Gemisch zusammen mit Pigmentfarben auf einer Holzplanke aufzubringen.

Dynamik eines Froschsprungs und künstlerische Freiheit

Noch unter ihrem Geburtsnamen Riemenschneider (sie hat 2003 Günther Scheler aus Schney geheiratet) hat sie 1999 die Dynamik eines Augenblicks festgehalten, als ein Frosch voller Vitalität in ihren von Seerosen umrankten Gartenteich sprang. Da sie in ihrer künstlerischen Freiheit die Färbung der Amphibie etwas verändert hatte, erinnerte sie sich an eine Begebenheit aus ihrer Schulzeit. Während alle Schüler im Malunterricht einen Baum wie gewohnt mit einem braunen Stamm mit grünen Blättern malten, wie dies auch die Lehrerin erwartete, war ihr Baum ganz in Rot gehalten. Sie hatte dabei den Ahornbaum ihrer Großeltern mit seinen roten Blättern, der ihr im Sonnenlicht noch eindrucksvoller erschien, im Kopf. Die Lehrerin hatte dafür aber kein Verständnis und gab ihr für diese „Themaverfehlung“ eine schlechte Note.

Erstmals Kunst in Schloss Schney: Claudia Scheler stellt aus
Das Acrylbild zeigt den dynamischen Moment des Aufplatzens einer Blütenknospe. Foto: Alfred Thieret

Claudia Scheler möchte immer den kurzen Augenblick eines Geschehens einfangen, was ihr auch bei dem Bild „Flowerpower“ gelungen ist. Es zeigt den Moment des fast explosiven Aufspringens einer Blütenknospe.

Die Maltechnik berühmter Freskenkünstler angewandt

Eine ganz alte Maltechnik, wie sie vor Jahrhunderten von den berühmten Freskenkünstlern verwendet wurde, brachte sie bei dem Bildnis „Artischocke“ zur Anwendung. Dabei werden Farbpigmente in feuchten Sumpfkalk eingearbeitet.

Erstmals Kunst in Schloss Schney: Claudia Scheler stellt aus
Bei dem Werk „Artischocke“ verwendete Claudia Scheler die in der Freskenmalerei üblich gewesene Technik der Einarbeitung... Foto: Alfred Thieret

Zwei Sachen hat Claudia Scheler mit ihrer Ausstellung voll und ganz erreicht. Entsprechend dem Motto „Miteinander reden“ hat sie ausgiebig mit den interessierten Besuchern über die Aussagekraft ihrer Bilder diskutiert. Zum anderen will sie mit dem Erlös der Ausstellung durch Spenden oder Bilderverkauf den Hospizverein Lichtenfels unterstützen. So sollen schwerstkranke und sterbende Menschen mit Unterstützung der Hospizhelfer nach Möglichkeit bis an ihr Lebensende in einer angenehmen Atmosphäre zuhause bleiben können.

Die Ausstellung ist bis Mittwoch, 20. November, von 8 bis 16 Uhr zugänglich.

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