SCHNEY

Robert Hofmann GmbH: Millionen für mehr Möglichkeiten

Der Firmenkomplex von „Hofmann - Ihr Möglichmacher“ aus der Drohnenperspektive. Foto: Stephan Wilm

Der Komplex An der Zeil 6 ist ein Hochsicherheitstrakt des Handwerks. Hier entstehen Lösungen für Weltkonzerne, werden Ideen für Innovationen Wirklichkeit. Modellbau ist bei der Robert Hofmann GmbH die Wurzel, längst aber nicht mehr das alleinige Standbein. Immer stärker rückt der 3D-Druck in den Fokus. Eine Technologie, in der der Landkreis zu den Vorreitern gehört.

Oliver Hofmann, Geschäftsführer von „Hofmann – Ihr Möglichmacher“ Robert Hofmann GmbH. Foto: M. Drossel

„Es ist schon beeindruckend, welche Pflanze aus dem Ursamen gewachsen ist, den mein Großvater keimen ließ.“ Es ist fast schon poetisch, wie Oliver Hofmann, einer der Geschäftsführer und Sohn von Robert Hofmann, das – wenn man so will – Schneyer Wirtschaftswunder umschreibt. Siegfried Hofmann legte mit seinem Werkzeugbaubetrieb den Grundstein für zwei Großfirmen mit Millionenumsatz. „Ihr Möglichmacher“ und „Ihr Impulsgeber“ heißen sie heute, werden in dritter Generation geführt. Und möglich wird bei Robert Hofmann so einiges gemacht.

„Wir sind sehr breit aufgestellt, kommen ursprünglich aus dem Prototyping, entwickeln uns aber mehr und mehr zu Lieferanten für Vor- und Kleinserien“, umschreibt es Oliver Hofmann. Das „Who is who“ der Luft- und Raumfahrtindustrie, des Automobilbaus oder auch der Medizinbranche vertraut dem „Möglichmacher“ aus der Schney. Und seinen innovativen Lösungen.

Die Nutzfläche ist nun doppelt so groß

„Mittlerweile haben wir knapp 30 Jahre Erfahrung im Kunststoffdruck und ungefähr 20 Jahre im Bereich Metalldruck“, erklärt der 32-Jährige. „Es ist ein Bereich, den wir gut können und weiter ausbauen wollen.“ Der 3D-Druck steckt in etlichen Bereichen noch in den Startlöchern, Experten sagen der Technologie jedoch eine große Zukunft voraus. Das Potenzial scheint riesig, dank Vorteilen wie Gewichts- und Zeitersparnis. Beim „Möglichmacher“ hat die Geschäftsleitung längst auf dieses „Zugpferd“ aufgesattelt: Knapp 17 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren investiert. Das Firmenareal ist mal eben auf das Doppelte gewachsen. „Hatten wir einst 8000 Quadratmeter Nutzfläche, so sind es nun rund 16 000. Wir haben zwei neue Hallen geschaffen, inklusive der Logistik drumherum, und konnten so unsere Kapazitäten verdoppeln“, führt Oliver Hofmann aus. Einher gingen Sicherheits- und Sicherungsmaßnahmen. „Die Kunden fordern Geheimhaltung und Vertraulichkeit.“ Ein komplexes System schützt vor allzu neugierigen Blicken. Niemand sieht, was er nicht sehen darf.

Seit zweieinhalb Jahren eine Großbaustelle

Seit Mai 2017 wird An der Zeil 6 kontinuierlich gebaut. Oliver Hofmann ist froh, dass sich die Arbeiten nun dem Ende zuneigen. „Wir wollen heuer noch die Bauarbeiten abschließen“, sagt er. „Firmen im Landkreis investieren über 200 Millionen Euro in den 3D-Druck“, sagte Frank Herzog, der Mann von Oliver Hofmanns Cousine und Gründer von Concept Laser, vor einigen Wochen. Man schaffe ein Epizentrum des 3D-Drucks, auf das die Industrie dieser Welt schaue. Dem pflichtet Oliver Hofmann gerne bei. „Der 3D-Druck ist schon heute sehr wichtig für den Landkreis. Und der Bedarf ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren immens gestiegen.“ Als sein Vater Robert 1992 den ersten 3D-Drucker für das Unternehmen anschaffte, mag er noch belächelt worden sein. Der bayerische Innovationspreis im Jahr 1996 für den Einsatz zukunftsweisender Technologie ließ die Kritiker dann verstummen.

Blick in eine der Produktionshallen von „Hofmann - Ihr Möglichmacher“. Foto: red

Auch Oliver Hofmann möchte weiter innovative Wege gehen. „Unser Vorteil ist, dass wir breit aufgestellt sind“, stellt er heraus. Der Branchenmix, Standorte in Deutschland, China und Spanien sowie Kunden in rund 40 Ländern lassen so manche Schwankung in der Wirtschaftswelt ausgleichen. Die Krise in der Automobilindustrie aber zwang den „Möglichmacher“ mit seinen 300 Mitarbeitern Mitte des Jahres in Kurzarbeit. Diese Vereinbarung läuft bis März 2020 Eine Fortführung ist nicht geplant.

Mit dem Weltkonzern Siemens Healthineers arbeitet das familiengeführte Unternehmen aus Schney ebenso seit vielen Jahren intensiv zusammen wie mit dem Flugzeugbauer Airbus.

„Der 3D-Druck ist schon heute sehr wichtig für den Landkreis. Und der Bedarf ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren immens gestiegen.“
Oliver Hofmann, Geschäftsführer

Gerade in der Luft- und Raumfahrt bringt der 3D-Druck neue Möglichkeiten. Hier wird in kleineren Serien gefertigt, Bauteile müssen leicht, robust und nicht selten individuell sein. „Für große Produktionsserien, beispielsweise im Automobilsektor, ist der 3D-Druck oft noch zu unrentabel“, sagt Oliver Hofmann. Anders ist es bei exklusiven Sportwagen. Da kommen Bauteile gerne mal aus der Schney. Und dass medizinische Einlagen für Schuhe künftig aus dem 3D-Drucker kommen, ist längst keine Utopie mehr, sondern ein Plan, an dem man arbeitet. Zusammen mit dem „Möglichmacher“. Um gemeinsam stark zu sein, tauschen sich die Firmen Günther Hofmann, Robert Hofmann und Concept-Laser-Gründer Frank Herzog immer wieder aus. „Das Schöne ist, dass wir nicht konkurrieren, sondern uns ergänzen.“ Insgesamt sind bei genannten drei Firmen zirka 1100 Arbeitnehmer in Lohn und Brot. Alleine im Landkreis.

Schon heute für die Fachkräfte von morgen sorgen

Um bei den Fachkräften von morgen im Gespräch zu bleiben, tut die Geschäftsleitung um Robert und Oliver Hofmann viel. Nicht nur, dass sie der Berufschule Lichtenfels einen 3D-Drucker spendeten, um die Lehrlinge schon während der Ausbildung an die Technologie heranzuführen: Sie sind auch Unterstützer des „Formula Student Racing Teams“ der Hochschule Schweinfurt, das sie mit Wissen und 3D-gedruckten Teilen supporten. „Ich habe unter anderem in Schweinfurt studiert, deswegen liegt mir diese Hochschule am Herzen“, sagt Oliver Hofmann. Mit der Hochschule Coburg ist die Firma über das Forschungs- und Anwendungszentrum Fadz verbunden. „Eine gewinnbringende Idee für die Region, die hilft, eine hochkomplexe Technik nahezubringen und zu vertiefen. Wir unterstützen, wo wir nur können.“ Mit Druckern ebenso wie mit Bauteilen und Vorträgen.

„Wir werden helfen, den 3D-Druck langfristig am Markt zu etablieren. Ihm gehört die Zukunft.“ Für eben jene ist das Unternehmen bestens gerüstet. Der Nachbar – Concept Laser – zieht gerade nach Seubelsdorf, was dem „Möglichmacher“ Möglichkeiten eröffnet, bei Bedarf erneut zu erweitern. Und er erhält Gebäude zurück, die an den Anrainer vermietet waren.

Die Befürchtung, dass andere Firmen ihm den Rang ablaufen, hat der 32-Jährige nicht. „Wir verfügen über jahrzehntelanges Know-How, wir forschen und entwickeln weiter, wir tauschen uns in Netzwerken aus. Es mag sein, dass es Firmen gibt, die mit dem 3D-Druck liebäugeln, doch kann man das 3D-Drucken nicht bei YouTube lernen. Das Know-How ist das Entscheidende.“

 

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