LICHTENFELS

Concept Laser: Der „GE Additive Campus“ ist eröffnet

„Was für ein cooler Auftakt für das Korbmarktwochenende!“: Ein sichtlich gut gelaunter CEO eines Weltkonzerns blickt freudestrahlend in die Runde. Ja, es ist ein besonderer Tag für die Stadt, für den Landkreis, für Oberfranken. Wohl auch darüber hinaus. Jason Oliver, der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende von GE Additive, eröffnet gemeinsam mit Concept-Laser-Gründer Frank Herzog, und Wissenschaftsminister Bernd Sibler den „Campus“, ein 105-Millionen-Euro-Projekt. Bescheidenheit ist fehl am Platz: Von Seubelsdorf aus soll die Welt verändert werden.

40 000 Quadratmeter misst sie, die neue Heimat des Teams von „GE Additive Concept Laser“. Hier werden ab sofort 3D-Metalldruckmaschinen gefertigt, die in aller Herren Länder und in verschiedensten Branchen Verwendung finden. Additive Fertigung, sagt der Fachmann. „GE lebt die additive Ära, und die hat gerade erst begonnen“, betonte Firmenboss Jason Oliver. „Es ist eine wegweisende Technologie, die die Welt verändern wird.“

Maschinen aus Lichtenfels werden überall auf der Erde eingesetzt

Oliver nannte mehrere Beispiele, unter anderem die Luftfahrtbranche, in der schon heute viele Flugzeuge mit additiv gefertigten Teilen unterwegs seien, unter anderem Triebwerke. Das spare Gewicht und Kraftstoff, verkürze die Lieferketten und schone die Umwelt.

„Maschinen, die in Lichtenfels produziert werden, werden überall auf der Welt eingesetzt. Doch wird das Team auch zukünftig nicht nur produzieren, sondern weiter Innovationen vorantreiben und neue Maßstäbe setzen. Wir positionieren den Additive Campus als globales Zentrum in der globalen additiven Industrie.“

„Mit echter fränkischer Handwerkskunst hat es begonnen, daraus hat sich ein Global Player entwickelt“, sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler sichtlich stolz. „Und für die Familie Herzog war es sicherlich der Coup ihres Lebens. Lichtenfels ist weltklasse in 3D.“ Dinge, die vor 15 bis 20 Jahren von manchem noch als Spinnereien oder Science-Fiction abgetan wurde, weil es einfach nicht vorstellbar waren, seien heute die modernen Antworten auf hochaktuelle Fragen. Dass der „GE Additive Lichtenfels Campus“ ausgerechnet am Korbmarktwochenende eröffnet werde, habe eine besonders hohe Symbolkraft, so der Minister: Es zeige den Weg einer Region vom traditionellen Handwerk hin zu weltweit führenden Technologien auf.

Minister Sibler stellt Oberfranken hervorragendes Zeugnis aus

„Wir haben eine Super-Win-Win-Situation, wenn der Staat zum einen Impulse in der ländlichen Region setzt und dann auch noch die Unternehmen mit- und nachziehen“, betonte der Wissenschaftsminister. Es gelte, gemeinsam die „Hidden Champions“ zu entdecken.

Den Oberfranken an sich stellte der Niederbayer ein hervorragendes Zeugnis aus: Sie seien Menschen, die sehr flexibel seien und vor allem gerne die Ärmel hochkrempeln, um anzupacken. Und sie hätten viele kluge, kreative Köpfe. „Jeder Dritte in der Region arbeitet im verarbeitenden Gewerbe: Das ist ein Spitzenwert in Europa! Was die rauchenden Kamine in den 1960-er-Jahren waren, sind heute die rauchenden Köpfe, die sich um die Zukunft Gedanken machen.“ Als Geschenk gab es für den Vertreter der bayerischen Staatsregierung einen Bierkrug. Doch nicht irgendeinen, sondern ein Unikat: Der Humpen war im 3D-Metalldruckverfahren aus Titan gefertigt worden. Und den Boden ziert, wie sollte es anders sein, die Silhouette des „GE Additive Lichtenfels Campus“.

Schon als Student an der Technologie von Morgen getüftelt

„Was in den vergangenen Jahren geschehen ist, hätte sich niemand träumen lassen“, blickte Frank Herzog, der Gründer von Concept Laser, auf die Anfänge der Firma zurück. „In Lichtenfels wurde der 3D-Metalldruck aus der Taufe gehoben und hat sich von hier in der ganzen Welt verbreitet.“ Es waren seine heutige Frau Kerstin und er, die als Studenten daran tüftelten, mittels Festkörperlaser aus Metall Schicht für Schicht handfeste Bauteile zu drucken. Ihre Forscherarbeit war im Jahr 2000 von Erfolg gekrönt: Concept Laser wurde gegründet.

Natürlich hatten die Herzogs dabei Mitstreiter: Der Firmengründer dankte explizit dem Vertriebsspezialisten Oliver Edelmann sowie den Firmen Robert und Siegfried Hofmann, die das Potenzial der beiden Visionäre erkannten, ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen und ihnen mal eben 1,3 Millionen Euro Startkapital an die Hand gaben. „Das war eine Riesenchance und ein unglaubliches Vertrauen, was wir keinesfalls enttäuschen wollten.“ Ab 2010 ging Concept Laser regelrecht „durch die Decke“: Jährliche Wachstumsraten von 50 bis 100 Prozent waren die Folge. Und so suchte sich das Lichtenfelser High-Tech-Unternehmen mit General Electric einen starken Partner. Gemeinsam plante man den „GE Additive Campus“. Der wiederum wurde nur möglich, da Grundstückseigentümer sowie Stadtverwaltung, Stadtrat und Landkreis an einem Strang zogen.

Frank Herzog: für die additive Revolution begeistern lassen

„So entstand ein weltweites Zentrum für Entwicklung und Produktion von Maschinen für additives Metalldruckverfahren und damit ein Projekt mit großer Strahlkraft.“ Schon bald werden in den Campus rund 400 Mitarbeiter einziehen, die derzeit noch in 26 Gebäuden verstreut arbeiten. „Der GE Additive Campus“ wird nicht nur eine Begegnungsstätte für verschiedene Disziplinen, sondern möchte sich auch öffnen und auch alle einladen, sich für die additive Revolution begeistern zu lassen. Denn Innovationen sind und bleiben auch in Zukunft die Wachstumsmotoren der Gesellschaft.“

 

Standpunkt: 
Und schon wieder kommt Söder nicht

Hunderte Gäste wollten am Freitagmorgen mit Concept Laser und GE Additive feiern. Mehr als tausend, wenn man das Sommerfest mitrechnet, das sich an den offiziellen Festakt anschloss. Nur der eigentliche Ehrengast gab Lichtenfels ein weiteres Mal einen Korb: der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Erst wenige Stunden vor Beginn der Feierstunde hatte er absagen lassen. Der CSU-Chef habe nach Berlin gemusst, erfahren die Gäste. Unaufschiebbar, Teilnahme Pflicht. Doch wirklich „von jetzt auf gleich“? Nicht wenige Besucher des Großereignisses sind enttäuscht bis sauer, denn es ist nicht das erste Mal, dass Söder der Region die kalte Schulter zeigt. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr versetzte er als Schirmherr den Korbmarkt. Heuer war es der „Tag der Franken“ in Sonneberg, der auf ihn verzichten musste. Und vor drei Jahren die Teilnehmer der 60. Auflage der Soldatenwallfahrt nach Vierzehnheiligen. Jedes Mal wurde kurzfristig abgesagt. Da half es auch wenig, dass Wissenschaftsminister Sibler mit flapsigen Sätzen wie „Ich bin nicht Markus Söder, denn der ist deutlich größer“ ans Mikrofon trat. Kam das Thema bei den Gästen zur Sprache, gab es Achselzucken und geringschätzige Blicke. Der Beigeschmack der Absage war zweifelsohne einmal mehr ein überaus fader.   Markus Drossel

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