LICHTENFELS

Fortschritte bei der Sanierung von Regiomed

Der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed mit Sitz in Coburg baut an der Krappenrother Straße in Lichtenfels eine zentrale Großküche. Trotz Turbulenzen wegen der Finanzierung liegen die Arbeiten im Zeitplan, wie Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke erklärt. Foto: Markus Drossel

Das Sanierungsprogramm für die finanziell angeschlagene Regiomed-Kliniken GmbH greift. So werde es gelingen, das im Wirtschaftsplan für 2019 prognostizierte Defizit von 17,1 Millionen Euro auf voraussichtlich rund 13 Millionen zu deckeln, ist Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke zuversichtlich. Eine optimistische Bilanz der Konsolidierungsanstrengungen für den bayerisch-thüringischen Klinikverbund zog Schmidtke nach 100 Tagen im Amt am Montagabend.

„Regiomed hat keine medizinischen oder pflegerischen Probleme, sondern leidet an einer wirtschaftlichen Schieflage.“
Alexander Schmidtke, Hauptgeschäftsführer

Eine schwere Hypothek ist der Verlust aus dem Jahr 2018, den Schmidtke auf 25,1 Millionen Euro bezifferte. Aufgrund dieser Altlasten und künftiger Defizite habe der Verbund einen Finanzbedarf von rund 30 Millionen Euro.

Erste Erfolge des Konsolidierungsprogramms stellte die Regiomed-Führung vor (v. li.): Michael Jung (Geschäftsführer thür... Foto: Gerhard Herrmann

Angesichts positiver Signale der Gesellschafter und eines Gutachtens des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das Regiomed als zukunftsfähig ausweise, ist der Hauptgeschäftsführer zuversichtlich, dass es gelinge, in den nächsten zweieinhalb Jahren aus den roten Zahlen zu kommen.

„Es geht uns nicht um Rendite, sondern das Ziel ist die schwarze Null und ein Ertrag, der es uns erlaubt, für die Zukunft zu investieren“, betont er. Regiomed habe keine medizinischen oder pflegerischen Probleme, sondern leide an einer wirtschaftlichen Schieflage. Jede zweite deutsche Klinik habe 2018 Verluste verzeichnet (2017: 28 Prozent). Regiomed habe dank seiner vielfältigen Struktur – vom Klinikum über Rettungsdienst und Altenhilfe bis zur Medical School – gute Sanierungschancen.

Elf Maßnahmenpakete umfasse das Konsolidierungsprogramm, das Regiomed selbst erarbeitet hat. Einerseits gelte es die Erlöse zu sichern und zu steigern, neue medizinische Konzepte und Geschäftsfelder zu erschließen, andererseits Einsparungen vorzunehmen und den Personalstand zu überprüfen,. „Nur wenn wir die Trumpfkarte des Verbunds nutzen, können wir weiterhin die Versorgung sicherstellen und Spitzenmedizin anbieten“, sagt Schmidtke. Die Prozesse könnten so gestaltet werden, dass ein Patient, der in Lichtenfels in die Notaufnahme komme, vor Ort erstversorgt werde, um dann per Telemedizin die beste Behandlungsmöglichkeit im Verbund zu ermitteln.

Elf Kapitel umfasst das Konsolidierungsprogramm für Regiomed, wie Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke informierte. Foto: Gerhard Herrmann

Investiert werden solle in den Ausbau der Altersmedizin, um an allen Standorten geriatrische Angebote zu bieten. Sowohl zeitlich als auch finanziell im Plan sei der Bau der zentralen Großküche für den Verbund in Lichtenfels. Die Fertigstellung solle im zweiten Quartal 2020 erfolgen.

Einsparungsmöglichkeiten sieht Schmidtke in Synergieeffekten innerhalb des Verbunds durch Zentralisierung in Verwaltung und Lagerhaltung sowie die Digitalisierung. Schlanker müsse auch die Struktur werden durch einen einheitlichen Tarifvertrag und die Reduzierung der 17 Gesellschaften auf acht bis zehn.

Keine Kündigungen, aber Auflösung von Zeitverträgen und Versetzungen

Überprüft wird der Einsatz der rund 1500 Mitarbeiter (50 Prozent der Gesamtkosten). „Es sind keine Kündigungen in Sicht, aber wir überprüfen alles, was patientenfern ist, ob wir dabei nicht sparen können“, erklärt Personalchef Frank Wellmann.

Nach 100 Tagen im Amt informierte Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke (Mitte) zusammen mit Michael Musick ... Foto: Gerhard Herrmann

Ziel sei es, Mitarbeitern, die am bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr benötigt werden, eine andere Stelle im Verbund anzubieten. Befristete Stellen seien bereits gekündigt worden. Andererseits solle der medizinische und pflegerische Bereich deutlich gestärkt werden. So würden zurzeit 20 Pflegehelfer durch Weiterbildung qualifiziert.

„Ohne Veränderungen wird Regiomeld keine Zukunft haben“, meint Schmidtke. „Ziel ist eine schnelle Notfallversorgung und eine gute Basisversorgung in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten.“

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