LICHTENFELS

Förder-Papst Kai Schimmelfeder kommt nach Lichtenfels

Förder-Papst Kai Schimmelfeder kommt nach Lichtenfels
m Rahmen des Vortrages zeigt Kai Schimmelfeder Notwendigkeiten, Chancen und Möglichkeiten der Förderung auf und hilft, Fehler zu vermeiden. Foto: RED

Lichtenfels „Können Firmen nicht investieren, droht die Auflösung oder der Verkauf.“ Das findet Kai Schimmelfeder aus Hamburg. Nicht immer sind Investitionen allerdings ohne Unterstützung in Form von Förderkrediten oder Zuschüssen möglich. Als führender Experte auf dem Gebiet der Unternehmensförderung zeigt Kai Schimmelfeder am Mittwoch, 9. Oktober, 19 Uhr, in der Neuen Filmbühne im Rahmen einer Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren Lichtenfels – unterstützt vom Obermain-Tagblatt, den Wirtschaftsjunioren Oberfranken und dem Landkreis Lichtenfels – den Unternehmen in der Region die Wege auf, um fit für die Zukunft zu sein.

Der Eintritt ist frei. Reservierung unter www.wj-lichtenfels.de möglich. Im Interview erläutert er die Bedeutung von Förderungen und seine Vorgehensweise.

Obermain-Tagblatt: Sie haben in den letzten 23 Jahren 10 000 Firmen zu Fördermitteln beraten, gelten als der Förder-Papst in Deutschland. Wie haben Sie das geschafft?

Kai Schimmelfeder: Mein erstes Unternehmen habe ich 1995 mit Hilfe von Förderprogrammen gekauft. Danach habe ich 1996 mit den ersten Fördermittelberatungen gestartet. Ich hatte eine Halbtagsangestellte und habe jeden Tag der Woche Projekte bearbeitet. Nach und nach habe ich dann zusätzliche Berater eingestellt, die Projekte wurden größer, und wir konnten immer mehr Unternehmen zum Thema Fördermittel beraten. Über die Jahre haben inzwischen 24 Mitarbeiter über 10 000 (Stand August 2018) Projekte begleitet. Ich habe mein Wissen in zahlreichen Büchern und Aufsätzen niedergeschrieben.

Woraus schöpfen Sie Ihr Know How?

Schimmelfeder: Erfahrung ist sicherlich ein wichtiger Baustein. Wir haben über die Jahre eine Datenbank mit weit über 5000 Förderprogrammen aufgebaut, die wir laufend aktualisieren – übrigens die größte Datenbank zu diesem Thema in Deutschland.

Förder-Papst Kai Schimmelfeder kommt nach Lichtenfels
Kai Schimmelfeder gilt als der Förderpapst. Foto: RED

Darüber hinaus bin ich unter anderem als Gutachter für Fördermittel tätig, schreibe regelmäßig Bücher zu diesem Thema und entscheide unter anderem im Rahmen der EU über die Vergabe von Fördermitteln. Wer so nah am Geschehen ist, weiß, worum es beim Thema Förderung geht und welche Möglichkeiten es gibt.

Warum ist es für kleine und mittlere Unternehmen schwieriger, an Fördermittel zu gelangen?

Schimmelfeder: Bei kleinen und mittleren Unternehmen ist grundsätzlich das operative Geschäft ein Hinderungsgrund. Dieses steht im Mittelpunkt und bindet meist die kompletten Kapazitäten eines Unternehmens. Darüber hinaus sind für die meisten Unternehmen Investitionen mit Förderprogrammen ein unbekanntes Gebiet. Unternehmer kennen sich nicht richtig aus, sehen das Thema Fördermittel als zu bürokratisch und zeitaufwändig an – quasi ein unbekanntes Terrain, das man nicht gerne betritt.

Wie sieht Ihre Leistung in diesem Zusammenhang aus?

Schimmelfeder: Wir sehen uns als Projektbegleiter auf Zeit und als Lotse durch den Förderdschungel, wenn sie es so formulieren wollen. Wir zeigen den Unternehmen nicht nur die passenden Förderwege und -mittel auf, sondern erledigen auch in deren Auftrag die bürokratischen Anforderungen. Denn eines muss klar sein: Es kommt nicht nur auf die Auswahl der passenden Fördermittel und eines möglichst effizienten Förder-Mixes an, sondern auch die Beantragung muss qualitativ auf hohem Niveau erfolgen. Nur dann ist der Erfolg der gesamten Fördermaßnahme gewährleistet.

Gibt es für jede Firma und jedes Investitionsvorhaben ein passendes Fördermittelprogramm?

Schimmelfeder: Die Förderfähigkeit von Investitionen hängt von den geplanten Investitionen selbst ab. Es gibt Förderungen für Investitionen, für den Unternehmenskauf, für Projektentwicklungen und Innovationen, für Startups oder auch klassische Gründungen, für Umwelt- und Energieinvestitionen von Unternehmen, für Maschineninvestitionen, für die Änderung von Nutzungskonzepten oder auch bei speziellen Brancheninvestitionen. Wir analysieren die jeweilige Situation sehr genau und fertigen für jeden Kunden ein maßgeschneidertes und passendes Fördermittelpaket. In der Regel finden wir auch etwas Passendes.

Gibt es auch Fälle, in denen Sie einem Unternehmer nicht helfen können?

Schimmelfeder: Gründe, dass wir Projekte nicht begleiten, liegen oftmals im sogenannten Maßnahmenbeginn. Das bedeutet, dass ein Unternehmen schon mit den Projektinvestitionen begonnen hat und vergaß, einen Förderantrag voher – also vor Beginn der Investitionen – zu stellen. Rückwärtsförderung gibt es grundsätzlich nicht. Die Förderstellen prüfen diese Angaben, und der Antragssteller muss wahrheitsgemäße Angaben machen. Das Unternehmen verpasst bei verspäteter Antragsstellung die möglichen Förderprogramme und erleidet einen wirtschaftlichen Nachteil. Umso wichtiger ist es für die Unternehmen, sich möglichst frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen und mit uns in Kontakt zu kommen. Allerdings unterstützen wir Unternehmen nur bei Maßnahmen ab einem Investitionsvolumen von 250 000 Euro.

Sowohl auf nationaler Ebene als auch im Rahmen der EU steht für die Förderung von Investitionen viel Geld zur Verfügung. Über welche Summen sprechen wir eigentlich?

Schimmelfeder: Da steht wirklich richtig viel Geld zur Verfügung. Wir sprechen EU-weit von einem Fördervolumen von zwei Billionen Euro bis 2021. Dieses Geld wird über eine Vielzahl von Fördertöpfen ausgeschüttet – und unsere Aufgabe ist es, für die Unternehmen die richtigen Töpfe zu finden. Leider ist es auch so, dass viele der zur Verfügung stehenden Mittel nicht abgerufen werden – vor allem aus Unwissenheit der eigentlich Förderberechtigten. Das Geld ist aber vorhanden und muss nur qualifiziert beantragt werden. Dabei unterstützen wir die Unternehmen gerne.

Förder-Papst Kai Schimmelfeder kommt nach Lichtenfels
Kai Schimmelfeder gilt als der Förderpapst. Foto: RED

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