MARKTZEULN

Glaubensflüchtling gestaltet Zeulner Prachtstück

Ein Schmuckstück: Innenansicht des umfangreich sanierten Rathauses in Marktzeuln. Foto: Architekturbüro Grimme

Nach mehrjährigen Sanierungsarbeiten tagte der Gemeinderat von Marktzeuln am 6. August erstmals wieder im historischen Sitzungssaal des alten Rathauses. An diesem Sonntag, 8. September, steht das Gebäude im Mittelpunkt des „Tags des offenen Denkmals“ im Landkreis. Es findet hier ab 11 Uhr die zentrale Veranstaltung statt. Der Umzug der Gemeinde-Verwaltung aus dem derzeitigen Provisorium ist nach Informationen unserer Zeitung für Ende Oktober geplant.

Alle diese Termine geben Veranlassung, auf einen der Bauhandwerker an dem historischen Gebäude von 1690 hinzuweisen, von dem bisher lediglich der Name bekannt ist. Es handelt sich um den böhmischen Exulanten Hans Müllhannß (oder Mühlhans), Zimmermeister aus Leitmeritz, der als Glaubensflüchtling nach Herreth gekommen war und 1664 in Schney einheiratete.

Wie nach dem Zweiten Weltkrieg manche Leitmeritzer Familie infolge der Vertreibung der Sudetendeutschen an den Obermain gelangte, so war es auch nach dem Dreißigjährigen Krieg. Damals mussten laut kaiserlicher Verordnung alle Protestanten in Böhmen katholisch werden oder das Land verlassen. Aufnahme fanden die Glaubensflüchtlinge in Oberfranken im Gebiet der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach und in den kleinen reichsritterschaftlichen Domänen. So hat Professor Dr. Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger von Oberfranken, in den Kirchenbüchern des schaumbergischen Dorfes Schney (heute ein Stadtteil von Lichtenfels) unter den Neuankömmlingen jener Zeit auch zwei Glaubensflüchtlinge aus dem nordböhmischen Leitmeritz gefunden. Am 21. Juni 1664 verehelichte sich in Schney Hans Müllhannß, Sohn des Michael Müllhannß, aus Leitmeritz „zimmergesell und izo noch dinstknecht zu Herreth“, mit Anna, Witwe des Fritz Förtsch, Kleinbüttner in Schney. Weshalb Müllhannß gerade nach Herreth gekommen ist, erklärt vielleicht der Umstand, dass dieses reichsritterschaftliche Dorf unmittelbar an einer sogenannten Altstraße liegt – der frühmittelalterlichen Fernverbindung von Prag nach Frankfurt am Main.

Hans Müllhannß tritt in den späteren Jahren als ganz hervorragender Handwerker in Erscheinung. 1690 ist er als Zimmermeister ganz wesentlich am Bau des schönen Fachwerk-Rathauses in Marktzeuln beteiligt und ebenso an der herrlichen Fachwerk-Konstruktion des vom damaligen Zeulner Bürgermeister Joachim Stirner 1697 erbauten Wohn- und Geschäftshauses Nr. 137. Sicherlich hat Müllhannß auch noch in anderen fränkischen Orten Spuren seines kunsthandwerklichen Schaffens hinterlassen, doch ist seine Biografie noch in keinem einschlägigen Lexikon verzeichnet.

Der Name Mühlhans hat sich in Verbindung mit dem Zimmermannshandwerk indes noch recht lange am Obermain erhalten. So lebte 1890 in Burgkunstadt ein Zimmermeister Andreas Mühlhans, der am 16. Oktober 1890 den Dachstuhl des neu erbauten Langhauses der Weismainer Pfarrkirche aufgerichtet hat und Treppen mit Geländer zur Empore dieses Gotteshauses anfertigte.

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