LICHTENFELS

OT-Gespräch mit IHK-Vertretern: Brexit macht unsicher

OT-Gespräch mit IHK-Vertretern: Brexit macht unsicher
Gabriele Hohenner, die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Oberfranken, und IHK-Vizepräsident Wilhelm Wasikowski sprachen mit den Redakteuren des Obermain-Tagblatts über die derzeitige Situation der Unternehmen im Landkreis. Foto: Markus Drossel

Brexit, zunehmender Aufbau von Handelsschranken, Fachkräftemangel und oft fehlende Absprache mit Kommunen und Behörden – die Themen, die Oberfrankens IHK-Vizepräsident Wilhelm Wasikowski und die Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner beim Gespräch mit Redakteuren des Obermain-Tagblattes behandelten, zeigten einen kritischen Blick der heimischen Wirtschaft auf die nächsten Jahre.

Die Wirtschaft im Landkreis Lichtenfels als ein Zentrum der Automobilzulieferer und exportorientierten Firmen habe natürlich Sorgen und seine Erwartungen gedrosselt, so die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer, Gabriele Hohenner. Grund dafür sind unter anderem der angestrebte Austritt der Briten aus der Europäischen Union, die protektionistische Handelspolitik der USA, der Dieselskandal und der politisch forcierte Umbau zur Elektromobilität.

Für zwölf Prozent der Lichtenfelser IHK-Mitglieder ist die Lage schlecht

So sei der Konjunkturklimaindex im Landkreis um neun auf 105 Punkte gesunken und liege damit beispielsweise unter dem des Nachbarlandkreises und Lebensmittelstandortes Kulmbach. „41 Prozent unserer Lichtenfelser Mitglieder sind zufrieden, 47 Prozent halten die Situation für befriedigend, und zwölf Prozent sehen die Lage schlecht“, berichtete Gabriele Hohenner und betonte, dass bei der IHK immer die Alarmglocken klingelten, wenn bei über zehn Prozent der Befragten die Aussicht schlecht sei.

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Gabriele Hohenner, die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Oberfranken, und IHK-Vizepräsident Wilhel... Foto: Markus Drossel

Nichtsdestotrotz sind ihrer Aussage nach die Unternehmen weiterhin bereit, in ihren Standort zu investieren.

Wilhelm Wasikowski thematisierte eine weitere Sorge der heimischen Unternehmen, den Fachkräftemangel. Viele Firmen würden händeringend nach gut- und hochqualifizierten Mitarbeitern suchen, könnten aber die freien Stellen nicht besetzen. Er und Gabriele Hohenner betonten, dass die IHK hoffe, dass Arbeitssuchende flexibel und mobil auf Jobangebote reagieren.

Unternehmen bei Infrastrukturprojekten einbeziehen

Lob gab es von Wasikowski für den Anschluss des Landkreises an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Allerdings bemängelte er die oft fehlende Kommunikation mit Behörden und der Politik. Als Beispiel dafür nannte er die Sperrung der Bundesstraße 173 zwischen Lichtenfels und Michelau im Juni und die seiner Meinung nach schlechte Lösung der Umleitungen.

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IHK-Vizepräsident Wilhelm Wasikowski. Foto: Markus Drossel

Er regte an, die heimischen Unternehmen im Vorfeld solcher Infrastrukturprojekte einzubeziehen und auch deren Standpunkt in den Planungen zu berücksichtigen. Wilhelm Wasikowski: „Wir stehen gerne den Städten und Kommunen, der Politik und den Behörden beratend zur Seite, um den Wirtschaftsstandort zu sichern und zu stärker.“ Hier gebe es Verbesserungspotenzial.

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Gabriele Hohenner, die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Oberfranken. Foto: Markus Drossel

Hauptgeschäftsführerin Hohenner sagte die Unterstützung der IHK für Schüler und Lehrer bei der Berufsorientierung zu. Hier sei noch viel Verbesserungspotenzial. Sie plädierte für eine frühe Bindung von örtlichen Unternehmen an die jeweiligen Schulen und versprach Hilfe der IHK bei der Ausarbeitung von Digitalplänen an Schulen.

Alle Regionen im Gremium vertreten

Beide Vertreter erläuterten auch den Wandel innerhalb der oberfränkischen IHK. Hier ist für die Hauptgeschäftsführerin wichtig, dass jede Region und jeder Landkreis im Bezirk im Präsidium vertreten sind. Schließlich setze die Wirtschaft im Landkreis Hof andere Schwerpunkte als im Landkreis Coburg, und selbst in den benachbarten Kreisen Lichtenfels und Kulmbach würden verschiedene Branchen ihre Heimat besitzen. „Wir brauchen einen Interessenausgleich bei der jeweiligen regionalen Sicht der Dinge“, betonte Gabriele Hohenner.

 

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