LICHTENFELS

So ist es richtig: Wanderhühner und das Gelbe vom Ei

So ist es richtig: Wanderhühner und das Gelbe vom Ei
Die beiden Hühnermobile von Eggs-klusiv stehen zwischen Michelau und Schney und bieten den Hühnern ausreichend Bewegung, frische Luft und Grünfutter. Foto: Marion Nikol

Es lässt sich kochen, braten und pochieren. Es steckt in Kuchen, Nudeln und in der Schnitzelpanade. So vielfältig wie das Ei ist kaum ein Lebensmittel, und wird deshalb von den Deutschen überaus gern gegessen. Der Pro-Kopf-Konsum liegt hierzulande bei über 230 Eiern pro Jahr. Gerade in der Osterzeit haben die kleinen Kraftpakete Hochsaison und landen noch häufiger als sonst auf dem Teller.

Sicherlich stellt sich nicht jeder die Frage, woher genau das Ei stammt, wie das Huhn gelebt und welches Futter es bekommen hat. Was aber wäre, wenn es diese Möglichkeit leicht gäbe? Wenn man die Eier direkt vom Erzeuger erwerben und mit eigenen Augen sehen kann, wo eines unserer beliebtesten Nahrungsmittel eigentlich herkommt? Das ist keine Zukunftsvision, sondern am Obermain bereits seit einigen Jahren Realität – und liegt zunehmend im Trend.

Die „Wiederentdeckung“ der Direktvermarkter könnte womöglich eine Antwort darauf sein, wohin sich unsere Ernährungsgewohnheiten entwickeln und wie wir es schaffen, in unserer Heimat wieder bewusster zu konsumieren.

Täglich nestfrische Eier

Es schwingt durchaus etwas Idyllisches mit, an diesem sonnigen, aber noch recht kühlen Frühlingsvormittag im April, auf einer großen Wiese zwischen Michelau und Schney: Zahlreiche weiße und braune Hühner lassen es sich auf dem großen, eingezäunten Areal gut gehen. Sie scharren, picken und wälzen sich in kleinen Sandlöchern. Simon Holl, Juniorchef von „Eggs-klusiv“, hat seine Tiere soeben mit Wasser und Futter versorgt und macht sich nun an die Ausbeute: Wenige Meter weiter stehen zwei sogenannte „Hühnermobile“, die den Hennen als Offenstall dienen und im hinteren Teil per Klappe Zugriff auf den Legebereich bieten, wo die nestfrischen Eier entnommen werden.

Verkauft werden diese dann 300 Meter weiter über einen kleinen Hofladen, der als Automat konzipiert ist und rund um die Uhr zur Verfügung steht. „Wir bieten unsere Eier seit zweieinhalb Jahren auf diesem Weg an und können uns über eine stets hohe Nachfrage freuen“, erläutert Simon Holl. Er merkt, dass Regionalität wieder im Trend ist und vor allem die Direktvermarktung großen Anklang findet.

Zu den Kunden zählen vor allem Familien mit Kindern. Grundsätzlich sei das Publikum am Verkaufsautomaten aber sehr gemischt, da sich der Einkauf im Hofladen durch die Lage im Michelauer Gewerbegebiet mit den üblichen Besorgungen bei nahegelegenen Supermärkten verbinden lässt. Auch für die Arbeitnehmer der dort ansässigen Firmen ist der Standort in der Siemensstraße sehr praktisch. „Über regionale Netzwerkpartner bieten wir neben Eiern unter anderem auch Käse und Wurstwaren an. An den Wochenenden haben wir manchmal sogar jugendliche Nachtschwärmer dabei, die nach einem Discobesuch noch Lust auf Bratwürste haben“, verrät der Jungunternehmer mit einem Augenzwinkern.

Von der Nähe zu den Supermärkten profitiert auch die Familie Teuchgräber aus Bad Staffelstein. Als Inhaber der „Bad Staffelsteiner Wanderhühner“ haben Katharina und Franz-Josef Teuchgräber die Direktvermarktung als festes Standbein in ihren landwirtschaftlichen Betrieb integriert, der zentral in der Bischof-von-Dinkel-Straße liegt. Dort werden seit über drei Jahren frische Eier, Nudeln, hausgemachte Fruchtaufstriche sowie Kartoffeln aus eigenem Anbau über einen rund um die Uhr geöffneten Verkaufsautomaten vor Ort angeboten. Auch die Hühner der Teuchgräbers genießen täglich die frische Luft und sind aufgrund der „mobilen“ Stallhaltung kerngesund.

Wie Katharina Teuchgräber erklärt, „fährt der Stall auf Rädern der Schlammbildung und Parasitenanreicherung einfach davon. Wir ziehen das Hühnermobil alle ein bis zwei Wochen auf der Weide um, so dass den Hühnern immer saftiges Grün zur Verfügung steht. Durch die hohe Grünfutteraufnahme und das Leben im Freien bleiben die Hühner gesund und legen besonders leckere Eier.“

Es geht um mehr als Eier

So ist es richtig: Wanderhühner und das Gelbe vom Ei
Claudia Leuthäußer im Verkaufshäuschen der „Bad Staffelsteiner Wanderhühner“.

Wenn am heutigen Ostersamstag die Fastenzeit endet, beginnt vielerorts das wohlverdiente Schlemmen. Dabei landen neben Eiern noch unzählige weitere Lebensmittel auf den Tellern, die nicht nur konventionell im Supermarkt, sondern eben auch direkt ab Hof in der Region erworben werden können. Dazu zählen Obst und Gemüse genauso wie Fleisch, Fisch, Milch und daraus hergestellte Produkte wie Käse, Wurst und Aufstriche. Wer wissen will, wo welche Nahrungsmittel erhältlich sind, findet im Internet mit wenigen Klicks entsprechende Übersichten, herausgegeben beispielsweise vom Tourismusverein Obermain-Jura. Einen weiteren Überblick gibt die Broschüre „Direktvermarkter am Obermain“, die vom gleichnamigen Verein herausgegeben und über die beteiligten Betriebe verteilt wird. Laut Hans-Werner Schuster, 1. Vorsitzenden des Vereins, gewinnt die Direktvermarktung aktuell wieder an Bedeutung. Wie er uns erläutert, „gab es bei dieser Entwicklung über die Jahre gesehen immer wieder ein auf und ab“.

Wie eine Studie der AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH) zeigt, tritt jedoch der Lebensmitteleinzelhandel verstärkt in Konkurrenz zu den Direktvermarktern, da regionale Produkte nicht mehr ausschließlich beim Erzeuger, sondern mittlerweile auch bei den Discountern und Food-Vollsortimentern wie Edeka und Rewe erhältlich sind.

Die Kaufentscheidung liegt also beim Verbraucher selbst. Schon längst sind wir es gewohnt, sämtliche Nahrungsmittel in einem Aufwasch bei unserem Supermarkt der Wahl zu kaufen. Dies mag praktisch und bequem sein, bietet aber nicht die Möglichkeit, die Herkunft der Erzeugnisse tatsächlich zu „erleben“. Darüber hinaus kann man sich auch nicht beim Erzeuger persönlich erkundigen, unter welchen Bedingungen das Gemüse angebaut wurde oder wie die Kuh gehalten wird, die die Milch im Müsli beschert.

Nahrung wieder Wertschätzen

Dass viele Verbraucher vom Einkaufserlebnis „am Hof“ und den Produkten begeistert sind, verdeutlichen die positiven Kommentare in den sozialen Medien, beispielsweise auf der Facebook-Seite der Milchtankstelle in Hochstadt. So lässt ein Nutzer verlauten: „Immer frische Milch […] - einfach spitze! Herr Schnapp, der Betreiber, ist ein Netter - wir treffen uns fast immer früh, wenn ich meine Milch hole […] Da fährt man gern ein paar Kilometer!“. Eine weitere Kundin berichtet, dass sie fast jeden Tag mit ihren Kindern hinläuft, da die Milch einfach super schmeckt und man weiß, dass das Geld beim Bauern ankommt.

In Zeiten von Allergien, Diabetes und Reizdarm hat das Thema Ernährung im öffentlichen Diskurs dauerhaft Brisanz. Studien hierzu gibt es zuhauf. Worum es aber im Grunde geht, sind die wertvollen Inhaltsstoffe und der Geschmack der Lebensmittel. Denn beides hat unumstritten Einfluss auf die Gesundheit und den Genuss. So ist bei den Gesprächen mit den Direktvermarktern in der Lichtenfelser Region auch zur Sprache gekommen, dass wir als Verbraucher womöglich schon so sehr an einen „Einheitsbrei“ gewöhnt sind, dass wir mit der Zeit verlernt haben, wie ein Ei, eine Gurke oder auch ein Stück Fleisch wirklich schmeckt.

Den „echten“ Geschmack entdecken

Mit kleinen Änderungen bei den Einkaufsgewohnheiten kann es uns am Obermain tatsächlich gelingen, den „echten“ Geschmack wieder zu entdecken – zum Beispiel, indem wir zwischendurch einfach mal unsere Lebensmittel dort kaufen, wo sie auch wirklich entstehen.

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