LICHTENFELS

Katharinenkapelle erhitzt Gemüter des Stadtrats

Der Umbau des ältesten sakralen Gebäudes im Landkreis, der Katharinenkapelle in Klosterlangheim, sorgte in der Stadtratssitzung am Montagabend für eine rege Diskussion. Foto: Steffen Huber

Eigentlich hätten die Stadträte am Montag über Sanierung und Umbau von Heimatmuseum und Katharinenkapelle in Klosterlangheim entscheiden müssen. Doch wegen Informations- und vor allem Diskussionsbedarf wurde die Tagesordnung geändert, um das Gremium über den Entwurf des Projekts und dessen Kosten aufzuklären.

Letztere betragen laut Stadtkämmerer Dominik Först 2,7 Millionen Euro, wovon die reinen Baukosten mit 1,7 Millionen Euro den Löwenanteil ausmachen. Eine Million Euro koste der Innenausbau. Die 1,7 Millionen Euro Baukosten werden mit 760 000 Euro vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) gefördert, sodass die Stadt eine Million selbst zahlen muss. Für die Innenausbaukosten in gleicher Höhe wolle man sich um weitere Zuschüsse, beispielsweise von der Oberfrankenstiftung, bemühen, so der Stadtkämmerer. Först wies auch auf den von Eler vorgegebenen „sportlichen Zeitplan“ der Sanierung hin, die bis 2021 abgeschlossen sein muss.

Während Stadtarchivarin Christine Wittenbauer die Geschichte des Heimatmuseums und die europaweite Bedeutung der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbauten Katharinenkapelle vorstellte, ging Stadtbaumeister Gerhard Püls auf die geplanten Arbeiten ein. So ist fürs durch das Grundwasser geschädigte Museum nicht nur dessen Sanierung notwendig. Geplant sind auch ein Anbau mit Aufzug und einem Raum mit digitalen Medien. Die Kapelle soll zurückgebaut werden, außerdem ist ein Anbau vorgesehen.

Kritik gab es von den Stadträten zum einen an der Eler-Förderung. Diese schließt laut Aussage von Erstem Bürgermeister Andreas Hügerich weitere Zuschüsse zu den Baukosten aus. Bernhard Christoph (Grüne) schimpfte: „Der enge Zeitplan ist unter aller Kanone. Wenn wir etwas Gescheites schaffen wollen, dann brauchen wir Zeit.“ Der Stadtrat mahnte eine Gesamtbetrachtung für Klosterlangheim an, in welche neben der Sanierung von Museum und Kapelle auch die Erneuerung von Straße und Kanälen einfließen müsse.

Kämmerer Först räumte ein, dass wegen sachlichen Gründen eine Fristverlängerung bei Eler möglich sei und nannte die Aussichten dafür gut. Und Stadtbaumeister Pülz antwortete, dass es durchaus eine Gesamtbetrachtung aller Arbeiten im Ortsteil gebe, allerdings fehle noch eine Stellungnahme über den Zustand der Kanäle. Im Übrigen sei geplant, die Abt-Mösinger-Straße und die Kapelle 2020 zu sanieren, derweil die Erneuerung der Staatsstraße 2021 erfolgen solle.

„Wenn die Kapelle so wichtig ist, wie die Stadtarchivarin sagt, verstehe ich nicht, wieso es nur so eine miese Förderung gibt.“
Robert Gack, CSU-Stadtrat

„Deftige Kopfschmerzen“ angesichts der Kosten bekam Robert Gack. Bisher gebe es zu den 2,7 Millionen Euro Gesamtausgaben gerade einmal 670 000 Euro Zuschuss. Übrig bleibe ein Eigenanteil, von dem er wisse, dass er bei Stadtratskollegen Kopfschmerzen auslöse. „Wenn die Kapelle so wichtig ist, wie die Stadtarchivarin sagt, verstehe ich nicht, wieso es nur so eine miese Förderung gibt“, monierte Gack. Außerdem kämen auf die Stadt in den nächsten Jahren Kosten für Kinderbetreuung, eine Ganztagesschule, Kanäle, Straßensanierungen, Breitbandausbau und vieles mehr zu. „Viele Kollegen kennen nur die aktuell hohen Gewerbesteuereinnahmen, es gab aber auch andere Zeit, da lagen diese bei nicht mal zwei Millionen Euro“, so Gack.

Kritik an Eler äußerten außerdem Roland Lowig (WLJ) und Rudi Breuning (SPD), der eine Alternative zu dieser Förderung vorschlug („Eler ist eine Schande!“) beziehungsweise riet, das Projekt abzuspecken oder über einen längeren Zeitraum zu strecken.

Ärgerten sich die genannten Stadträte an der Eler-Förderpraxis, kritisierte Frank Rubner (CSU) die Stadtverwaltung generell. Zum einen fand er es ärgerlich, dass das Gremium vor der Sitzung nur schlecht informiert worden sei („Das war grenzwertig!“). Zum anderen fand er den Planungsprozess seit der Vorstellung des Vorhabens im Stadtrat im November 2017 nicht korrekt. „Wir haben den Antrag für Kapelle und Museum hier genehmigt, und auch den Bauantrag im Bauausschuss im Sommer 2018 – aber nur, um die Förderung zu bekommen. Mir war nicht bewusst, dass der aktuelle Entwurf die Endfassung ist“, kritisierte Rubner und sagte, dass er sich für das Vorhaben auch einen Architektenwettbewerb hätte vorstellen können.

Johannes Oppel (WLJ) unterstützte seinen Kollegen: „Im Bauausschuss im vergangenen Sommer habe ich nachgefragt, ob die Pläne für Kapelle und Museum in Stein gemeißelt sind. Damals gab es als Antwort, dass Änderungen möglich seien.“

Änderungen nicht mehr möglich

Bürgermeister Hügerich erwiderte, dass die Informationen schon länger vorlägen. Außerdem seien auch die Heimatfreunde Klosterlangheim in die Planungen einbezogen worden. Stadtbaumeister Pülz räumte ein, dass das Konzept nicht mehr zu ändern sei, da es die Grundlage für die Förderung darstelle.

Sven Eisele und Dr. Arnt-Uwe Schille sprachen sich für das Projekt aus. Eisele widersprach Rubner und betonte, dass das Gremium zeitig informiert worden sei. Schille fände es komisch, in Klosterlangheim die Dorferneuerung in Angriff zu nehmen, Kapelle und Museum aber außen vor zu lassen. Abschließend versprach Rathauschef Hügerich, wegen möglicher weiterer Fördermöglichkeiten mit dem Denkmalschutzamt und weiteren Einrichtungen zu sprechen.

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