COBURG/LICHTENFELS

Rote Zahlen: Regiomed 2018 erstmals mit Defizit

Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat Christian Meißner bei seiner Festansprache zum zehnjährigen Bestehen von Regiomed. Foto: red

Der Klinikverbund Regiomed, zum dem auch das Klinikum in Lichtenfels gehört, schreibt in diesem Jahr erstmals in seiner zehnjährigen Geschichte rote Zahlen. Dies bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage dieser Redaktion. „Regiomed muss im Konzernabschluss zum ersten Mal einen finanziellen Verlust im laufenden Geschäftsjahr feststellen“, so die Mitteilung von Pressesprecherin Anna Schaller.

Landrat Christian Meißner, amtierender Aufsichtsratsvorsitzender des Verbundes, spricht von einem „siebenstelligen Defizit“. Laut Medienberichten soll das Minus bei rund vier Millionen Euro liegen. Noch Ende September gab es Berichte, dass 2018 mit einer „schwarzen Null“ abgeschlossen werden könne.

„Der prognostizierte Verlust fällt im Vergleich zum Umsatz moderat aus.“
Anna Schaller, Pressesprecherin Regiomed

Christian Meißner nennt die Situation gegenüber dieser Redaktion „unerfreulich und ernst.“ Er warne aber davor, die Entwicklung zu dramatisieren. Er sei „vollkommen überrascht“ gewesen, als er die Nachricht von der finanziellen Schieflage bei Regiomed in diesem Haushaltsjahr erfahren habe. Ähnlich äußert sich auch der kommissarische Regiomed-Hauptgeschäftsführer, Prof. Dr. Johannes Brachmann. Er sei „über alle Maßen überrascht.“

Regiomed teilt dieser Redaktion weiter mit, dass sich im Laufe des Jahres 2018 abgezeichnet habe, „dass das Jahresergebnis in diesem Jahr schlechter ausfallen würde als in den vergangenen Jahren.“ Über das prognostizierte – negative - Ergebnis sei Anfang November „berichtet“ worden.

Im Klinikverbund und im Aufsichtsrat läuft nun die Ursachenforschung für die unerwartete finanzielle Schieflage auf Hochtouren. Er habe sich als Aufsichtsratschef in diesem Jahr viele Male von der Geschäftsleitung über die finanzielle Lage der Holding informieren lassen. „Kein einziges Mal hat es eine Nachricht über rote Zahlen gegeben,“ so der Landrat. Er schloss aus, dass das Klinikum in Lichtenfels defizitär arbeite.

Meißner bezeichnet den gesamten Vorgang als „eigenartig.“ Es sei auch verwunderlich, dass die Informationen über Regiomed via Medien in die Öffentlichkeit gelangt seien. „Da hat die Vertraulichkeit offenbar nicht funktioniert,“ so der Landrat weiter.

Die Geschäftsleitung von Regiomed verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass in Bayern 2017 fast jede zweite Klinik Verluste machte. In der zehnjährigen Geschichte von Regiomed sei 2018 das erste Jahr mit einem finanziellen Defizit. Dies sei umso bemerkenswerter, als „einzelne Einrichtungen seit Verbundgründung auch schon vereinzelt schwächere Jahresergebnisse verzeichneten.“

„Das muss aufgearbeitet werden.“
Christian Meißner, Aufsichtsratsvorsitzender Regiomed

Die Gründe für das erstmalige Defizit seien, so der Klinikverbund weiter, „je nach Einrichtung sehr unterschiedlich gelagert: Nicht erreichte Leistungszahlen, ein Anstieg der Kosten sowie Investitionen in Zukunftsprojekte, die Regiomed jedoch langfristig sichern sollen.“

„Der prognostizierte Verlust fällt im Vergleich zum Umsatz moderat aus,“ so Regiomed weiter. 2016 lag der Regiomed-Umsatz bei 316 Millionen Euro. Man plane keine umgehenden Gegenmaßnahmen. Die Leitungsgremien würden mit allen Beteiligten einen gemeinsamen Konsolidierungskurs erarbeiten. Dies kündigte auch der Lichtenfelser Aufsichtsratsvorsitzende an. Er habe sämtliche Klinik-Leitungen darum gebeten, Vorschläge zur finanziellen Konsolidierung vorzulegen. Bei einem Treffen des Aufsichtsrates am 6. Dezember wollen dessen Mitglieder dann über diese Vorschläge beraten. „Wir müssen schauen, wo wir einsparen können.“ Zugleich werde das unerwartete Defizit ein wichtiges Thema sein. „Das muss aufgearbeitet werden,“ so Meißner. Er schloss aus, dass das finanzielle Minus den heimischen Kreishaushalt belasten kann.

Christian Meißner sieht zwar eine ernste Lage. Es sei aber falsch, „sich jetzt verrückt zu machen.“ Das Haushaltsdefizit sei auch kein Anlass, um über Privatisierungen nachzudenken. „Das ist Unsinn,“ so der Landrat. „Wir schauen in die Zukunft. Wir wollen gemeinsam beweisen, dass kommunale Kliniken auch wirtschaftlich gut funktionieren.“

Regiomed und Meißner betonen weiterhin, dass die Informationen über die roten Zahlen keinerlei Auswirkungen auf die Qualität der medizinischen Versorgung haben wird. Regiomed: „Es besteht kein Grund zur Sorge, denn die Qualität der Versorgung von Patienten und Bewohnern hat weiterhin oberste Priorität.“

Regiomed-Klinikverbund

Unter dem Dach Regiomed-Kliniken sind seit 2008 die Kliniken und deren Tochterunternehmen – zum Beispiel MVZ - der Landkreise Coburg, Hildburghausen, Lichtenfels und Sonneberg zusammengeschlossen. Im Jahr 2016 hatte der Verbund seinen Umsatz gegenüber 2014 um 41 Millionen Euro gesteigert.

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