LICHTENFELS

Blende-Siegerehrung: Die Pfütze einfach selbst gebaut

Blende: Jury wählt die Besten aus 379 Aufnahmen

Gespannte Erwartung unter den Anwesenden bei der Preisverleihung am Dienstagabend: Dass sie unter den Gewinnern des Fotowettbewerbs „Blende 2018“ sind, war ihnen klar. Nicht umsonst waren sie der Einladung in die Hauptstelle der Sparkasse gefolgt. Nur welchen Platz sie belegten, war sozusagen geheime Verschlusssache. „Lassen wir uns überraschen“, sagte Richard Schmitt aus Altenkunstadt, der mit seinem Sohn Simeon und Frau zur Veranstaltung gekommen war.

In diesem Jahr machte es OT-Redaktionsleiter Roger Martin besonders spannend. Er würdigte das hohe Niveau der eingereichten Beiträge. „Wir können stolz auf unsere guten Fotografen am Obermain sein. Die müssten eigentlich alle einen Preis gewinnen.“ 379 Einsendungen erreichten die Redaktion. Martin dankte der Sparkasse Coburg-Lichtenfels für die Bereitstellung der Räumlichkeiten. Sein Dank galt allen Sponsoren, die auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Preise zur Verfügung gestellt haben. Neben Urkunden und Medaillen waren Preise im Gesamtwert von über 2000 Euro zu gewinnen. Einen Dank erreichte auch Klaus Gagel, Wettbewerbsadministrator und Moderator der Preisverleihung, dem es wieder einmal gelungen war, ein interessantes Programm zusammenzustellen.

„Wir können stolz auf unsere guten Fotografen am Obermain sein. Die müssten eigentlich alle einen Preis gewinnen.“

„Sie leisten durch ihre Bereitschaft zur Teilnahme einen wichtigen Beitrag zur Kultur ihrer Stadt“, sagte Bürgermeister Andreas Hügerich. Monika Faber, stellvertretende Landrätin, würde sich wünschen, dass mehr junge Leute am Fotowettbewerb teilnähmen. „Erst der Blick durch eine Kamera macht das Sehen interessant“, sagte sie. In diesem Jahr haben 60 erwachsene Fotografen (46 Männer und 14 Frauen), aber nur vier Jugendliche am Wettbewerb teilgenommen. Auch Klaus Gagel wurde sich wünschen, dass mehr Jugendliche mitmachen. Das Jugendthema sollte den jungen Leuten eigentlich die Möglichkeit geben, ihren Blickwinkel der Dinge darzustellen. Gagel würde sich auch eine höhere Beteiligung des weiblichen Geschlechts wünschen.

Schwere Aufgabe für die Jury

Die Jury, bestehend aus den beiden Redakteuren des Obermain-Tagblatts, Frank Gorille und Markus Drossel, Klaus und Susanne Gagel sowie Berufsfotografin Karin Hörtner, hatte die schwere Aufgabe, aus der Fülle der Einsendungen die jeweils zehn besten Aufnahmen in den vier Wettbewerbskategorien herauszufiltern. „Fotokunst lässt sich nicht in Zentimetern messen wie zum Beispiel Kugelstoßen“, erklärte Klaus Gagel dazu. Und fügte an: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und nach besten Wissen entschieden.“

Der Moderator trat auch dem Vorwurf entgegen, dass sich unter den Siegern immer nur bekannte Namen befänden: „Unter den diesjährigen Gewinnern sind viele dabei, die nicht einem Fotoclub angehören.“ Gagel sieht für einige der prämierten Fotos durchaus auch Chancen auf eine gute Platzierung auf Bundesebene.

Breit gestreut waren die Motive in den einzelnen Kategorien, die von der Bereitschaft der Fotografen kündeten, auch einmal ungewöhnliche Wege zu gehen wie den Einsatz von Drohnen. In der Jugend-Kategorie thematisierte die zweitplatzierte Elisabeth Maria Klein mit ihrem Bild „Nichts zum Anziehen“ ein typisch weibliches Thema, während Benjamin Göring mit dem Titel „Gewalt“ eine wie auch immer zerbrochene Scheibe zeigte und damit den ersten Rang belegte.

Viel Aufwand für ein Foto

Norbert Heiser aus Lichtenfels setzte sich gleich in zwei Kategorien durch. Sein Bild einer Joggerin (Thema: Aus der Frosch- und Vogelperspektive), die durch eine Pfütze läuft, wollte er nach einem Gewitterregen mit dunklen Wolken machen. Die Stelle dazu, mit dem Staffelberg im Hintergrund, hatte er sich schon ausgesucht. Aber der Wettergott machte ihm in diesem Jahr mit einem Jahrhundertsommer einen Strich durch die Rechnung. „Also habe ich meine Pfütze selber gebaut“, berichtet der Fotograf. Durch diese sollte dann seine Bekannte laufen. Um das Weitwinkelobjektiv nicht zu verschmutzen, hatte er etwas abgeschrägt eine Glasscheibe vor die Pfütze gestellt. Von der Joggerin sieht man nun nur die Beine und beeindruckende Wasserspritzer. Bis zum gewünschten Ergebnis mussten sie mehrmals durch die Pfütze laufen. „Die hatte dann nasse Füße“, erinnert sich Norbert Heiser.

Ähnlich aufwändig war auch sein Siegerfoto „Das Auge“ aus der Kategorie „Farbspiele“. Eine Aufnahme, die aus einer Fotomontage besteht. „Ich bin nicht der Mensch für Fotomontagen, ich mache lieber normale Fotos“, erklärt Heiser. Hier hatte es sich aber angeboten. Sein Model hat er professionell schminken lassen, hat nur das Auge fotografiert. Anschließend entstand die Aufnahme auf der Leiter. Am Computer hat der Fotograf dann beide Aufnahmen zusammengesetzt.

Den Zeitungsleserfotowettbewerb zur Förderung der Amateurfotografie an dem sich auch das Obermain Tagblatt regelmäßig beteiligt, gibt es schon seit einigen Jahrzehnten. Seit vielen Jahren moderiert Klaus Gagel mit viel fotografischem Sachverstand und kompetenten Informationen am Rande die Preisverleihung. „Einen besseren Präsentator könnte es nicht geben“, lobte Redaktionsleiter Roger Martin.

Ausstellung bis 30. November

Die Ausstellung mit den zehn besten Aufnahmen je Kategorie kann noch bis zum Freitag, 30. November, zu den üblichen Öffnungszeiten in der Sparkassenhauptstelle besichtigt werden.

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