LICHTENFELS

Wetterregeln: Allerheiligenreif, da wird Winter steif

Allerheiligenstimmung auf dem Altenkunstadter Friedhof. Ob im ganzen Landkreis wettermäßig die Friedhofsbesuche ungemütlich werden? Foto: Andreas Motschmann

Im römischen Kalender war der November ursprünglich der neunte Monat, da das Jahr im März begonnen hatte. So hieß er folgerichtig November, denn die Neun heißt auf Lateinisch novem. Früher wurde der Monat bei uns Nebelung bezeichnet. Wir verbinden noch heute mit dem Begriff des typischen Novemberwetters ein tagelanges trübes und nebeliges Wetter. Doch das muss nicht immer der Fall sein.

Der November beginnt an den ersten fünf Tagen nach den Berechnungen des Hundertjährigen Kalenders tatsächlich mit trübem Wetter und rauen Winden. So kann es beim Friedhofsbesuch an Allerheiligen ungemütlich werden. Sollte am 1. November Reif auf den Wiesen liegen, könnte der Wetterspruch in Erfüllung gehen: „Allerheiligenreif macht den Winter stark und steif.“

Schneefälle am Martinstag

Danach folgen zum Ausgleich nur zwei schöne Tage, danach fällt für drei Tage Regenwetter ein. Übrigens, der Urheber des gekannten Wetterkalenders, Abt Mauritius Knauer aus dem Kloster Langheim, starb am 9. November 1664 im Alter von 51 Jahren.

Am Martinstag (11.) sollen Schneefälle hinzu kommen. Nicht gerade das passende Wetter für die Laternenumzüge der Kindergärten und zur Eröffnung der Faschingszeit um 11.11 Uhr. „Hand auf's Herz“, wer weiß es noch, dass bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts nach Martini die Spinn- und Rockenstubenzeit begann. In unserer Region wurden im Jahre 1502 Spinnstuben erstmals erwähnt.

Früher Wintereinbruch?

Der Martinimarkt hat eine lange Tradition. So ist er im benachbarten Coburg seit dem Jahre 1600 bekannt. Hier im Landkreis Lichtenfels hat auch der Weismainer Martini-Markt mit dem Martinswecken eine lange Tradition. Es ist ein langer Brotzopf und wird speziell für diesen Tag gebacken. Allerdings findet heuer der Martini-Markt erst am 21. November von 8 bis 17 Uhr statt.

Vom 12. bis zum 16. November sollen sich Schnee- und Regenfälle abwechseln und anschließend kommen zwei Tage mit Schnee hinzu. Der 19. November ist ein bekannter Namenstag - die Heilige Elisabeth von Thüringen und dazu gibt es auch einen Wetterspruch: „ St. Elisabeth sagt?s an, was der Winter für ein Mann.“ Dieses Jahr wird es wohl ein strenger Mann werden, denn in den letzten elf Novembertagen müssen wir uns nach dem Hundertjährigen Kalender gar auf strengen Frost und Schneefällen einstellen. Man kann im Hühnerstall beobachten, ob ein früher Wintereinbruch kommt: „Hocken die Hühner im November in den Ecken, kommen bald Frost und Winters Schrecken.“

In diesen Zeitraum fällt auch der Kathreintag (25.) mit dem Spruch: „Wie das Wetter an St. Kathrein, wird es den ganzen Winter sein.“ Früher hatte dieser Tag eine wichtige Funktion: „Sankt Kathrein stellt?s Tanzen ein.“ An diesem Lostag war früher die letzte Gelegenheit für eine öffentliche Tanzveranstaltung. Danach begann der Advent als eine wirkliche „stille Zeit“ mit Tanz- und Heiratsverbot bis Weihnachten.

Nach den Prognosen von Abt Knauer wird uns der Schnee bis Weihnachten begleiten. Sollte der Schnee bis Februar liegen bleiben, so würde auch die Aussage in Erfüllung gehen: „Andreasschnee (30. November) bleibt hundert Tage liegen.“

Kleine Eiszeit

In alten Wetteraufzeichnungen wird öfters von einem langen und strengen Winter berichtet. Besonders in der sogenannten kleinen Eiszeit zwischen 1570 und 1700 wurde unsere Region regelmäßig von sehr kaltem Wetter heimgesucht. So gab es ab dem Allerseelentag 1573 einen strengen Winter, der bis zum März anhielt. Aber auch danach gab es immer wieder Extrem-Winter. Vom 24. November 1756 bis zum 23. Februar 1757 musste die Bevölkerung mit einer starken Kälte zurecht kommen. Doch auch in der jüngsten Vergangenheit gab es sehr kalte Novembernächte in Deutschland. So wurde am 23. November 1965 in Göttingen eine Temperatur von – 23 Grad gemessen.

Ob wir einen strengen Winter bekommen, darüber kann spekuliert werden. In der Pflanzenwelt geben uns folgende Sprüche Hinweise auf einem strengen Winter: „Viele Pilze im Herbst – strenger Winter wird?s“ und „sitzt im November fest das Laub, wird der Winter hart, das glaub.“

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