Landarzt - Illustration

LICHTENFELS

Landärzte: Neues Förderprogramm ohne Regiomed Kliniken

Um künftige Landärzte zu gewinnen, treibt die bayerische Staatsregierung in Zusammenarbeit mit den Universitäten in München und Erlangen/Nürnberg das millionenschwere Förderprogramm „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (Bela) voran. Während kürzlich die Standorte Scheßlitz/Burgebrach (Landkreis Bamberg) und Kulmbach/Stadtsteinach als neue nordbayerische Modellregionen in dieses Förderprogramm aufgenommen wurden, bleibt der Bereich Lichtenfels/Coburg außen vor. Grund: Die Kliniken hier sind im Rahmen der „Medical School Regiomed“ bereits Lehrkrankenhäuser der Universität Split und können nicht in das bayerische Förderprogramm aufgenommen werden. Die Verbindung nach Kroatien dient unter anderem ebenfalls dazu, angehende Mediziner für eine spätere Tätigkeit im ländlichen Bereich zu gewinnen.

„Eine gleichzeitige Anerkennung des Regiomed-Klinikums Lichtenfels als akademisches Lehrkrankenhaus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kommt für die Universität nicht infrage“, teilte ein Ministeriumssprecher auf Nachfrage mit. Die Entscheidung, Regiomed-Kliniken nicht zu Lehrkrankenhäusern der Uni Erlangen/Nürnberg zu erheben, liege zudem „nicht in der Verantwortung des Ministeriums.“

Juraklinik Scheßlitz Lehrkrankenhaus

Die Juraklinik Scheßlitz und die Steigerwaldklinik Burgebrach waren erst vor kurzem zu Lehrkrankenhäusern akkreditiert worden. Sie kommen nun in den Genuss des „Bela-Programms“, das für angehende Mediziner sehr interessant klingt. Gesundheitsministerin Melanie Huml benannte kürzlich in diesem Zusammenhang „die intensive Betreuung der Medizinstudierenden in den Lehrkrankenhäusern und Hausarztpraxen sowie zusätzliche Angebote zur Einbindung in die Region wie etwa Wohnungsangebote, Projektarbeit oder Notdienstwochenenden, praxisnahe zusätzliche Ausbildungsinhalte und eine intensive Betreuung durch Mentoren“. Ziel sei es, den angehenden Ärzten während des gesamten Studiums eine enge Beziehung zum Fach Allgemeinmedizin und zu ländlichen Regionen zu vermitteln. Im Rahmen des Bela-Programms erhalten Studierende zudem ein monatliches Stipendium in Höhe von 600 Euro, wenn sie sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach Abschluss des Studiums ihre Facharztweiterbildung für Allgemeinmedizin im Weiterbildungsverbund der Region zu absolvieren, in der die studentische Ausbildung erfolgt ist, so Ministerin Huml weiter.

„Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis. Regiomed bemüht sich um weitere Förderung.“
Birgit Schwabe, Pressesprecherin Regiomed zum Bela-Programm

Stipendien für das Studium im Rahmen der Medical School vergibt auch Regiomed an ausgewählte Studenten und Studentinnen. Der Klinikverbund trägt dabei die Jahresgebühr von 9000 Euro. Diese finanzielle Unterstützung kommt nicht aus Steuermitteln. Sie wird unter anderem durch ansehnliche Spenden mitgetragen. Der Klinikverbund koppelt die Stipendien mit der Verpflichtung, dass die Absolventen ihre ersten Jahre an einer Regiomed-Einrichtung arbeiten.

Der Klinikverbund kommentiert indessen auf Nachfrage in knappen Worten die Entscheidung, dass die Regiomed-Kliniken Lichtenfels und Coburg nicht in das neue Förderprogramm aufgenommen: „Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis“, heißt es aus der Zentrale in Coburg. Und weiter: „Regiomed bemüht sich um weitere Förderung.“

Emmi Zeulner, die heimische CSU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitspolitischen Ausschuss des Bundestages, sieht keine Benachteiligung für die Regiomed Klinik Lichtenfels durch die Nichtberücksichtigung beim Bela-Programm. Die Verbindung mit der Universität Split sei wichtig und richtig, sagt sie.

Dass es vor der Zeit der Medical School keine Bemühungen gegeben habe, das hiesige Klinikum zu einem Lehrkrankenhaus zu machen, liege wohl daran, dass sich vor Ort niemand ernsthaft darum bemüht habe. Dass nun die Jura-Klinik in Scheßlitz – auch auf ihr Betreiben hin – Lehrkrankenhaus geworden und wenig später in das Landarzt-Programm gekommen sei, könne als großer Erfolg gewertet werden. „Eigentlich hatte die verhältnismäßig überschaubare Einrichtung wenig Aussichten, ein Lehrkrankenhaus zu werden“, so die MdB. Nun könne es durchaus möglich sein, dass dank der neuen Förderung für Scheßlitz auch Landärzte für das angrenzende Lichtenfelser Gebiet gewonnen werden.

Die wohnortnahe medizinische Versorgung im ländlichen Bereich ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft. Dabei geht es nicht nur um stationäre Behandlungen und Aufenthalte, sondern auch um die Sicherung von Hausarztpraxen und eine ausreichende Zahl von Landärzten. Mit dem Bau und der Eröffnung des neuen Regiomed-Klinikums in Lichtenfels hat der heimische Bereich beste Chancen, als Arbeitsplatz für Ärzte attraktiv zu bleiben.

Im Bereich der niedergelassenen Ärzte scheint der Druck noch größer. Relativ viele Hausärzte auf dem Land gehen auf den Ruhestand zu. Der Altersdurchschnitt ist am Obermain relativ hoch.