LICHTENFELS

Wetterregeln: Kein Verlass auf Hundertjährigen Kalender?

Bei den heißen Temperaturen sorgt ein Spaziergang in unseren heimischen Wäldern für etwas Erfrischung. Foto: Andreas Motschmann

Die wechselhafte Wettervorhersage des Hundertjährigen Kalenders für Juli traf zum Glück nicht ein und wir konnten viele Sonnentage genießen. Auf der anderen Seite hätten sich die Landwirte und Gartenbesitzer das „Aprilwetter“ mit viel mehr Regen dringend gewünscht. Die gegenwärtige Hitze ist nicht nur bei uns, sondern auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel äußerst ungewöhnlich.

Der Deutsche Wetterdienst in Potsdam erwartet, dass die Hitzewelle in Deutschland noch bis mindestens Mitte August andauert. Ob in diesem Monat die Vorhersagen von Abt Knauer wieder daneben liegen? In der ersten Woche im August ist laut Hundertjährigem Kalender im Venusjahr Regen angesagt. Es folgt eine ganz kurze Periode schönes Wetter und dann wieder Regen.

Öffnet sich die Wolkenschleuse?

Vielleicht trifft es ja in diesem Monat doch zu und der benötigte Regen kommt. Dazu würden einige Bauernregeln passen, und die sind nicht über Regen erfreut: „Regen an Maria Schnee (5.), tut dem Korn sehr weh“ oder „Dem Bauern ungelegen ist Sankt-Afra-Tag (7.) mit Regen.“ Auch der wichtige Lostag am Laurentiustag (10.) wäre ein Regentag. Ein Trostpflaster für die Landwirte: „Öffnet Laurentius die Wolkenschleuse, gibt?s auf den Feldern keine Mäuse.“

Vom 15. bis zum 25. erwartet uns wieder schönes und warmes Wetter für die Erntezeit. Mariä Himmelfahrt, ein katholischer Feiertag am 15.August, verweist bereits auf die beginnende Obsternte: „An Mariä Himmelfahrt, das wisse, gibt es schon die ersten Nüsse.“ Allerdings muss in diesem Jahr durch die Trockenheit alles um einige Wochen früher geerntet werden, ob beim Getreide oder beim Obst.

Weitere Wetterregeln sind mit dem Gedenktag des heiligen Bartholomäus (24.) verbunden: „Wie sich der Barthel-Tag verhält, ist der ganze Herbst bestellt.“ Folgerichtig könnten wir auf einen schönen Herbst hoffen.

Nordwind als Schönwettergarant

Es kann nicht oft genug betont werden, dass sich unsere naturverbundenen Vorfahren nie auf einzelne Wetterregeln verlassen haben. Sie beobachten beispielsweise die Windrichtung, denn wenn es im August aus Norden weht, zieht das unbeständige Wetter fort oder es ist mit Fortbestand des Schönwetters zu rechnen. Nicht umsonst lautet ein Spruch: „Im August Wind aus Nord jagt unbeständig? Wetter fort.“ Diese Zusammenhänge sind schon seit Jahrtausende bekannt. So schrieb der griechische Philosoph Aristoteles im 4.Jahrhundert v. Chr. ein Buch mit dem Titel „Meteorologica“.

„Öffnet Laurentius die Wolkenschleuse, gibt‘s auf den Feldern keine Mäuse.“
Bauernregel im August

In der Lehre „Von dem, was in der Luft ist“ notierte er alles, was bis dahin über Erde, Feuer, Wasser und Luft bekannt war. Vehement wandte er sich gegen die Auffassung, Wind sei nichts als bewegte Luft. Eine Erklärung für die Entstehung von Wind hatte er nicht parat.

„Turm der Winde“

Die Windmessung spielte aber eine große Rolle in der Wetterbeobachtung der Antike. In Athen ist noch heute der „Turm der Winde“ zu bestaunen, ein Oktogon mit Windfahne und Wasseruhr im Innern. Erst mit der Entwicklung von Messgeräten konnte man nach und nach die Geheimnisse des Wetters lüften.

Kommen wir zum Ende des Hochsommermonats. Ab dem 26. August soll nach dem Hundertjährigen Kalender wieder der Regen zurückkehren. Ob vielleicht dann erst die Landwirte und Gartenbesitzer den dringend benötigten Regen bekommen?

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