LICHTENFELS

High-Tech-Geflecht und Glaspavillon

Bei der Präsentation des Siegerentwurfs am Freitag (v. li.): Stefan Mehl von der r+g Beteiligungs GmbH, Günter Hofman, Robert Hofmann, Rita von Frantzy (Bayerngrund) und Erster Bürgermeister Andreas Hügerich. Foto: Roger Martin

Der renommierte Münchner Architekt Peter Haimerl hat mit einem deutschlandweit bislang einmaligen Entwurf den Wettbewerb um den Neubau Marktplatz 2 gewonnen. Es ist eine Kombination aus einem künstlerisch anmutendem, allerdings im digitalen 3-D-Druck hergestellten Geflecht aus Edelstahlrohren und einem zweistöckigen gläsernen Pavillon. Stefan Mehl, Geschäftsführer der Bauherrin R+G Beteiligungs GmbH in Lichtenfels, stellte am Freitag den Siegerentwurf vor.

Das heimische Unternehmen, eine Tochter der Hofmann-Gruppe, hatte das seit einigen Jahren leer stehende, stadtbildprägende Handelshaus gekauft und wollte ursprünglich dort hauptsächlich den 3-D-Druck erlebbar machen sowie Büro-und Geschäftsräume einrichten. Nach der Entscheidung, dass das wirtschaftlich nicht mehr sanierungsfähige Gebäude abgerissen wird und einem ersten, im Stadtrat umstrittenen Entwurf aus eigener Feder sei man „eine Stufe weiter gegangen“, so Stefan Mehl am Freitag. Es gab einen hochkarätigen Wettbewerb mit fünf Architektenbüros.

„Absolut begeistert“

Am Ende hatte jener Peter Haimerl mit einem ebenso mutigen wie gewagten Entwurf die Nase vorn, der für seine ebenso unkonventionellen wie innovativen Architekturentwürfe bekannt ist. „Wir waren über das Niveau aller Vorschläge überrascht,“ sagte Mehl weiter. Einer aber habe alle überragt. Die Jury habe sich einstimmig für Haimerls Entwurf entschieden.

„Der Entwurf hat uns absolut begeistert“, sagte Mehl wörtlich. In ihrer Bewertung über Haimerls Vorschlag spricht die Jury von „überraschend neuen Räumen und zukunftsweisenden Angeboten für die Informations- und Kommunikationsformen innerhalb des Stadtgefüges.“ An anderer Stelle heißt es, dass der Entwurf „eine neue Mischung aus Stadtloggia, gläsernem Pavillon und frei fließendem Raum“ entstehen lässt.

Für die Bauherrin verknüpfe der Entwurf perfekt die Tradition der Korbstadt mit der Moderne des 3-D-Drucks, der in Lichtenfels ebenso zuhause sei. Das Geflecht solle Weidenbäume symbolisieren, die für die Korbstadt stehen. Das Geflecht sei als digitales Produkt aus Edelstahlmaterial in goldbraunem Ton geplant. „Dazu sind gute Metallbauer nötig und die haben wir,“ sagte Günter Hofmann von Hofmann Impulsgeber. Bei der Herstellung werde besonders auf die Langlebigkeit der der Edelstahlrohre geachtet. Zu dem augenfälligen Flechtkonstrukt gesellen sich High-Tech-Strukturen, die im Pavillon zu finden seien. Geplant sei hier ein Showroom für die Faszination des 3-D-Drucks im Erdgeschoss sowie darüber Büros, so Stefan Mehl. Obwohl es ein privates Projekt sei, lege die Bauherrin großen Wert darauf, dass die Bevölkerung davon profitiere. So sei zum Marktplatz hin eine Art Piazza mit einem Wasserbecken im Mittelpunkt geplant, auf der sich die Menschen treffen könnten.

„Wir müssen uns etwas trauen.“
Andreas Hügerich, Erster Bürgermeister

„Lichtenfels verändert sich sehr rasant“, sagte Stefan Mehl. Es sei eine Aufbruchsstimmung zu verspüren, die auch stark wirtschaftlich begleitet werde. Es sei an der Zeit, auch architektonisch Neues zu wagen. Der Siegerentwurf sei vor wenigen Tagen bereits dem Stadtrat vorgestellt worden. Dort habe es ungeteilte Zustimmung gegeben, sagte Mehl. Nun bereite die Bauherrin die offiziellen Bauanträge vor.

Seit einigen Tagen bereits werden die Vorbereitungen für den bald bevorstehenden Abriss des Gebäudes Marktplatz 2 getroffen, so der Geschäftsführer weiter. Mit dem kompletten Abbruch soll nach der Fußball-Weltmeisterschaft begonnen werden. Mehl sagte weiter, dass der Neubau in diesem Jahr nach dem Korbmarkt starten solle. Die Bauherrin rechne momentan mit einer Bauzeit von 2 bis 2,5 Jahren. Zu den Investitionskosten wollte sich der Geschäftsführer nicht näher äußern. Er nannte einen „unteren einstelligen Millionenbetrag.“

Rita von Frantzki von der Firma Bayerngrund begleitete als Sanierungsbeauftragte der Stadt auch dieses außergewöhnliche Projekt. Sie meinte, das Gebäude werde die Menschen in die Innenstadt locken. „Die Lichtenfelser werden stolz sein“, so Frantzki.

Erster Bürgermeister Andreas Hügerich lobte in höchsten Tönen das Engagement der Bauherren für die Stadt Lichtenfels. „Wir entwickeln hier ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte er. Es sei ein „faszinierendes Gebäude“, das Haimerl geplant habe.

Sicher würden sich etliche Menschen in der Stadt an dieser in Deutschland noch nie dagewesenen Architektur „reiben“. Lichtenfels aber solle innovativ sein und sich selbst entwickeln. „Wir müssen uns etwas trauen“, sagte der Rathauschef. Die Stadt alleine könnte ein solches Projekt nie stemmen. Hügerich dankte den Investoren ausdrücklich für die stets kollegiale und professionelle Zusammenarbeit.

Der Siegerentwurf für das neue Gebäude Haus Marktplatz 2 in Lichtenfels von Architekt Peter Haimerl. Foto: r+G Beteiligungs GmbH

Schlagworte