SCHWÜRBITZ

„Wir werden uns nicht verschulden“

Völlig durchlöchert: Pfarrer Diter Glaeser zeigt die Spuren, die der Holzwurm in einer Kirchenbank hinterlassen hat.

Ein ganzes Stück oberhalb des Mains thront sie, weithin sichtbar, an der Göritze: die katholische Herz-Jesu-Kirche. Es soll schon vorgekommen sein, dass Ortsfremde, die den Main-Radweg heruntergefahren kamen, fragten, ob das Vierzehnheiligen sei.

Wobei die barocke Basilika von Balthasar Neumann einen anderen Anblick bietet als die 1899 geweihte, neugotische Kirche von Gustav Haeberle. Aber nach Vierzehnheiligen und Kloster Banz dürfte die Herz-Jesu-Kirche eines der markantesten Gotteshäuser im Maintal sein. „Sie wird gerne von Touristen besucht. Von meinem Garten aus sehe ich oft Räder da stehen. Bis zu einer halben Stunde halten sich die Leute da auf“, erzählt Pfarrer Diter Glaeser mit einem Lächeln. Sein Ziel deshalb: „Wir wollen die Kirche wieder anziehend machen. Kirche ist für mich ein Ort der Begegnung.“

Wieder anziehend: Das Gotteshaus ist ein Sanierungsfall. Auf den ersten Blick sieht der Besucher nicht, dass da der (Holz-)Wurm drin ist. Aber er ist da – in den Kirchenbänken etwa, von denen zumindest eine deutliche Löcher und auch Absplitterungen aufweist. Laut Architekt Herbert Fleischmann steckt er außerdem in einigen Hölzern des Dachstuhls. Das ist von unten nicht erkennbar, wohl aber andere Schäden: weiße Ablagerungen oder Ausschwemmungen an der unteren Seite der hölzernen Decke. „Zumindest ist es kein Schimmel“, sieht der Pfarrer das Positive.

Maler- und Elektroarbeiten

Feuchtigkeit hat zu den Ausblühungen geführt, die am Sockel- und Traufbereich im Innenraum auffallen. Dies schreibt Architekt Fleischmann in seinen Ausführungen. Er ist beim Ortstermin verhindert. Dafür sind neben Pfarrer Glaeser Kirchenpfleger Stefan Fleischmann und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Horst Habermann gekommen. „Die größten Gewerke werden Maler- und Elektroarbeiten“, sagt Stefan Fleischmann. Denn nicht nur die Sockel müssen saniert werden. Schmutz, Staub und Kondensat haben sich auf den Wänden abgelagert. „Wir wollen helle, freundliche Farben“, wünscht sich der Kirchenpfleger, dem gleichwohl bewusst ist, dass die Denkmalpflege da ein Wörtchen mitreden wird.

Wenn die Kirchenbänke saniert werden, wird auch eine modernere, effektivere und energiesparende Bankheizung eingebaut. Denn „die Stromrechnung macht einen großen Posten im Haushalt aus“, bemerkt Fleischmann. Entsprechend energetisch und gestalterisch überarbeitet werden auch die Beleuchtung und die Audioanlage. Außerdem muss der Blitzschutz erneuert werden.

Pfarrer Glaeser lenkt den Blick noch einmal nach oben, ins Eck über dem rechten Seitenaltar, wo dreiecksförmig der Putz abgeblättert ist. „Wir haben Dohlen, sehr fleißige Vögel. Wenn die Nester bauen, fällt etliches in die Regenrinnen“, erklärt er. Wenn die verstopfen, kann das entsprechende Schäden verursachen. Auch hier muss Abhilfe geschaffen werden. Dazu wird das Dach auf Sturmschäden untersucht.

Außen ist der Sandstein hauptsächlich auf der Westseite stark verwittert und ausgeschwemmt; die Fassade weist außerdem im Fugenbereich bis einen Zentimeter über dem Sockel starke Schäden auf. Hier muss ebenso nachgebessert werden wie an der granitenen Eingangstreppe sowie an der hölzernen Eingangstür und an den Fenstern der Sakristei. „Die Türen kann man nicht ersetzen, die gehören zum Ursprung der Kirche.

Jetzt kann man das noch richten“, sagt der Pfarrer, der Erfahrung mit Sanierungen hat: Die in Schwürbitz, die im Herbst beginnen soll, ist seine achte. Aber die Pfarrei Herz Jesu hat so etwas schon lange nicht mehr erlebt – die letzte große Innenrenovierung bisher war 1978, vor 40 Jahren.

„Wir wollen die Kirche wieder anziehend machen. Kirche ist für mich ein Ort der Begegnung.“
Pfarrer Diter Glaeser

Und jetzt steht eine Summe von 605 000 Euro im Raum, kein Klacks für eine Pfarrei, die 1937 gegründet wurde und kaum Vermögenswerte besitzt. „Wir können das Projekt nicht allein stemmen“, ist dem Geistlichen klar. Deshalb haben die Schwürbitzer bei Bürgermeister Helmut Fischer vorgefühlt, ob sie mit einem Zuschuss rechnen können. „Wir haben eine sehr große Offenheit erlebt. Er hat uns Wege gezeigt, wie wir das Projekt zu Ende führen können“, sagt Pfarrer Glaeser dankbar. Und meint nicht nur das Finanzielle, dafür braucht es erst einen Beschluss des Gemeinderats. Sondern auch praktische Tipps, die aus der Erfahrung des Bürgermeisters mit Baumaßnahmen resultieren.

65 Prozent der Kosten wird das Erzbistum übernehmen, das ist schon geklärt. „Wir hoffen außerdem auf das Landesamt für Denkmalpflege und die Oberfrankenstiftung“, zählt Stefan Fleischmann auf. Dr. Kathrin Gentner aus der Außenstelle in Schloss Seehof und Fachleute aus dem Landratsamt haben sich inzwischen in der Kirche umgeschaut. Und die Gemeinde hat begonnen, Spenden zu sammeln, erstmals beim Weihnachtskonzert.

„Wir werden uns nicht verschulden“, legt sich der Kirchenpfleger fest. Aber die Gläubigen werden mit Einschränkungen leben müssen. Schätzungsweise drei Monate wird das Gotteshaus ganz gesperrt sein. Pfarrer, Kirchenpfleger und Pfarrgemeinderatsvorsitzendem ist klar, dass das vielen nicht gefällt. Sie wissen, wie sehr sich die Schwürbitzer mit ihrem „Maintal-Dom“ identifizieren. So mancher lässt gegen einen Obolus die Kirche auch anlässlich seines Geburtstags oder der Jubelhochzeit beleuchten. Es bleibt den dreien nur, um Verständnis zu bitten: „Wir haben lange gerungen. Niemand macht sich das einfach. Aber wir sind nicht die jüngste Generation, und wir wollen die Kirche nicht als Ruine übergeben“, sagt Pfarrer Glaeser.

Blick in den Innenraum der neugotischen Herz-Jesu-Kirche: Auf Anhieb sind die Schäden nicht zu erkennen.
Wo die weißen Ablagerungen an der Holzdecke herkommen, ist noch unklar. Zumindest ist es kein Schimmel. Foto: annette Körber
Deutlich zu sehen: der Schaden durch Holzwurmbefall.

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