LICHTENFELS

Filetstück an Investor verkauft

Noch liegt es brach und ist unansehnlich: Das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof in Lichtenfels, nahe an der Bahnstrecke und nahe an der äußeren Bamberger Straße. Lange Zeit gehörte dieses Areal der Deutschen Bahn. Jetzt hat es ein Immobilienunternehmen im hessischen Bad Soden erworben. Dessen Geschäftsführer, Christoph Straube, bestätigte dies unserer Redaktion auf Nachfrage.

Seit langem wird dieses Filetstück im Stadtgebiet als potenzielles Areal für eine Bebauung gehandelt. Es liegt relativ zentrumsnah. Für Investoren also höchstinteressant. Und die Stadt Lichtenfels scheint an einer baldigen Aufwertung des Gebiets ebenfalls interessiert. Straube und die Stadt arbeiten offensichtlich bereits intensiv an entsprechenden Planungen. „Wir werden wohl im Frühjahr 2018 ein finales Konzept erarbeitet haben“, so Straube auf Nachfrage. „Es gibt zwei, drei spannende Ansätze“, so der Geschäftsführer weiter. Eine Möglichkeit lautet Bebauung mit Wohneinheiten. So präsentiert es das hessische Unternehmen auch online. „Objekt Lichtenfels“ nennt sich die Ankündigung, bebildert mit der Variante einer Wohnbebauung.

Das Unternehmen Straubes heißt „W&L Wohnen und Leben“ und ist relativ jung. Im August dieses Jahres wurde es von einer im Dezember 2016 gegründeten GmbH in eine AG umgewandelt. Das Grundkapital wurde erhöht, wie das Handelsregister des Amtsgerichts in Bad Homburg ausweist.

Obwohl „W&L“ noch nicht lange auf dem Markt ist, hat es im Main-Taunus-Kreis bereits einige Projekte auf den Weg gebracht. Nach eigenen Angaben konzentriert sich die Firma bislang auf die Städte Bad Soden, Sulzbach, Schwalbach, Eschborn, Kronberg, Bad Homburg, Oberursel, Steinbach, Königstein, Hofheim, Kelkheim und Eppstein. Nun also Lichtenfels.

Firma Claas hat Lichtenfels verlassen

Über weitere Einzelheiten wollen bislang weder der Investor noch die Stadt Lichtenfels derzeit informieren. Die allererste Planskizze des Unternehmens zeigt eine durchgängige Bebauung des Areals nahe der Bahnlinie mit einer Stichstraße, die gegenüber der Kreuzbühlstraße in das Gelände und im weiteren Verlauf um die innere Bebauung führen würde. Die Skizze deutet Ein- und Mehrfamilienhäuser an. Im Süden sind die Schrebergärten eingezeichnet.

„Die Schrebergärten liegen uns am Herzen und wir haben diese in die Planung mit einbezogen“, so Christoph Straube. Auf dem Areal stehen derzeit noch weitere Immobilien. Ein Unternehmen, die Firma Claas Erntetechnik und Traktoren hat – offensichtlich im Zuge des Geländeverkaufs – ihre Zelte in Lichtenfels bereits abgerissen. „Unser Geschäft ist seit dem 31. August geschlossen“, sagt Geschäftsführer Gerhard Bayer von Claas Nordostbayern, dieser Redaktion auf Nachfrage. Das Unternehmen baue in Hollfeld einen neuen Standort. Von dort werde künftig auch das Gebiet in Lichtenfels betreut.

„Es gibt zwei, drei spannende Ansätze.“
Christoph Straube, Investor, Bad Soden

Unternehmer Straube hat mit der Vorbereitung für eine Bebauung nahe eines ehemaligen Bahnhofs bereits Erfahrung gesammelt. Vor wenigen Tagen erst beschloss der Ausschuss für Kultur, Umwelt, Bauen und Soziales des Ortes Bischofsheim (nahe Mainz) das neue Nutzungskonzept für das Gebiet am dortigen alten Bahnhof.

In der Nähe eines Wasserturms sollen laut eines Berichts der „Main-Spitze“ 34 Reihenhäuser sowie ein Mehrfamilienhaus entstehen. Investor ist das Unternehmen Straubes. Das Gelände dort ist 12 000 Quadratmeter groß und gehörte ebenfalls früher der Bahn. In Lichtenfels haben es Stadt und Investor mit einem deutlich größeren Gebiet zu tun: Hier können 42 000 Quadratmeter verplant werden.

Beispiele Coburg und Kulmbach

Gebiete nahe ausrangierter Güterbahnhöfe, die in der Regel zentrumsnah und damit sehr attraktiv für Bauherren sind, gingen in jüngster Zeit auch in Nachbarlandkreisen von der Bahn in andere Hände. Große Pläne gibt es in Coburg: Dort soll am ehemaligen Güterbahnhof in den kommenden zwei Jahrzehnten gleich ein neues Stadtviertel mit dem Schwerpunkt Wissenschaft, Technik und Design entstehen. Der räumliche Zusammenhang mit der Innenstadt ist Vorgabe. Geplant sind laut einer umfangreichen Entwurfsplanung eines Würzburger Architekten- und Stadtplanungsbüros Ansiedlungen für Ingenieurdienstleistungen, Designlabors, Forschungseinrichtungen und Institute sowie Gründerzentren sowie Mediennetzwerke.

Coburgs Oberbürgermeister spricht von einem Filetstück der Stadtentwicklung. Derzeit wird für die Erschließung eine Brücke über die Itz zum Gelände gebaut. In Kulmbach erwarb die dortige Kulmbacher Brauerei bereits vor drei Jahren das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof. Das Unternehmen konnte so zwei Produktionsbereiche verbinden, wie Vorstandssprecher Markus Stodden damals laut „Nordbayerischer Kurier“ sagte.

Untersuchungen wegen Altlasten

Bevor auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände losgelegt werden kann, muss das Areal eventuell noch von Altlasten befreit werden. Wie das OT bereits ausführlich berichtet hat, laufen seit längerem schon Bodenuntersuchungen. Sie sind noch nicht abgeschlossen, wie der frühere Eigentümer, die DB, auf Nachfrage berichtete.

Das Landratsamt koordiniert das Verfahren. Derzeit laufe noch die ergänzende Detailuntersuchung, die seitens des Wasserwirtschaftsamtes in Kronach aus fachlicher Sicht gefordert worden sei. Eventuell wolle die Deutsche Bahn noch Grundwassermessstellen errichten, antwortet Pressesprecher Andreas Grosch von der Kreisverwaltungsbehörde.

„Erst im Herbst 2017 ist mit abschließenden Ergebnissen zu rechnen“, so Grosch weiter. Ob und in welcher Form eine Beseitigung von Altlasten erforderlich werde, könne erst nach Vorliegen der ergänzenden Detailuntersuchung und Beteiligung der entsprechenden Fachbehörden festgelegt werden.