SCHNEY

„Impulsgeber“ läutet neue Ära ein

Was wäre Deutschland ohne seine Maschinenbauer? Über eine Million Beschäftigte arbeiten hierzulande in diesem Industriezweig. 2016 brachten es die Unternehmen auf einen Umsatz von insgesamt 220 Milliarden Euro. Milliardenschwer ist auch der Werkzeugbau mit seinen vielen klein- und mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Um in diesen Branchen Zeichen zu setzen, reicht kein Mittelmaß. Durchschnittliches war in den vergangenen Jahren auch im Schneyer Familienunternehmen Hofmann Werkzeugbau nicht das Ziel.

Die 1958 gegründete Firma gilt seit langem national und international als einer der renommiertesten Dienstleister für die kunststoffverarbeitende Industrie. Vor einigen Wochen hat das Unternehmen eine neue Ära eingeläutet. Und zwar gründlich. Ein neuer Name, ein neues Logo, neue Hausfarben: Das sind die äußeren Zeichen. Hofmann Werkzeugbau ist schon länger nicht mehr nur Werkzeugbau. Das Unternehmen macht sich zunehmend auch als Maschinenbauer einen Namen. Und es nutzt seine Erfahrung, um seine Position als Partner in Forschung und Entwicklung auszubauen. Das neue Selbstverständnis drückt die Firma in ihrem neuen Namen aus: „Hofmann - Ihr Impulsgeber“. Es ist ein außergewöhnlicher und auch mutiger Firmenname, Ausdruck für eine sich wandelnde Firmenphilosophie.

Ziel: Systemlieferant werden

„Impulse geben heißt für uns, mit viel Kreativität und Begeisterung komplexe Aufgabenstellungen der Kunden umzusetzen“, sagt der neue Marketingleiter der Firma, Bastian Girg. Beim Redaktionsbesuch erläutert er, was hinter diesem Anspruch steckt. Er zeigt eine Folie, die das Schneyer Unternehmen kürzlich bei einer Pressekonferenz Vertretern deutscher Fachzeitschriften während der Moulding Expo in Stuttgart präsentierte. Hofmann „Impulsgeber“ will Werkzeugbau und Maschinenbau zusammenbringen und vom Lieferanten hochwertiger Werkzeuge zu einem Systemlieferanten werden, so die Aussage auf der neuen internationalen Fachmesse des Werkzeug-, Modell- und Formenbaus. Es geht um die Vereinfachung und Verbesserung von Produktionssystemen. Es geht um Komplettlösungen.

Ein Beispiel: Ein Kunde, der etwa ein Außenspiegelgehäuse für die Automobilindustrie mit einem Werkzeug aus dem Hause „Impulsgeber“ fertigt, hat normalerweise noch weitere Lieferanten, die zum Beispiel Systeme zur Entnahme des Bauteils aus dem Werkzeug oder zum Abtrennen der Angüsse liefern. Ziel des „Impulsgebers“ ist es, als Systemlieferant dem Kunden alles aus einer Hand zu bieten. Das heißt, der Kunde liefert die Spritzgussmaschine, mit der er später die Teile produzieren will, nach Schney.

Dort kümmern sich die Spezialisten des „Impulsgebers“ dann nicht nur um die Integration des Werkzeugs, sondern auch um die Peripherie, zum Beispiel um automatisierte Handling-Systeme. Dass sich der „Impulsgeber“ das alles zutraut, machte er auf der Messe in Stuttgart deutlich. Dort führte das Unternehmen ein selbst entwickeltes, ultraleichtes Greifersystem aus Titan vor, dass durch Ansaugen die Entnahme und den Weitertransport eines Außenspiegels aus einem Werkzeug simulierte.

Auszeichnungen

Der Maschinenbau verändert das Traditionsunternehmen. Etwa ein Drittel der Betriebsfläche gehört inzwischen zu diesem Bereich. Dass die Aufträge für den Maschinenbau beim „Impulsgeber“ gerade in der jüngsten Zeit „sehr stark gestiegen“ sind , hängt natürlich ganz erheblich mit der wenige Meter entfernten 3-D-Firma Concept Laser zusammen, die aus der früheren Hofmann Innovation Group hervorgegangen ist. Schon 2006, als der jetzige „Impulsgeber“ mit dem nationalen Titel „Werkzeugbau des Jahres“ ausgezeichnet wurde, sagte Firmenchef Günter Hofmann auf die Frage, was für das Unternehmen die größte Herausforderung der nächsten Jahre sei: „Die wichtigste technologische Herausforderung ist auf jeden Fall die Weiterentwicklung des Laser-Cusing-Verfahrens.“ Damals lief dieses Verfahren noch unter dem Hofmann-Dach. Später war es Grundstock für die Ausgliederung von Concept Laser.

Laser-Cusing ist ein revolutionäres Schichtbauverfahren, mit dem sowohl Werkzeugeinsätze als auch Direktbauteile für die Branchen Schmuck, Medizin, Dental, Automotive, Luft- und Raumfahrt gefertigt werden. Der boomende Concept Laser ist mit seinen Maschinen-Aufträgen einer der wichtigsten Kunden des „Impulsgebers“, der diese Maschinen in Serie vormontiert. Weitere Maschinenbau-Produkte aus dem Haus des „Impulsgebers“ sind Greifersysteme oder Baugruppen für Verpackungs- und Abfüllanlagen.

Fleißige Kreativabteilung

Die Auftragsbücher im Bereich Werkzeugbau seien seit Jahren gut gefüllt, sagt Bastian Girg. Im ursprünglichen Geschäftsbereich des Unternehmens tauchen Namen von Automobilzulieferern wie Brose seit Jahren auf. Der Haushaltsgerätehersteller Vorwerk gehört dazu. Der „Impulsgeber“ liefert Spritzgießwerkzeuge für die Produktion von Autospiegelgehäusen, für Verblendungen von Thermomixgeräten oder Staubsaugerteilen. Viele weitere passgenaue Formen für Haushaltsgeräte kommen dazu.

Wer die Zukunft nicht verschlafen will, der muss sich an deren Gestaltung beteiligen. Die Kreativ-Abteilung von Hofmann „Impulsgeber“ soll dafür sorgen. Sie hat bereits bei verschiedenen Forschungsprojekten erfolgreich mitgewirkt. Dabei ging es auch um Produkte, die dabei helfen sollen, den Anteil von Leichtbaumaterialien in der Automobilindustrie zu erhöhen.

Gefragter Ausbildungsbetrieb

Das Unternehmen an der Zeil blüht: Der gesamte Firmenumsatz hat sich seit 2012 von 32 auf jetzt 56 Millionen Euro erhöht. Vor allem im Geschäftsbereich Maschinenbau steigt auch der Personalbedarf. Von 2012 bis heute ist die Beschäftigtenzahl von rund 230 auf inzwischen über 350 angestiegen. „Tendenz steigend“, sagt Bastian Girg. Der „Impulsgeber“ ist ein sehr gefragter Arbeitgeber und begehrter Ausbildungsbetrieb. Es gibt momentan Angebote für rund 30 offene Stellen. „Den Bedarf an neuen Fachkräften können wir nicht vollständig vor Ort abdecken“, so Girg. Die Firma bilde momentan 28 junge Menschen aus. Wer die Ausbildung erfolgreich absolviere, habe derzeit sehr große Chancen auf einen festen Arbeitsplatz beim „Impulsgeber“.

Hofmann Impulsgeber

• 1958 Firmengründung durch Siegfried Hofmann in einem Gartenhaus.

• Geschäftsfelder: Werkzeug- und Maschinenbau

• Mitarbeiter: rund 350

• Umsatz: 56 Millionen Euro (2016)

• Firmensitz: Lichtenfels

• Standorte in Spanien, China und Türkei

Kunden in mehr als 25 Ländern

Info: www.hofmann-impulsgeber.de