COBURG/LICHTENFELS

Rachefeldzug endet hinter Gittern

Sie sorgte dafür, dass ihre männliche Internetbekanntschaft zehn Monate wegen angeblicher Vergewaltigung unschuldig in Haft sitzen musste. Jetzt muss sie selbst ins Gefängnis. Eine 42-Jährige, damals im südöstlichen Landkreis Lichtenfels lebende Frau, hatte überzeugend Ermittlungsbeamte, ihren Anwalt und den Staatsanwalt belogen.

Viereinhalb Jahre schickte die Große Strafkammer des Landgerichts Coburg die Frau und Geschichtenerzählerin am gestrigen Donnerstag wegen schwerer Freiheitsberaubung und falscher Verdächtigung hinter Gitter. Einbezogen wurde eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten.

Wie bereits berichtet, hatte die geschiedene Mutter immer wieder Liebschaften via Internet kennen gelernt. Von einigen spendierfreudigen Männern hatte sie in einigen Fällen Geld geliehen, es aber nicht mehr zurück gezahlt. Einen 41-Jährigen hatte sie fälschlicherweise wegen zweifacher, brutaler Vergewaltigung angezeigt, da dieser die Beziehung zu ihr beendet hatte. Da die jammernde Frau überall glaubwürdig und überzeugend auftrat, wurde der Mann aus dem Raum Hannover bis zu seiner Verhandlung für zehn Monate ins Gefängnis gesteckt.

Erst in seinem Prozess im Januar 2012 kamen die Lügen und Intrigen der jetzt Angeklagten ans Tageslicht. Eine ehemalige Internetbekanntschaft hatte sich aufgrund eines Zeitungsartikels über den Prozess gemeldet und erklärt, dass die Angeklagte ihn ebenfalls wegen Vergewaltigung anzeigen wollte. Der 41-Jährige wurde freigesprochen, die schwindelnde Hausfrau auf die Anklagebank gesetzt.

„Sie sind eine große Manipulatorin, eine Betrügerin“, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Amend in seinem Urteil. Die Wahrheitsfindung sei bei Vergewaltigungen stets schwierig, da die Ermittler und das Gericht auf nur einen Zeugen angewiesen seien. Die Angeklagte besitze eine Persönlichkeitsstruktur mit der sie Dinge glaubhaft darzustellen kann. „Am Ende setzt sich die Wahrheit durch“, meinte Staatsanwältin Michaela Heublein. Sie hatte die später verhängte Strafe beantragt. Die Angeklagte habe einen Teil dazu beigetragen, dass die Glaubwürdigkeit anderer wirklich vergewaltigter Frauen leide. „Es ist verachtenswert und strafwürdig“, sagte sie.

„Nach dem Ende der Beziehung begann für meinen Mandanten ein Alptraum“, sagte der Nebenklägervertreter des 41-Jährigen, Till Wagler. Die Angeklagte sei mit der Devise „und bist Du nicht willig dann brauch ich Gewalt“ in den Rachefeldzug marschiert. Alle Personen, die sie getäuscht habe, seien Teil ihres „grausamen Plans“ gewesen. Er forderte das Gericht auf: „Finden sie die richtige Strafe, damit sie Zeit hat nachzudenken und zu bereuen.“

„Selbst ich als Verteidiger habe an eine Vergewaltigung geglaubt“, gab der Anwalt der Angeklagten, Albrecht von Imhoff, zu. Er räumte ein: „Was passiert ist, war schlimm, aber die Dinge sind nun so wie sie sind.“ Er gab zu bedenken: „Ich kann nicht verstehen, wie Menschen sich auf eine Beziehung im Internet einlassen können. Da weiß man doch nicht, wie der andere tickt.“ Der Anwalt wollte noch einmal eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Er bat zu berücksichtigen, dass die Angeklagte nun wieder eine neue Beziehung und Kinder habe und ein neues Leben in Norddeutschland begonnen habe.

In ihrem letzten Wort hatte die Angeklagte schluchzend und weinend erklärt: „Es tut mir wirklich sehr leid. Am liebsten würde ich alles rückgängig machen." Ungerührt und ohne Tränen hörte sie sich den Urteilsspruch an.

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