LICHTENFELS

Herzschrittmacher und Hormone

Das Senioren-Kasperltheater war der Hit für die Bewohner im BRK Wohn- und Pflegeheim „Am Weidengarten“ in Lichtenfels. F... Foto: KAG

Wer bisher der Meinung war, ein Kasperltheater, das sei nur etwas für Kinder, der wurde am Samstag im BRK Wohn- und Pflegeheim „Am Weidengarten“ eines Besseren belehrt. Dort hob sich der Vorhang für ein Senioren-Kasperltheater.

Eine Premiere, der noch weitere Vorstellungen folgen sollen.

Auf Lebenswirklichkeit abgestellt

Entstanden war das Projekt auf Initiative von Birgit Kister, deren Mutter lange Zeit in dem Heim gelebt hatte. Schon ein Jahr zuvor hatte die Michelauerin einen Töpferkurs für die Bewohner angeboten.

Am Samstag war es ein kurzweiliger Nachmittag für die Senioren mit Musik und dem Kasperl. Viele Bewohner hatten sich schon unter der Woche auf die Aufführung gefreut.

Und die begann sehr musikalisch mit „Bratwurst lieb ich sehr“ und einer „Huldigung an die beste Großmutter der Welt“.

Begleitet vom „Tri Tra Trullala“ auf dem Akkordeon des Nachwuchsmusikers Jakob Klein, verschwanden die beiden Theaterspielerinnen Birgit Kirster und Olga Klein hinter der hölzernen Bühne, und der Vorhang hob sich zur Ü80-Party mit Tanz-Tee in Schwabthal. Das Stück war deutlich auf die Lebenswirklichkeit der Senioren abgestellt.

„Die jungen Leute denken immer, nur, weil man nicht mehr so kann, hat man keine Wünsche und Sehnsüchte mehr. Im Gegenteil!“
Kasperls Großmutter

„Wie willst du denn da hin kommen?“ lautete die Frage des Kasperl an seine Großmutter, als er von der Ü80-Party erfuhr. Kein Problem, denn schließlich gibt es doch Taxis, Busse und den BRK-Fahrdienst, und notfalls fährt man per Anhalter.

„Die jungen Leute denken immer, nur, weil man nicht mehr so kann, hat man keine Wünsche und Sehnsüchte mehr. Im Gegenteil!“, verkündete die Großmutter.

Und falls nötig, gibt es ja noch Stützstrümpfe und den Leichtgewicht-Rollator, erklärt die Großmutter dem Kaspar, der das gute Stück leider bereits zum Sperrmüll gestellt hatte.

Ein früherer Verehrer der Großmutter, der ehemalige Räuber Hotzenplotz, muss sich zu seiner mageren Rente einiges als Taxifahrer bei Dütsch dazu verdienen. Er ist noch immer in die strahlend blauen Augen seines Jugendschwarms verliebt.

Ein Tänzchen mit der Großmutter, das wäre der Hit, denkt sich der 89-Jährige: „Wenn sie mit dem Taxi fährt, frage ich sie, ob ich sie begleiten darf.“ Und in der Tat, da der Leichtgewicht-Rollator verschwunden ist, ruft die Großmutter bei „Taxi-Dütsch“ an.

Der Herzschrittmacher und die Hormone spielen verrückt. Der Hotzenplotz ist ein eifriger Tänzer. Er hat schließlich mit 79 noch einen Tanzkurs belegt. So kommen die beiden nach Jahren wieder zusammen.

Gelungene Premiere

„Ich wollte die alten Leute nochmals schmunzeln sehen“, erklärt Birgit Kirster nach der gelungenen Premiere. „Die Senioren freuen sich halt über alles, was Abwechslung in ihren Alltag bringt.“

„Wann kommt die Fortsetzung?“, lautet die Frage aus dem Publikum. „In einem halben Jahr“, tröstet die Autorin. Doch zuvor soll das Stück nochmals beim Seniorenfasching im Lichtenfelser Rot-Kreuz-Haus aufgeführt werden, ebenso im Mehrgenerationenhaus in Michelau und eventuell im Pflegeheim in Bad Staffelstein.

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