LICHTENFELS/EBERN

Zwei Banken haben sich gefunden

Die Vorstandsmitglieder der beiden Genossenschaftsbanken bei der Pressekonferenz: Thomas Lang, Hans-Joachim Autsch, Chri... Foto: Roger Martin

Paukenschlag in der Bankenlandschaft der Region: Aus der Raiffeisen-Volksbank Lichtenfels-Itzgrund und der benachbarten unterfränkischen Raiffeisen-Volksbank Ebern soll eine neue Bank hervorgehen. Die Fusionspläne teilten die vier Vorstandsmitglieder der Genossenschaftsbanken am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Lichtenfels mit. Die beiden Kreditinstitute pflegten seit langem sehr gute Kontakte und seien sowohl in ihrer Geschäftsphilosophie und in ihrer „Kultur“ sehr ähnlich, sagte Vorstandssprecher Christian Senff aus Ebern.

Ertrags- und Kostendruck

Beide Banken seien zwar sehr gesund und könnten auch weiterhin alleine bestehen. Die „dynamischen Veränderungen im Finanzdienstleistungssektor“ – höhere Anforderungen der Kunden, Digitalisierung, demografischer Wandel sowie Ertrags- und Kostendruck – verlangten allerdings neue Weichenstellungen. Ziel des Zusammenschlusses sei eine „sehr starke, mittelständische, genossenschaftliche Regionalbank“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Lang aus Lichtenfels. Der Zusammenschluss zur künftigen Volks- und Raiffeisenbank Lichtenfels-Ebern ist noch nicht in trockenen Tüchern. Das letzte Wort für die neue VR-Bank zwischen Coburg und Bamberg haben die Mitglieder der Vertreterversammlungen, die im Juni dieses Jahres entscheiden sollen. Die Vorstandsmitglieder beider Banken betonten, dass es im Zuge der Fusion bei beiden Banken keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Für Personaländerungen würden nach jetzigem Stand der Dinge „ausschließlich die natürliche Fluktuation und die Möglichkeiten der Altersteilzeit“ genutzt. Neueinstellungen seien weiterhin geplant. Die VR-Bank sei offen für qualifizierten Nachwuchs. Thomas Lang meinte, das vergrößerte Unternehmen werde für junge Fachkräfte attraktiver. Die Spitze der neuen Regionalbank schrumpft indessen von vier auf drei, wenn man die jetzigen Vorstandsmitglieder zusammenrechnet: Hans-Joachim Autsch und Thomas Lang aus Lichtenfels und – als nur noch einziger Vertreter aus Ebern – Christian Senff. Das jetzige zweite Vorstandsmitglied Bernd Bindrum, erst seit kurzem in Ebern im Amt, soll aus Altersgründen im Laufe dieses Jahres ausscheiden. Die Verschmelzung der beiden Genossenschaftsbanken hätte arbeitstechnische Auswirkungen auf Mitarbeiter in den beiden Zentralen.

Die geplante Harmonisierung von Arbeitsabläufen würde dazu führen, dass Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze von Lichtenfels nach Ebern oder umgekehrt verlagern müssten. Die gemeinsame Telefonzentrale zum Beispiel wird in Ermershausen sein, wie Christian Senff auf Nachfrage sagte. Die Vorstandssprecher betonten allerdings auch ihre Einschätzung, dass die Zusammenlegung der Weiterqualifizierung der Mitarbeiter zugute komme. Über die Fusionspläne sind die Mitarbeiter und auch die Vertreter beider Banken im Übrigen jüngst informiert worden.

Es sei eine Fusion zweier Partner auf Augenhöhe, betonte Thomas Lang weiter. Dies belegen die Geschäftszahlen, wenn auch mit leichtem Übergewicht für die Lichtenfelser (siehe Infobox). Neben der gemeinsamen Geschäftsphilosophie sei dies ein wesentlicher Grund für die „Hochzeit“.

„Das ist keine Entscheidung gegen irgendjemanden.“
Thomas Lang, Vorstand Lichtenfels

Dass gerade diese beiden Genossenschaftsbanken zusammengehen, war eines der zentralen Themen der Pressekonferenz. Theoretisch hätte es für die Eberner natürlich auch Fusionen in andere Richtungen geben können, meinte Christian Senff. Und im Landkreis Lichtenfels würden sich Beobachter eventuell fragen, warum nicht ein Zusammenschluss der drei Raiffeisen-Volksbanken am Obermain? „Wir haben uns gesucht und gefunden“, meinte Christian Senff weiter. Es bestehe eine „sehr große Vertrauensbasis“ zwischen beiden Häusern.

Die angestrebte Fusion sei „keine Entscheidung gegen irgendjemanden“, sagte Thomas Lang. Die beiden Banken seien in ihrer Ausrichtung sowie in ihrer Geschäfts- und Kundenphilosophie nahezu „deckungsgleich“, betonte Senf weiter. Dies sei für die Entscheidung ausschlaggebend. Fusionen orientierten sich nicht zuerst an geografischen Gegebenheiten. Das neue Geschäftsgebiet sei „ein natürlicher Wirtschaftsraum“. „Wir definieren keine Grenzen, wir machen keine Strukturpolitik, wir orientieren uns an den Kunden“, ergänzte Bernd Bindrum. Der Eberner zeigte sich sehr angetan von der „digitalen Stoßrichtung“, die mit der Fusion in Gang gesetzt werden soll. Dieses für junge Kunden äußerst zukunftsträchtige Geschäftsfeld sei völlig unabhängig von einem regionalen Bezug. Thomas Lang wies zudem auf die geplante Erhöhung des Eigenkapitals hin, mit der die künftige Regionalbank dank höherer Kreditvolumina größere Kunden als bisher gewinnen wolle.

Vorstände und Aufsichtsräte beider Banken haben der Fusion bereits zugestimmt. Die endgültige Entscheidung trifft der „Souverän“, die Vertreterversammlungen. Am 27. Juni treffen sich rund 200 Delegierte in Ebern. Am Tag darauf kommen etwa ebenso viele in Untersiemau zusammen. 75 Prozent plus eins ist nötig für eine Mehrheit. Zuvor werden die beiden Banken ihre Vertreter ausführlich informieren. Wenn alles läuft, wie die Vorstände und Aufsichtsräte hoffen, dann soll die technische Verschmelzung der beiden Banksysteme am 25. November dieses Jahres stattfinden.

Eckdaten der neuen Bank

Bilanzsumme: 742 Millionen Euro (Lichtenfels: 421 Millionen, Ebern: 321 Millionen).

Betreutes Kundenanlagevolumen: 937 Millionen Euro.

Betreutes Kundenkreditvolumen: 405 Millionen Euro.

Kunden: 46 800.

Mitglieder: 20 000 (Lichtenfels: 11 000, Ebern: 9 000).

Mitarbeiter: 205 (Lichtenfels und Ebern etwa gleich stark).

Geschäftsstellen: 18 (zuzüglich einer Selbstbedienungsstelle).

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