SIEGEN/BURGKUNSTADT

Ein "Langer" Traum geht in Erfüllung

Intensive Momente auf der Bühne, live und ohne Playback: „Klangfeder“ um den Burgkunstadter Udo Langer (re.) beim Deutsc... Foto: Markus Häggberg

Samstagabend, gegen 23.30 Uhr – ein „Langer“ Traum geht in Erfüllung: Udo Langers Band und Projekt Klangfeder gewinnt beim hochrangigen Wettbewerb „Deutscher Rock&Pop Preis“ den Ersten Preis für „Beste deutschsprachige CD-Produktion“. Ein Happy-End bei schlechten Vorzeichen in der berühmten Siegerlandhalle für den Künstler aus Burgkunstadt.

Als Udo Langer in der Nacht zum Samstag aufwachte, habe er einen Gedanken gehabt: Heute ist der Tag! Einen Morgen und ein Aufwachen später fragt er sich, ob Wahrheit oder Traum? Eine Gratulantenflut bei Facebook klärt ihn zur Wirklichkeit auf.

Auch „Pur“ war Preisträger

Seit 1986, als Pur den Deutschen Rock und Pop Preis gewannen, sei auch Langer dieser Preis in den Blick geraten, aus dem Blick geraten, doch im Hintersinn bewahrt geblieben. Hinter dem Preis stehen die Deutsche Popstiftung, der Deutsche der Deutsche Rock & Pop Musikerverband e.V. Er gilt als höchstrangig.

Vor acht Wochen, ungefähr, öffnete Langer seinen Briefkasten und erhielt die Einladung zur Verleihung nach Siegen zu kommen, samt Erklärung, dass seinem Projekt Klangfeder und seiner CD „Hellwach“ in drei Kategorien Auszeichnungen in Aussicht stehen. Er musste sich setzen, durchatmen.

Doch ab da stiegen ein paar unglückliche Sterne auf: Stammsaxofonist Walter Wachter sollte gesundheitlich angeschlagen ausfallen, ein Kurztext zur Anmoderation der Band auf der Bühne wird verloren gehen und nur wenige Stunden vor dem Auftritt schwillt Sänger Langer der Hals an. Rückblende: Samstagmorgen, 5 Uhr, baldiger Einstieg in den für 20 Personen ausgelegten gecharterten Bus. Drummer Andi Herold nimmt ein kleines Pad mit, auf dem er mit Sticks trommeln kann. Udo Langer hat ein Mini-Keyboard dabei und Gitarrist Marco Hofmann seine Gitarre. Zusteigen wird ihnen Viktor Neuwert aus Nordhalben, studierter Musiker, Saxofonist. Geprobt haben die vier gemeinsam noch nie.

Bandprobe im Bus

Erst kurze Zeit vorher bekam Langer den Tipp, dass es Neuwert gibt, dass er es mit ihm versuchen solle. So ist man nun also gemeinsam in diesem Bus auf der Fahrt nach Siegen. Auf halber Strecke entscheidet man sich zur ersten und letzten gemeinsamen Bandprobe. Es klappt, Neuwert beeindruckt bei seinem Solo mit einem gekonnt weichen Einschwington, der Rest ist Sache der Technik. Als man vor der Siegerlandhalle zu stehen kommt, beeindruckt die durch ihre Größe.

4000 Plätze, enorme Bühnentechnik und ein bald einsetzendes Mammutprogramm an dutzenden nominierten vortragenden Bands und Solisten unterschiedlicher Kategorien, denen fünf Minuten für Aufbau und Abbau, Vorstellung und Lied gewährt wird. Harter Zeitplan, eine Herausforderung auch für Kritiker, die sich abwechseln müssen.

Sie selbst alle samt Musiker beziehungsweise aus dem Musikbusiness. Unter einer Lampe sitzend und im Rücken des Publikums, bewerten sie nach Kategorien wie Komposition, Originalität oder Text die Güte des Dargebotenen. 14 Kritiker. 14 Nothelfer? Dann, nach stundenlangem Warten der Auftritt von Klangfeder. Die Band zog sich vorher in einen Raum Backstage zur Sammlung zurück, ist aufgeregt, steht nun hinter dem Bühnenvorhang und erfährt von der Moderatorin, dass diese nichts über sie weiß. Der Text zur Vorstellung ist im Irgendwo verloren gegangen. Dann der Auftritt und dem Saxofonisten gehen ein, zwei Töne verloren. Lag es am Mundstück, an der Nervosität?

Die Jury war trotzdem begeistert, schon vom ersten Takt an. Wer zu ihr blickte, sah hellwache Aufmerksamkeit. Ein gutes Omen, da an diesem Tag selten. Dann wieder warten bis zur Preisverleihung auf der Bühne.

Zwei zweite Plätze vorab

In den Kategorien Bestes Album-Design erhält Udo Langer den 2. Platz. In der Kategorie Bester Folk-Rock-Song ebenfalls. Und dann die Krönung: Die beste deutschsprachige CD 2016 ist laut Jury „Hellwach“ von Udo Langer beziehungsweise Klangfeder. Es ist die für Udo Langer bedeutendste Disziplin, die, auf die er hingearbeitet hat. Mit Preisträgern für Filmmusik, Kinderlieder, Progressive Rock, Elektropop, Musical, Schlager, Funk und Soul steht man auf der Bühne genießt den Applaus.

Gegen 0 Uhr kommt der Bus. Die Freude ist noch wach, aber der Tag hat müde gemacht. Die Band, Begleitungen und die Bühnentechniker Daniel Baier und Daniel Petterich rollen durch die Nacht. Irgendwann übermannt sie der Schlaf.

Sonntagmittag, Anruf bei Langer. Er nimmt ab. Der Preis eine späte Genugtuung? „Ja“, sagt er sofort und ergänzt, dass er schon als Elfjähriger in einer solchen Halle, auf einer solchen Bühne spielen wollte. Und er glaubt, dass der Preis in Zukunft „womöglich einiges leichter machen könnte“.

Udo Langer (li.), Viktor Neuwert, Marco Hofmann und Andi Herold sind Gewinner eines bedeutenden Preises. Nach ihrem gelu... Foto: Markus Häggberg

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