LICHTENFELS

Teamplayer und Naturliebhaber

Polizeirat Alexander Rothenbücher, der neue Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels (li.), im Gespräch mit Dienstgruppe... Foto: Markus Drossel

„Ich schätze es, helfen zu können. Und ich mag es, wenn jeder Tag anders ist, dass man morgens nie weiß, was tagsüber passiert“, sagt Alexander Rothenbücher über seinen Beruf. „In der Tat wollte ich schon als Kind aus genau diesen Gründen Polizist werden, wie mein Cousin. Polizist war mein allererster Berufswunsch!“ Trotzdem sollte erst einmal alles anders kommen. Seit 1. November ist der 40-jährige gebürtige Unterfranke Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels. Für ihn war eine Arbeitsstelle in Oberfranken eine Herzensangelegenheit.

Der Berufswunsch kam für dessen Vater und Mutter unvermittelt. „Bei uns in der Verwandtschaft gab es nicht so viele Polizisten, so hatten meine Eltern Sorgen, dass es ein sehr gefährlicher Beruf sei“, erinnert sich der gebürtige Alzenauer. „Und so habe ich mich zunächst aufgrund meiner schulischen Bildung – ich belegte an der Realschule den kaufmännischen Zweig – für eine kaufmännische Ausbildung entschieden.“ Er schloss die Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann auch ab, „jedoch merkte ich schon gegen Ende der Ausbildung, dass ein reiner Bürojob nichts für mich ist, weil ich das für mich als zu langweilig empfinde. Ich mag den Kontakt mit Menschen, deswegen habe ich mich schon vor Abschluss der Lehrzeit bei der Polizei beworben.“ Zwei Wochen, nachdem er den Gesellenbrief in der Hand hielt, begann direkt die nächste Ausbildung.

Auch wenn Alexander Rothenbücher aus dem unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg stammt: Sein Herz gehört längst dem Nachbarbezirk Oberfranken. „Ich wohne seit 1999 in Oberfranken“, erklärt der 40-Jährige. Nach dem Dienst bei der Bereitschaftspolizei Nürnberg versah er selbigen bei der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, ehe er zur Kriminalpolizei Bayreuth und später ins Polizeipräsidium Oberfranken wechselte. Im Jahr 2013 war er für ein halbes Jahr Pressesprecher des Polizeipräsidiums. „Dann bekam ich die Möglichkeit eines zweijährigen Studiums an der Hochschule der Polizei, zunächst in Fürstenfeldbruck und im zweiten Jahr in Münster.“ Ende September war Rothenbücher damit fertig. „Dann wollte ich unbedingt zurück nach Oberfranken“, sagt er. Dass Willibert Lankes als Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels in den Ruhestand ging und ein Nachfolger gesucht wurde, war ein Glücksgriff für den gebürtigen Alzenauer.

Im gegenseitigen Miteinander

„Ich arbeite gerne mit Menschen, bin sehr personenbezogen und ein absoluter Teamplayer“, beschreibt der 40-Jährige sich selbst. Gerade die tägliche Polizeiarbeit funktioniere nur im gegenseitigen Miteinander und fuße auf einem uneingeschränkten Vertrauensverhältnis. Deswegen arbeitet Rothenbücher mit seinem Stellvertreter Ralf Fenderl und seinen Dienstgruppenleitern der Polizeiinspektion Lichtenfels vom ersten Tag an eng zusammen.

Als wissbegieriger und ehrgeiziger Typ hat der 40-Jährige beruflich schon viel erreicht. Es gibt nicht viele Polizisten im Bezirk Oberfranken, die den Dienstgrad Polizeirat führen dürfen. Ein goldener Stern auf Rothenbüchers Schulterklappen zeigt die „vierte Qualifikationsebene“, wie es im Beamtendeutsch heißt. Höherer Dienst, wie es früher hieß. Der 40-Jährige aber gibt sich bodenständig und bescheiden: „Ich bin ein Praktiker, freue mich, wieder in der Praxis angekommen zu sein. Eine Dienststelle, die nicht so groß ist, hat den Vorteil, dass man sich persönlich kennt und persönlicher miteinander umgeht. Man hat also eine engere Beziehung zu den Kollegen.“ Und da spielen Amtsbezeichnungen nur selten eine große Rolle.

Der Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Lichtenfels ist eher übersichtlich. Für den engagierten neuen Leiter bedeutet es aber dennoch, dass er viel lernen muss. „Natürlich kenne ich schon einige, längst aber noch nicht alle Orte im Landkreis“, sagt er mit einem Lächeln. „Gleiches gilt für die Ansprechpartner in den Gemeinden und Behörden.“ Sowieso habe er in den ersten Tagen seit Amtsantritt viele organisatorische Aufgaben, weshalb er noch nicht so viel außerhalb der Dienststelle unterwegs sei. Das aber wolle er schnellstmöglich ändern: „Es ist wichtig für einen Polizisten, den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen und ihre Befindlichkeiten zu kennen.“

Einen wichtigen „Vertreter“ des Landkreises kennt der 40-Jährige bereits: den „Berg der Franken“. „Auf dem Staffelberg war ich schon zweimal“, sagt er im Gespräch. Allgemein liebt der Vater dreier Kinder es, in der freien Natur zu sein. Egal, ob im Garten vor seinem Häuschen im Landkreis Forchheim oder bei Spaziergängen und Wanderungen: Im Grünen kann sich Alexander Rothenbücher trefflich entspannen und ein wenig abschalten. „Und ich kann mir gut vorstellen, im Frühjahr auch einige Ausflüge mit meiner Familie in den Landkreis zu machen.“ Denn wohnen wird der 40-Jährige auch weiter im Forchheimer Kreis. „Hier sind meine Familie und ich fest verwurzelt“, begründet er. „Außerdem wissen meine Kollegen, dass sie mich immer anrufen können, sollte etwas sein. Dann bin ich auch schnell vor Ort.“ Sowieso sei er in der Inspektion sehr herzlich aufgenommen worden und werde in allen Bereichen hervorragend unterstützt. „Da ich alle Laufbahnen durchschritten habe, vom Streifenbeamten bis jetzt zum Dienststellenleiter, habe ich auch alle Aufgabenbereiche kennengelernt. Das ist ein Vorteil.“ Und so gebe es auch keinerlei Akzeptanzprobleme unter den rund 70 Kollegen der Polizeiinspektion, auch wenn manch einer älter sein und länger Dienst tun sollte als der neue Chef.

Willkommener Ausgleich

Um sich fit zu halten, geht der gebürtige Alzenauer in seiner Freizeit auch gerne laufen oder schwimmen. „Früher spielte ich auch etwas Fußball, aber diese Zeiten sind vorbei“, sagt er. Seine Familie mit den drei Kindern sind im Zweifel einfach wichtiger. Sie ist der willkommene Ausgleich zum nicht immer einfachen Polizeialltag.

„Es gibt Situationen, aus denen kann man lernen, man kann sie aber nie gewöhnen“, meint er. Das Überbringen von Todesnachrichten zum Beispiel. Oder an Unfallstellen nichts mehr für die Opfer tun zu können. Oder wenn Kinder in Vorfälle involviert sind. „Da macht man sich natürlich seine Gedanken, muss aber professionell damit umgehen.“

Mit allem rechnen

Meist aber überwiegen im Polizeialltag die erfreulichen Erlebnisse. „Es ist immer schön, seiner Rolle als Freund und Helfer gerecht werden zu können“, betont Rothenbücher. „Im ländlich geprägten Bereich ist der Respekt vor der Polizei im Großen und Ganzen noch vorhanden, was mich sehr freut.“ Wenngleich ein Polizist, der zum Einsatz gerufen werde, zu jeder Zeit mit allem rechnen müsse.

Der gebürtige Unterfranke Alexander Rothenbücher fühlt sich in Oberfranken pudelwohl. Foto: Markus Drossel

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