LICHTENFELS

Viele Gesichter und Facetten

Das Interesse an der Ausstellung war groß. Foto: Gerda Völk

Eine weißhaarige Frau inmitten des Polizeiaufgebots einer Demonstration, ein alter Mann mit Pusteblume, ein freundlich dreinblickendes Paar, dessen Gesichtszüge sich im Laufe der gemeinsam verbrachten Jahrzehnte aneinander angeglichen haben, eine ältere Frau auf einem Motorrad, der triste Flur eines Altersheim und ein Ausschnitt aus der Alterspsychiatrie: Die Motive der Wanderausstellung „Was heißt schon alt“, die am Mittwoch in der Schalterhalle der Lichtenfelser Hauptstelle der Sparkasse Coburg-Lichtenfels eröffnet wurde, zeigt ein neues und differenziertes Bild vom Alter. Sie zeigt auch, dass das Älterwerden im Gegensatz zu früher heute viele Gesichter und Facetten hat.

„Die Ausstellung will den Betrachter anstoßen, darüber nachzudenken, wie die Menschen in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft zurechtkommen und ihren Alltag selbstbestimmt leben können“, sagte Joachim Wegner in seiner Einführung. Das Evangelische Bildungswerk hat die Ausstellung nach Lichtenfels geholt.

Zwölf Stellwände

Auf zwölf Stellwänden werden Bilder gezeigt, die im Rahmen verschiedener Wettbewerbe entstanden sind, zu denen das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgerufen hatte. Die in der Gesellschaft vorherrschenden Altersbilder entsprechen oft nicht den vielfältigen Lebensentwürfen und Stärken der älteren Menschen.

Gezeigt werden Bilder, die zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln anregen. Wie beispielsweise das Bild, das eine weißhaarige Seniorin mit Rollator neben einen gelben Sportwagen mit offenem Verdeck zeigt. Auf einem anderen ist ein Mann zu sehen, der im Freien mit seinem Enkel spielt und ihn dabei in die Luft hebt. Vor Lebensfreude sprüht auch die Aufnahme einer Frau, die auf einem gelben Motorrad sitzt.

Auch die Kehrseite der Medaille ist zu sehen. „Fenster der Alten“ hat der Fotograf seine Aufnahme betitelt, die eine alte Frau zeigt, die im Bett liegend durch das Dreieck ihres Aufrichtgriffs blickt. Ein weiterer Fotograf hat die Trostlosigkeit eines Altenheimflurs im Bild festgehalten.

Die Ausstellung wirft auch die Frage auf: Ab wann beginnt das „Alter“? Auch darüber ist einiges zu erfahren. 72 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren sagen, dass es viel mit dem Aussehen zu tun hat, ob man von anderen als alt angesehen wird. Und Menschen über 70 Jahre fühlen sich durchschnittlich 13 Jahre jünger, als es ihren Lebensjahren entspricht. Und mehr als ein Drittel der 70- bis 80-Jährigen treibt einmal in der Woche Sport.

„Gerade in dieser Lebensphase bietet sich Gelegenheit, vieles von dem zu verwirklichen,

was in den Jahrzehnten zuvor nicht möglich war.“

Joachim Wegner,

Evangelische Bildungswerk

„Gerade in dieser Lebensphase bietet sich Gelegenheit, vieles von dem zu verwirklichen, was in den Jahrzehnten zuvor nicht möglich war“, stellt Joachim Wegner fest. Auch beim Älterwerden könne es sinnvoll sein, eine persönliche Zwischenbilanz zu ziehen und sich nach seinen künftigen Zielen zu hinterfragen. Wie sagt doch ein spanisches Sprichwort: „Wer alt werden will, muss beizeiten anfangen.“

Die Ausstellungseröffnung wurde vom Flötenensemble des evangelischen Bildungswerks unter der Leitung von Dorothea Lintzmeyer musikalisch bereichert.

Ausstellungsdauer: Die Wanderausstellung ist noch bis zum 10. Oktober in der Schalterhalle der Lichtenfelser Hauptstelle der Sparkasse Coburg-Lichtenfels (Kronacher Straße) zu sehen.

Für Oliver Hofmann von der Sparkasse (li.) und Joachim Wegner ist das Bild mit der weißhaarigen Frau inmitten einer Demo... Foto: Gerda Völk

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