LICHTENFELS

Von Brummis und Ruhestörungen

In fragwürdigem Zustand: die Bayernstraße in Oberwallenstadt.

Die Beschränkung des zulässigen Höchstgewichts bei der Durchfahrt durch Marktzeulns historischen Kern wird immer wieder ignoriert. Die Ampelschaltung an der Unterführung in der Coburger Straße in Lichtenfels scheint fehlerhaft. Und die vom Landrat angedachte E-Kart-Bahn am Kordigast ist erholungssuchenden Wanderern ein Dorn im Auge. Die Themen am OT-Lesertelefon waren vielschichtig.

Mitte Oktober 2015 wurde der Schwerlastverkehr aus dem historischen Ortskern von Marktzeuln verbannt. Seither müssen Brummis über zwölf Tonnen das Dorf an der Rodach weiträumig umfahren. Doch längst nicht jeder Lasterfahrer hält sich an diese Anordnung. „Wir wohnen in den Obergeschossen eines Fachwerkhauses direkt an der Hauptstraße, die Teil der Staatsstraße 2191 ist. Wenn ich am Fenster stehe, kann ich so einige Laster beobachten, die eigentlich nicht durch Marktzeuln fahren dürften“, sagt eine Anruferin am OT-Lesertelefon.

Die geringe Strafe für diese Ordnungswidrigkeit sei manchem Lasterfahrer wohl egal, mutmaßt sie. Vor allem ärgert sie sich über heimische Unternehmen, die trotz Tonnagenbeschränkung durch Marktzeuln fahren. Etwas Nachsicht hat sie mit ortsfremden oder gar ausländischen Brummifahrern. „Das große weiße Schild aus Richtung Horb beispielsweise ist schwer zu lesen, enthält viel zu viel Text“, meint sie. Wer sich auf den Verkehr konzentriere, übersehe die Informationen leicht. „Besser wäre es, den roten Kreis auf weißem Hintergrund und den zwölf Tonnen gleich auf die Bundesstraßenschilder zu setzen.“ Das habe sie auch schon beim Staatlichen Bauamt vorgebracht.

Wenn schwere Laster durch den engen Ortskern rattern, dann klirren schon mal die Gläser im Schrank oder auf der Spüle. „Darunter leidet die Substanz der ganzen Fachwerkhäuser“, erläutert sie. Von Sicherheitsaspekten ganz zu schweigen. „Ich würde mir wünschen, wenn die Polizei häufiger kontrollieren würde“, sagt die Zeulnerin. Die Leserin würde sich auch wünschen, dass die Strafen bei Missachtung höher wären.

„Die angeordnete Tonnagebeschränkung bezieht sich nicht auf das zulässige Gesamtgewicht, sondern auf die tatsächlichen Gewichte der Fahrzeuge, und zwar bei Lastzügen oder Sattelzügen jeweils auf die Einzelfahrzeuge“, erläutert Polizeihauptkommissar Jürgen Kremer von der Polizeiinspektion Lichtenfels. „Das heißt, es sind jeweils das wirkliche Gewicht des Lasters und des Anhängers beziehungsweise der Sattelzugmaschine plus Aufliegelast und des Sattelaufliegers gesondert zu prüfen.“ Also zwei Mal zwölf Tonnen maximal. Deshalb würden viele der fraglichen Fahrzeuge bei Leerfahrten oder bei Fahrten mit leichter Ladung die Beschränkung nicht überschreiten. „Dies wurde auch bei unseren regelmäßigen Kontrollen festgestellt.“

Erster Bürgermeister Gregor Friedlein-Zech betont, dass „nach nun neun Wochen Sperrung der Schwerlastverkehr durch den Ortskern von Marktzeuln deutlich nachgelassen hat. Es ist schwierig zu erkennen, ob ein Laster durchfahrtsberechtigt ist oder nicht. Bei Kontrollen wurde festgestellt, dass sehr große, augenscheinlich nicht durchfahrtsberechtigte Fahrzeuge unbeladen waren und dass das Leergewicht knapp unter zwölf Tonnen lag.“ Ein zusätzlicher Hinweis auf den großen gelben Hinweistafeln wäre auch nach Ansicht Gregor Friedlein-Zechs eine Verbesserung, „da Verstöße überwiegend von ausländischen Lastkraftwagen zu beobachten sind, vor allem in der Nacht.“

„Die wegweisende Beschilderung oder die Bundesstraßennummernschilder dienen grundsätzlich nicht dazu, weitere Informationen wie beispielsweise Verkehrseinschränkungen auf einer Strecke aufzunehmen“, antwortet Ute Becker vom Staatlichen Bauamt Bamberg. Aus Sicht des Amtes sei die derzeitige Beschilderung ausreichend.

Es gibt übrigens auch Ausnahmegenehmigungen der Tonnagenbeschränkung, die „in wenigen begründeten Einzelfällen“ erteilt wurden, informiert das Landratsamt als zuständige Behörde. Beispielsweise für Landwirte und den Betreiber des nahen Kieswerks.

Rotlicht ohne Grund?

Seit der Renovierung der Unterführung in der Coburger Straße vor rund einem Jahr ist die Zufahrt durch eine Ampel geregelt. Fährt ein Laster oder (Stadt-)Bus unter der Bahn durch, schaltet die Anlage auf der Gegenseite auf Rot. Doch immer wieder beobachten Passanten, dass die Ampelanlage die Unterführung aus ihnen nicht ersichtlichen Gründen sperrt. Ein Anrufer am OT-Lesertelefon hat die Vermutung, dass vielleicht schon wieder ausfahrende breite Fahrzeuge den Sensor auslösen könnten – und so in der Folge die Ampel an der Unterführung Rot zeige. „Hat die Stadt denn schon einmal daran gedacht, die Ampelschaltung zu überprüfen?“, fragt er an.

Lichtenfels‘ Stadtbaumeister Jürgen Graßinger bedankt sich für den Hinweis. „Wir werden die beiden Scanner für die Signalisierung an der Unterführung bei der nächsten Wartung dahingehend überprüfen lassen, ob diese korrekt eingestellt sind beziehungsweise auslösen.“

Aus allen Wolken fiel Theresia Baier aus Pfaffendorf, als sie kurz vor Weihnachten in „ihrem“ Obermain-Tagblatt vom Ansinnen des Landrats Christian Meißner las, am Kordigast auf einem Grundstück der Gemeinde Altenkunstadt eine E-Kart-Bahn zu errichten. „Das würde unseren Kordigast verschandeln“, meint sie am OT-Lesertelefon. „Der Landrat möchte den Kordigast aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Aber gerade der ist es, der Leute dorthin kommen lässt, die Ruhe suchen.“ Für sie wäre eine E-Kart-Bahn eine Geldverschwendung und ein Frevel an der schützenswerten Natur. „Bei der E-Kart-Bahn am Kordigast handelt es sich mehr oder weniger um eine Art Geschicklichkeitsparcours, der insbesondere im Bereich des Parkplatzes – bei der Schürfstelle – entstehen soll“, heißt es aus dem Landratsamt. Der Wunsch sei von den Bürgermeistern Burgkunstadts, Altenkunstadts und Weismains an den Landrat herangetragen worden. „Aus dem Projekt erwächst natürlich eine besondere Verantwortung, den Bereich Ruhe und Natur mit einem Angebot für Familien in Einklang zu bringen. Landrat Meißner ist es durchaus bewusst, dass man hier sehr behutsam vorgehen muss.“ Deshalb sei auch die Umweltstation eingebunden.

Piktogramme fehlen

OT-Leser Werner Diefenthal begrüßt es, dass es vielerorts in Oberwallenstadt, beispielsweise in der Danziger Straße oder der Artur-Weinbeer-Straße, Piktogramme auf den Asphaltdecken der Straßen aufgebracht wurden, die den Verkehrsteilnehmer auf die Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern hinweisen. „Von der Bayernstraße kommend in den Theresienweg allerdings fehlt das noch“, sagt er. Seiner Meinung nach wäre das eine wichtige Ergänzung. „In der Bayernstraße ist wenigstens noch eine halbe 30 zu sehen“, fügt der OT-Leser augenzwinkernd an. „Der Zustand der Bayernstraße ist sowieso nach wie vor eine Katastrophe, ist völlig indiskutabel.“

Stadtbaumeister Jürgen Graßinger antwortet: „Wir beabsichtigen, im Frühjahr 2016 die Piktogramme und Markierungen im angesprochenen Bereich zu erneuern beziehungsweise zu ergänzen.“

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Nadelöhr: Durch Markzeuln zwängt sich nach wie vor so mancher Laster, der aufgrund der Tonnagenbeschränkung hier nicht f... Foto: Markus Drossel

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