LICHTENFELS

Für eine „Energiewende von unten“

In der ehemaligen Synagoge: Landesbeauftragter Richard Mergner vom Bund Naturschutz erwies sich als kompetenter Referent... Foto: Klaus Gagel

Es war nicht das klare „Wir schaffen das“ der Kanzlerin, sondern ein eher abwägendes „Die Energiewende ist möglich“ das in dem Vortrag von Richard Mergner am Montagabend in der ehemaligen Synagoge mitschwang. Mergner ist der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz in Bayern und er erwies sich als überaus sachkundig als es um den „Atomausstieg und die Energiewende in Bayern – Aktuelle Herausforderungen und Widerstände“ ging.

Mit Blick auf die regionale Situation sprach der Vorsitzende der Lichtenfelser Kreisgruppe, Anton Reinhardt, im Landkreis von „ersten kleinen zaghaften Schritten in eine gute Richtung.“ Von energieautarken Kommunen oder gar einem energieautarken Landkreis sei man jedoch noch weit entfernt. Zahlreiche BN-Mitglieder waren gekommen, die Besucherzahlen der Nichtmitglieder hielt sich jedoch in Grenzen. Bei den hochrangigen politischen Vertreter herrschte Fehlanzeige.

„Die Zukunft liegt in

einer dezentralen

und kommunalen

Energieversorgung.“

Richard Mergner, Bund Naturschutz

Den ungelösten Fragen und den gravierenden Folgelasten, die die Gewinnung von Atomstrom und die Braunkohleverstromung in Welzow Lausitz noch für viele folgende Generationen hinterlassen, stellte Mergner die Belastungen durch eine Windkraftanlage gegenüber. Stets gehe es um eine sinnvolle Abwägung in der Energiepolitik.

Mit der Kampfansage „der Strompreis steigt“ werde der Eindruck erweckt, als ob die Energiewende nicht finanzierbar sei. Gleichzeitig erhielten die Betreiber für die Stilllegung einiger Kohlemeiler jährlich rund 230 Millionen Euro. „Das heißt, wir zahlen dafür, dass Konzerne darauf verzichten, mit ihrem Kohlendioxid-Müll das Klima zu verändern.“ Zu solchen Fehlentscheidungen trägt auch die Verflechtung im Bereich der Energieerzeugung bei.

„Alle politischen Fehlentscheidungen der früheren Jahre müssen korrigiert werden“, forderte der Referent. So seien die Entsorgung und der Abbau von Atomkraftwerken „auf Pump“ aufgebaut. Die jetzt entstehenden Folgelasten seien nie in den Strompreis eingepreist worden. Ebenso sprach Mergner auch die Abhängigkeiten Deutschlands von den Öl- und Gaslieferanten des Auslands an.

Man müsse in der energetischen Modernisierung von Gebäuden. Damit leitete Mergner über zu dem von Bund Naturschutz geforderten Energie-Dreisprung: Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Inzwischen werden in Bayern 35 Prozent des Verbrauchs aus erneuerbaren Energien gewonnen. Das lässt auch die großen Energieerzeuger händeringend nach neuen Geschäftsmodellen suchen, etwa in der Wartung von Photovoltaikanlagen, die man vor Jahren noch belächelt hat.

So macht sich der Bund Naturschutz dafür stark, mit der längeren Nutzung von energieeffizienten Geräten (beispielsweise Kühlschränke oder die Erneuerung von Heizpumpen) eine höhere Energieeffizienz zu erreichen. Was die erneuerbaren Energien anbelangt, setzt man auf Windkraft, Photovoltaik und Bioenergie, wobei es bei letzterer auch Grenzen gebe. Ein weiterer Ausbau von Wasserkraftwerken sei in Bayern wenig sinnvoll.

Gleichzeitig wiederholte Mergner die Forderung des Bund Naturschutz nach einem dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energie unter Berücksichtigung der ökologischen Leitplanken. Schon heute stellten Städte wie Hof oder Neustadt/Aisch ihren gesamten Strom aus erneuerbaren Energien her. Kritik äußerte er an der 10 H-Abstandsregelung bei Windkraftanlagen in Bayern. So sei die verfügbare Fläche auf nur noch 0,05 Prozent zusammengeschrumpft. Auch die drei Korridore für die Hochspannungsleitungen begünstigten lediglich die Großstrukturen, wie man sie aus Zeiten des Atomstroms kenne, so Mergner. Er sprach sich für eine Nutzung der frei werdenden Leitungskapazitäten aus, die sich aus dem Atomausstieg ergeben.

Nur schwer durchzusetzen

Die Zukunft liegt in einer dezentralen und kommunalen Energieversorgung“, zeigte sich Richard Mergner überzeugt. Leider sei dieser Ansatz politisch teilweise nur schwer durchzusetzen, da Bayern damit auch die Interessen anderer Bundesländer tangiert.

Zum Energiekonzept der Zukunft gehört die Kraftwärmekopplung im Großen wie im Kleinen. Als leuchtendes Beispiel nannte er Bad Alexandersbad, wo durch ein Biomasseheizkraftwerk und ein Nahwärmenetz eine enorme Energieeinsparung erreicht wurde.

„Wir brauchen die politischen Rahmenbedingungen, dass wir im ganzen Land eine derartige Energiepolitik machen können, und es wäre ein erhebliches Konjunkturprogramm für den ländlichen Raum, wenn in dieser Art und Weise investiert werden würde, dezentral und kommunal.“

In der abschließenden lebhaften Diskussion ging es auch um die Frage der Energiespeicherung, die die entsprechende Versorgungssicherheit gewährleisten soll. „Wir bräuchten ein Programm für 10 000 Blockheizkraftwerke, sowohl in Form von Mikroblockheizkraftwerken in Einfamilienhäusern als auch in größeren Einheiten für Gewerbe und Verwaltung“, forderte der Fachmann. „Strom aus Heizung“, also eine dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung mit Wärmespeicherung, dient zur lokalen Stabilisierung der Stromnetze in Kombination mit Wind und Sonne. Erdgas als Rohstoff für Blockheizkraftwerke kann in Zukunft ersetzt werden durch Biogas, Bio-Methan und Holzgas.

„Die Energiewende muss Realität werden. Eine dezentrale Energiewende kommt von unten. Die Akteure sind Kommunen, Bürgerinnen und Bürger“, lautet zusammengefasst die Antwort des Bund Naturschutz auf die brennenden Fragen der Zeit.

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