LICHTENFELS

Am Rad des Wissens weiterdrehen

Die Talkrunde beim Dialogforum: Landrat Christian Meißner, Bernhard Butz (verdeckt), Roland Vogel, Thomas Meier, Andreas... Foto: Andreas Welz

Lösungen aus der Region für die Region: Dafür entwickelte Kultusminister Ludwig Spaenle Bildungsregionen. Vor Ort sollen Dialogforen den Weg bereiten, die Bildungsangebote zu vernetzen und die Qualität der Bildung weiter zu verbessern. Am Ende des Prozesses steht das Qualitätssiegel „Bildungsregion in Bayern“. Jetzt hat sich auch der Landkreis entschlossen, an diesem Programm teilzunehmen. Am vergangenen Donnerstag fand im Stadtschloss das erste Dialogforum statt.

Landrat Christian Meißner setzt dazu auf die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kommunen und Bildungsträgern vor Ort: „Wir wollen die Kinder und Jugendlichen im Rahmen der Zukunftsinitiative Aufbruch Bayern künftig noch intensiver begleiten – vom Kindergarten über die Schulen bis zum Beruf oder zur Hochschule“, so der Landrat. „So erreichen wir, dass die jungen Menschen im Landkreis Lichtenfels ihren individuellen Bildungsweg erfolgreich gehen können“. Die Bedürfnisse hätten sich entscheidend verändert. Auch durch die Integration von jugendlichen Flüchtlingen sei Bildung vielschichtiger geworden.

Es sei nötig unser Bildungssystem weiterzuentwickeln, sagte Meißner. „Wir wollen Netzwerke bilden, die die Qualität unserer Bildungslandschaft prüfen und Maßnahmen erarbeiten, diese zu verbessern.“ Ziel sei nicht nur ein Zertifikat, sondern das Ziel müsse sein, für alle Bürger im Landkreis die Bildungslandschaft begreifbar darzustellen, und alle Bildungsbedürfnisse abzudecken.

„Nach dem Zertifikat ist nicht Schluss, sondern wir werden weitermachen und am Rad des Wissens weiterdrehen“, so der Landrat.

Das Fundament jeder Bildungsregion sind die Menschen vor Ort. Ihre Bereitschaft, an diesem Prozess mitzuwirken, ihre Region weiterzuentwickeln und als Bildungsregion aufzustellen, verdient besondere Anerkennung und Wertschätzung, sagte Regierungspräsident Wilhelm Wenning. Die gemeinsame Analyse des Ist-Standes über die vorhandenen Bildungsangebote sei Grundlage für Verbesserungsansätze.

Einrichtungen vernetzen

Das Konzept der Bildungsregion stellte Bernhard Butz vom Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vor. Bildungsregion heiße, bestehende Einrichtungen zu vernetzen Eine besondere Aufgabe hätten die Schulämter. Sie könnten auch Flüchtlinge bildungsmäßig unterstützen. Edmund Neubauer von der Konferenz der Schulaufsicht erläuterte das Fünf-Säulenmodell der Bildungsregion. Die erste organisiere und begleite Schulübergänge. Die zweite vernetze schulische und außerschulische Bildungsangebote. Die dritte gelte jungen Menschen in besonderen Lebenslagen, zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund. Kein Talent dürfe verloren gehen. In der vierten Säule solle die Bürgergesellschaft gestärkt und entwickelt werden. In der fünften werde die Herausforderung des demographischen Wandels angenommen.

„Nach dem Zertifikat ist nicht Schluss, sondern wir werden weitermachen und am Rad des Wissens weiterdrehen.“
Christian Meißner, Landrat

Die anschließende Talk-Runde mit neun Teilnehmern moderierte Kreisentwickler Andreas Grosch. Landrat Meißner wünschte sich, dass Gymnasiasten nach dem Studium wieder in den Landkreis zurückkehren. Bernhard Butz bezeichnete das Dialogforum als Impulsgeber. „Wir wollen motivieren und freuen uns, wenn alle mitmachen. Thomas Meier, Leiter des Gymnasiums in Burgkunstadt, erläuterte das Übertrittsverhalten von der Kindertagesstätte über die Schulen bis hin zum Studium oder Beruf. Diese Übergänge würden in seiner Schule seit Jahren erfolgreich gestaltet.

Roland Vogel, Vorsitzender des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, legte auch Wert auf die Erwachsenenbildung. Angebote müssten transparenter gemacht werden. Klaus Lahmer von der Agentur für Arbeit schlug vor, in Mittelschulen das Wahlfach „Rechnungswesen" einzuführen. Bei Asylbewerbern solle auch das sprachunabhängige Bildungsniveau ausgelotet werden. Schulamtsdirektor Norbert Hauck machte deutlich, dass bei der schulischen Integration von jugendlichen Flüchtlingen die Hauptlast bei den Grund-, Mittel- und Berufsschulen liege. „Wir brauchen Unterstützung“, wandte er sich an Schulaufsicht und Ministerium. Thomas Petrak, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, machte die Herausforderungen des demographischen Wandels deutlich.

Jugendamtsleiterin Lydia Brückner sprach die Jugendpartizipation an. Wenn Kinder- und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung teilhaben, wenn sie bei Entscheidungen, die sie und ihr Umfeld betreffen, mitreden, mitgestalten und mitbestimmen, dann trügen sie zur Stärkung von demokratischen Strukturen bei. Kinder und Jugendliche könnten komplexe technische, wirtschaftliche oder rechtliche Zusammenhänge oft noch nicht richtig einschätzen. Dafür würden Kinder andere Kompetenzen mit einbringen, die viele Erwachsene nicht mehr besäßen: Phantasie, Kreativität, Spontaneität und Begeisterungsfähigkeit.

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