LICHTENFELS

„Dürfen wir nicht auf die lange Bank schieben“

Aktivkohle: Technischer Leiter Wolfgang Schneider (re.) informierte über Aktivkohle, die als Filtermasse für das Sickerwasser der Altdeponie Oberlangheim dient. Foto: Andreas Welz

Der Umweltausschuss des Kreistags besichtigte am vergangenen Dienstag die Kreisdeponie Oberlangheim an der „Schwedenschanze“. Im Mittelpunkt stand das Nachsorgeprogramm - die Deponie wurde 2005 geschlossen. „Fast zwei Millionen Kubikmeter Industrieabfälle und Hausmüll der Landkreise Lichtenfels und Kronach wurden hier 33 Jahre lang entsorgt“, machte der Technische Leiter Wolfgang Schneider deutlich.

Wöchentliche Überprüfung

Erst nach dem 2005 gefassten Beschluss der rot-grünen Bundesregierung musste die riesige Müllkippe geschlossen werden. Und der Kreistag leitete die ordnungsgemäße Abdichtung und Verbrennung des Deponie-Gases und die Beseitigung des anfallenden Sickerwassers nach dem Stand der Technik ein. Drei Millionen Euro investierte der Müllzweckverband für die Abdichtmaßnahmen.

Zu den wichtigsten Aufgaben zählte Schneider die wöchentliche Überprüfung und Einstellung der 35 Deponiegasbrunnen. Einmal jährlich werde die Gaszusammensetzung und Emissionsmessung an der Deponiegasfackel überprüft. Jährlich erfolgten sicherheitstechnische Überprüfungen des gesamten Deponien-Entgasungssystems. Einmal im Monat würden Proben des aufbereiteten Sickerwassers zur Kontrolle und Überprüfung entnommen. Es erfolge eine vierteljährliche Beprobung von Quellen im Umfeld der Deponie, vier Grundwasserpegeln, Oberflächenwasser und Sickerwasser.

Ein wichtiger Programmpunkt ist die Kontrolle der Sickerwasser-Reinigungsanlage und der Wechsel der Aktivkohle-Filtermasse alle sechs Wochen. Einmal im Jahr kontrolliert das Wasserwirtschaftsamt die Deponie und legt den Umfang der künftigen Proben fest. Im vierteljährlichen Rhythmus reinigen Fremdunternehmen die Sickerwasserleitungen. Alle fünf Jahre wird der Oberflächenwasserablauf mittels einer Kamerabefahrung kontrolliert.

Ständig wird der Zustand und die Funktionstüchtigkeit der Rekultivierungsschicht und der Oberfläche der Deponie kontrolliert. Alle Untersuchungs- und Überwachungsergebnisse werden an die Regierung von Oberfranken, Landesamt für Umwelt und Wasserwirtschaftsamt übermittelt. Und das sehr umfangreiche Nachsorgehandbuch zur Dokumentation des Deponieverhaltens wird erstellt.

Im Anschluss der Besichtigung trafen sich die Mitglieder des Umweltausschusses zur Fortsetzung der Sitzung im Gasthof „Zum Löwen“. Dort stellte Jörg Wicklein von der Energieberatung Coburg das integrierte Klimaschutzkonzept für den Landkreis Lichtenfels und seine elf Städte und Gemeinden vor. Bisher habe er mit seinem Team 46 externe Termine wahrgenommen und fast 200 Maßnahme-Vorschläge ausgearbeitet. Dafür sei ein Katalog mit 54 Handlungsfeldern erstellt worden.

Die Ausführungen des Ingenieurs zielten nicht auf die konkrete Fortsetzung der momentanen Situation hin, sondern stellten mögliche Zukunftsvarianten zur Erzeugung von umweltfreundlicher Energie und Einsparpotenzialen dar.

Hinweis auf Sonnentage

Landrat Christian Meißner unterstrich, dass jetzt ausgelotet werden müsse, in wieweit sich die Kommunen an den Maßnahmen zum Klimaschutz beteiligen, ob sie selber tätig werden oder im Verbund mit anderen Kommunen und dem Landkreis.

„Wir dürfen den Klimaschutz nicht auf die lange Bank schieben“, appellierte Meißner an die Kreistagskolleginnen und -kollegen. Er wies auf die kommenden Lichtenfelser Sonnentage hin, die am 13. Juli am Landratsamt stattfinden sollen.

In der Diskussion wurde der Einsatz von Biogas-Anlagen behandelt. Grundsätzlich sei der Einsatz erneuerbarer Energien heute noch zu teuer, wurde festgestellt.

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