LICHTENFELS

Wenn die Tuba eine Wärmflasche braucht

Fleißige Musikanten: In Prächting spielen die Mitglieder der Kelbachtaler Blasmusik selbst bei Minusgraden das neue Jahr... Foto: RED

Hermann Pornschlegel hat es geahnt. Langsam, aber friert seine Tuba ein. Die Ventile lassen sich nur schwierig öffnen. Er kann seinem Instrument nur noch Naturtöne entlocken, egal, wie sehr er sich auch bemüht. Die umstehenden Musiker und Zuhörer schmunzeln. Sie nehmen es mit Humor. So ist das nun einmal beim Neujahrsanspielen. Kurzerhand werden Pornschlegel und seine Musikerfreunde ins Haus eingeladen, um sich aufzuwärmen.

Jedes Jahr am 31. Dezember zieht die Musikvereinigung Ebensfeld durch die Straßen von Ebensfeld und den umliegenden Dörfern, um für die Bewohner das neue Jahr anzuspielen. Die Kälte lässt die Finger taub werden, der Schnee verwandelt die Straßen in eine glatte Rutschbahn. Trotzdem sind die Musiker den ganzen Tag unterwegs. Als Frostschutz für ihre Instrumente lassen sie sich die kreativsten Ideen einfallen: „An die Tuba binden wir eine heiße Wärmflasche, damit sie nicht einfriert.“ Die Ebensfelder erwarten sie bereits voller Vorfreude. Die Häuser mancher Familien seien feste Anlaufpunkte, an denen man sich jedes Jahr zusammen findet. Die Musiker sind jederzeit willkommen, um sich aufzuwärmen. Die Ebensfelder bewirten die Kapelle mit Kaffee und Kuchen. Ab und zu ist auch der ein oder andere Schnaps dabei. „Das hilft beim Auftauen.“ Gestärkt geht es dann auf ihrem Weg weiter. Genug zu essen und zu trinken gibt es in jedem Fall. „Bis zur Mittagspause sind wir meistens schon abgefüllt“, lacht Pornschlegel. Für die Geburtstagskinder im Dorf gibt es ein besonderes Geschenk: Sie bekommen einen Blumenstrauß überreicht und ein Geburtstagsständchen gespielt.

Auch in Prächting hat das Neujahrsanspielen eine lange Tradition. „Wir machen das schon immer, seitdem es die Kapelle gibt. Uns gibt es seit 60 Jahren“, erklärt Claudia Hatzold, die 1. Vorsitzende der Kelbachtaler Blasmusik. Die Kapelle zieht jedes Jahr durch Prächting, Sträublingshof und Dittersbrunn. Die Jüngsten sind 13 Jahre, die Ältesten 67. Generationenübergreifend musizieren sie gemeinsam. „Wir haben feste Punkte, an den Straßenkreuzungen zum Beispiel. Dort spielen wir dann“, so Hatzold. Gegen die Kälte sind sie ebenfalls gewappnet. „Die Flötisten spielen mit Handschuhen, an denen die Fingerkuppen ausgespart sind.“ Und eine Pause beim Landgasthof Hummel oder beim Gasthof Gagel gehört zur Tradition. Dort wärmen sich die Musiker auf und können sich mit Schnittchen und Bratwürsten stärken. Trotz dem Entgegenkommen der Bürger und den Vorkehrungen gegen die Kälte musste das Neujahrsanspielen einmal abgebrochen werden. „Da war es zu kalt und die Instrumente sind eingefroren. Wir mussten abbrechen.“

In Modschiedel findet das Neujahrsanspielen überhaupt nicht mehr statt. „Wir haben in der Adventszeit das Weihnachtskonzert in der Kirche und die Feuerwehr veranstaltet auch ihre Aktionen. Das wäre einfach zu viel“, erklärt Bernhard Kießling, Vorstandsmitglied der Blasmusik Modschiedel. Auch in Weismain ziehen keine Musiker durch die Straßen.

Erstmals in Uetzing

Ganz anders sieht es in Uetzing aus: Dort wird in diesem Jahr zum ersten Mal das Neujahrsanspielen veranstaltet. Rupert Motschenbacher, der Dirigent habe die Idee dazu gehabt. Er kenne die Tradition aus Prächting. „Wir haben es in der Zeitung angekündigt, damit die Leute Bescheid wissen und sich nicht wundern“, erklärt Vorsitzender Markus Krappmann. An zentralen Punkten, je nachdem wo Platz sei, werden nun am 31. Dezember Musikstücke gespielt. Eine ähnliche Tradition gibt es in Uetzing bereits. An der Kirchweih findet das „Kirchweihanspielen“ statt.

In Mistelfeld wird sowohl an der Kirchweih, als auch an Neujahr angespielt. Hier zieht die Leuchsentaler Blasmusik am 1. Januar durch die Straßen. 15 bis 20 Musiker spielen an bestimmten Plätzen im Dorf das neue Jahr an. „Man muss eine spielfähige Mannschaft haben“, erklärt Vorstandsmitglied Martin Dirauf, „es kommt nicht darauf an, wie viele Musiker dabei sind, sondern, dass jedes Instrument vertreten ist.“ Gemeinsam ziehen sie bis abends durch Mistelfeld, wünschen den Bewohnern ein gesundes neues Jahr und sammeln Spenden für die Musiker. Zwischendurch legen sie immer wieder eine Pause bei Vereinsmitgliedern ein, bei Plätzchen, Punsch, Stollen und einem Schnaps. Die Leute erwarten die Musiker bereits. „Sie freuen sich richtig. Die Kinder stehen am Fenster und schauen uns zu.“ Abends sitzen die Musiker zusammen und lassen den Tag in einer gemütlichen Runde ausklingen.

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